VonPatrick Staarschließen
Seit das Isarhochwasser den Kanal zwischen Ascholding und Geretsried zerstört hat, herrscht in Dietramszell Ausnahmezustand. Nun ist eine Lösung absehbar.
Ascholding – Das Isarhochwasser Ende Mai hatte gravierende Folgen für Dietramszell: Es zerstörte den Kanal von Ascholding nach Geretsried. Damit das Abwasser nicht in den Fluss gelangt, muss es seit einem halben Jahr abgepumpt und von Lastwagen abtransportiert werden. Ein Ende der Misere scheint in Sicht: Bürgermeisterin Leni Gröbmaier hofft, dass die Reparaturarbeiten Ende diesen Jahres abgeschlossen sind. Erfreulich: Die Telekom wird die Hälfte der Baukosten übernehmen.
Seit Monaten wird das Abwasser in Ascholding abgepumpt. Lastwagen fahren nach Bairawies, wo das Schmutzwasser in das Kanalsystem eingespeist wird – oder sie rollen direkt zum Klärwerk nach Wolfratshausen-Weidach. „Die Technik ist simpel, die Kosten sind hoch“, sagt Gröbmaier. Jeden Monat muss die Gemeinde 20 000 Euro für die Transporte zahlen. „Das sind einige Fahrten pro Tag, trotzdem ist es die günstigste Lösung.“ Eine angedachte Leitung über die Isar habe sich als utopisch erwiesen, „mal abgesehen davon, dass wir die Genehmigung dafür bis heute noch nicht hätten“.
Früher seien Flüsse bei derartigen Bauvorhaben umgeleitet worden. Heutzutage werden die Rohre mit dem sogenannten Spülbohrverfahren gebaut. Damit können Rohrleitungen unterirdisch verlegt werden, ohne dazu einen Graben ausheben zu müssen. Der neue Kanal wird fünf Meter unter der Isar verlegt, zwei Meter tiefer als bisher. „So was ist schon eine gewaltige Herausforderung“, sagt Gröbmaier. Zumal die Isar an dieser Stelle „ganz schön breit“ sei.
In den vergangenen Monaten waren vor allem viele bürokratische Aufgaben zu erledigen. So ließ die Gemeinde Dietramszell ein Gutachten erstellen und die Isar vermessen. Außerdem holte sie die nötigen Erlaubnisse ein. Alles nicht so ganz einfach, denn der Kanal liegt in einem Naturschutzgebiet.
Vergangene Woche starteten die ersten Vorbereitungen für den Neubau. So wurde auf beiden Seiten der Isar eine Trasse für die Lastwagen frei geschnitten. Die Firmen können nun am Isarufer mit schwerem Bohrgerät Bodenproben nehmen. Erst wenn die Ergebnisse ausgewertet sind, kann das Ingenieurbüro die Ausschreibungsunterlagen erstellen. „Wir müssen den Firmen ja mitteilen, mit welchen Bodenverhältnissen und Bodenklassen sie es zu tun haben“, erläutert die Bürgermeisterin.
Es habe auch schon einen Ortstermin mit den Firmen gegeben, die in Frage kommen: „Sie wissen Bescheid und stehen Gewehr bei Fuß.“ Die Frage sei, inwieweit sie Zeit haben: „Für Baufirmen herrscht ja nicht gerade Flaute.“
Wie hoch die Baukosten sind, kann die Rathauschefin ebenfalls noch nicht abschätzen. Sicher sagen könne man aber, dass sich die Telekom zur Hälfte daran beteiligt: „Die Telekom hat ja das gleiche Schicksal wie wir“, sagt Gröbmaier auf Nachfrage. Worauf sie anspielt: Beim Hochwasser wurde nicht nur der Abwasserkanal der Gemeinde, sondern auch das unterirdisch verlegte Glasfaserkabel der Telekom massiv beschädigt. Im Juni herrschte deshalb in der Gemeinde der Ausnahmezustand, eine Woche gab es kein Internet – bis eine provisorische Leitung über die Isar fertig war. „Dass sich die Telekom beteiligt, ist das einzige Gute an dem ganzen Schlamassel“, bilanziert Gröbmaier, die sich über die schnelle Einigung mit dem Konzern freut.
Wann die Bauarbeiten abgeschlossen sind, lasse sich noch nicht abschätzen. Die Rathauschefin: „Das hängt vom Terminplan der Firmen und vom Winter ab. Ich hoffe schon, dass es heuer noch klappt. Aber garantieren kann das niemand.“
Geretsrieder stimmen Bauvorhaben zu
Eine neue Dükerleitung unter der Isar soll das Abwasser-Problem in Ascholding lösen. Für den Neubau mittels Spülbohrung muss auf beiden Uferseiten ein Baustellenbereich eingerichtet werden – also auch auf Geretsrieder Flur. Dort sollen eine Baustraße aufgekiest und Fichten auf einer 20 mal 20 Meter großen Fläche gefällt werden, um das Bohrgerät aufstellen zu können. „Die Gemeinde Dietramszell lässt den Bereich anschließend wieder aufforsten“, erläuterte Bauamtsmitarbeiter Lukas Schrettenbrunner jüngst im Geretsrieder Haupt- und Finanzausschuss. Dieser war vom Landratsamt um die Zustimmung für das Bauvorhaben auf Geretsrieder Grund und Boden gebeten worden. Das Gremium kam dem einstimmig nach.
Laut Tagesordnung sollte das Thema „Neubau der Dükerleitung Ascholding-Geretsried“ nicht öffentlich behandelt werden. Auf diesen Missstand machte jedoch Volker Reeh (CSU) zu Beginn der öffentlichen Sitzung aufmerksam. Auf seine Frage, warum der Punkt nicht öffentlich sei, blickte er in ratlose Gesichter. „Da bin ich überfragt“, sagte Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner (SPD), der die Sitzung leitete. Der Ausschuss verfrachtete den Punkt einstimmig in die öffentliche Sitzung.
pr
