Zoff bei Ortstermin mit Regierung von Oberbayern

Loisachtal: Geplanter Managementplan löst Proteste aus

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Dicke Luft beim Ortstermin: (vorne v. r.) die Kommunalpolitiker Anton Kölbl, Tessy Lödermann, Peter Imminger und Christian Hornsteiner waren mit der Vorgehensweise der Regierung von Oberbayern überhaupt nicht einverstanden.
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Das Loisachtal zwischen Farchant und Eschenlohe ist ein reichhaltiger Naturschatz – mit seinen Mooren, Wiesen, Wäldern und Gewässern. Doch jetzt sorgt ein Managementplan der Regierung von Oberbayern für Dissonanzen. Betroffene Landwirte, Grundeigentümer und Bürgermeister fühlen sich übergangen und fordern Mitsprache.

Landkreis – Vermutlich hatte Agnes Wagner, die bei der Regierung von Oberbayern für das „Natura 2000“-Projekt zuständig ist, schon eine gewisse Vorahnung, dass bei der Aussprache die Emotionen hochkochen könnten. „Sachlich bleiben, keine Beleidigungen“, ermahnte sie die Versammelten, die auf Einladung der Behörde zu einem „Runden Tisch“ im Freien auf dem Wanderparkplatz in der Nähe des Oberauer Golfplatzes zusammengekommen waren. Denn das, was Wagner und ihre Kollegen der beteiligten Fachbehörden den erschienenen Kommunalpolitikern, Grundeigentümern und Landwirten vorstellten, birgt gehörig Sprengkraft. Dies wurde anschließend beim Schlagabtausch zwischen den Parteien schnell deutlich.

692 Hektar großes Areal

Stein des Anstoßes ist der Entwurf eines Managementplans für das FFH-Naturschutzgebiet „Loisachtal zwischen Eschenlohe und Farchant“, das zum europaweiten Biotopverbund „Natura 2000“ gehört. Das 692 Hektar große Gelände erstreckt sich auf circa acht Kilometern Länge zu beiden Seiten der Loisach und ist aus ökologischer Sicht etwas ganz Besonderes. Experten haben mehr als 300 bedrohte Tier- und Pflanzenarten gezählt, die dort ihren Lebensraum finden – eine unglaubliche Vielfalt. Das fängt bei der Fischart Koppe an und hört bei der heimischen Orchidee Sumpf-Glanzkraut auf. Diesen Reichtum gilt es zu schützen. Und hierfür fordert die Europäische Union einen Managementplan, eine Art Leitfaden, der aufzeigt, wie die sensiblen Flächen zwischen den beiden Bergketten gepflegt und bewirtschaftet werden können. Da geht es beispielsweise um Mahdzeiten, um den Verzicht auf Dünger oder um eine natürliche Vegetationsentwicklung. Der mit Hilfe eines Fachbüros erstellte Plan hat lediglich Hinweischarakter. Allerdings darf sich nichts verschlechtern. „Das ist ein Gemeinschaftswerk“, schickte Wagner voraus. „Das Gebiet ist einzigartig. Wir wollen es gemeinsam mit Ihnen erhalten.“

Doch einige Gäste reagierten ziemlich verschnupft, allen voran die drei Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, Anton Kölbl (CSU, Eschenlohe), Christian Hornsteiner (CSU, Farchant) und Peter Imminger (CSU, Oberau). Die Volksvertreter waren mit der Vorgehensweise der Regierung von Oberbayern alles andere als einverstanden – und fühlten sich überrumpelt. Das umfangreiche Material sei erst vor wenigen Wochen mitten in den Sommerferien in den Rathäusern eingegangen, hieß es. Es wurde der Vorwurf laut, der Managementplan solle möglichst geräuschlos durchgedrückt werden.

Bürgermeister mit Vorgehensweise nicht einverstanden

Imminger platzte schließlich der Kragen: „Das ist eine Frechheit. Wir werden uns an eine höhere Stelle wenden“, polterte er. „Wir hatten keine Möglichkeit, das Ganze durchzuarbeiten“, beschwerte sich auch Kölbl. „Das ist absurd. Wir können das doch nicht hier auf einem Parkplatz abklären.“ Ähnlich klang es bei Hornsteiner. „Es gibt schon einige Punkte, die nicht in unserem Sinne sind“, sagte er. Doch man brauche Zeit, um das komplizierte Thema mit den Gemeinderäten, den Grundeigentümern und Landwirten zu besprechen – und Möglichkeiten, offene Fragen zu klären und Einwände vorzubringen.

Unterstützung erhielten die drei Ortschefs von der Tierschützerin und Dritten Landrätin Tessy Lödermann (Grüne). Auch sie ging mit den Regierungsvertretern hart ins Gericht: „Wie das hier abläuft, macht mich fassungslos“, sagte sie. Solch ein Regelwerk sei schon sinnvoll, betonte Lödermann. Nur müsse man darüber auf Augenhöhe miteinander reden. „Sie können das nicht einfach durchpeitschen. Lassen Sie uns mehr Zeit!“, appellierte sie eindringlich an die Verantwortlichen.

Nach einem längeren Hin und Her verständigten sich die Teilnehmer an dem Treffen schließlich darauf, dass die Kommunen bis Ende November ihre Stellungnahme abgeben können. Offen ist jedoch, ob dann die Anliegen in der endgültigen Fassung des Managementplans tatsächlich Beachtung finden.

Bedenken gibt es jedenfalls reichlich. Einige Kritiker empfinden die Anleitung als bürokratisches und unnötiges Korsett. So machen etwa Befürchtungen die Runde, dass durch den angedachten Rückbau von Uferverbauungen Wiesen verkiesen, die Biber-Population zu Schäden führt und künftig die Mäharbeiten weniger flexibel erledigt werden können. Das Gelände befinde sich in einem intakten Zustand und werde von den Besitzern und Nutzern vorbildlich betreut, lautete das zentrale Argument. Da seien solche Vorgaben überflüssig. „Wir brauchen das nicht“, schimpfte etwa der Farchanter Landwirt Josef Krötz. „Es wäre ideal, wenn alles so bleibt, wie es ist“, stimmte ihm Bürgermeister Kölbl zu.

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