Münchner Forscher präsentieren ihre Arbeit in Japan
Assistenz-Roboter Garmi der TU München wird dank KI noch schlauer
VonKatrin Woitsch
schließen
Assistenzroboter Garmi lernt dank Künstlicher Intelligenz schnell dazu. Er kann bereits mit Menschen kommunzieren oder Frühstück ans Bett bringen.
Garmisch - Die Stimme fehlt Garmi noch – aber hören kann er. Und auf seinem Display Antworten formulieren. Oder einfach Befehle entgegennehmen. Der humanoide Roboter ist auf dem besten Weg, ein guter Pflegeassistent zu werden. Daran arbeitet er schon eine ganze Weile fleißig – nun hat er aber durch die Künstliche Intelligenz noch mal einige Fähigkeiten dazubekommen.
Der Roboter kann bereits Frühstück servieren, ärztliche Gespräche vermitteln oder beim Aufstehen helfen
„Die Sprachsteuerung funktioniert über Chat GPT“, erklärt Martina Kohlhuber, die wissenschaftliche Leiterin des Forschungscampus in Garmisch-Partenkirchen, wo Garmi entwickelt wird. Für die Interaktion mit dem Menschen hat das KI-Tool einen riesen Schritt bedeutet, berichtet die Wissenschaftlerin. Der Roboter versteht nun diverse Kommandos und setzt sie autonom um. Er kann Patienten das Frühstück servieren oder ein Glas Wasser ans Bett bringen, ohne etwas zu verschütten. Er kann für sie Gespräche mit Ärzten vermitteln und telemedizinische Untersuchungen in die Wege leiten. Er kann beim Aufstehen helfen oder sogar bei Reha-Übungen. Und eines Tages wird er wohl sogar mit Stimme antworten können, sagt Kohlhuber.
Momentan ist Garmi noch unbezahlbar.
Roboter Garmi soll eine Pflegeassistenz werden
Garmi lernt in einer Testwohnung in Garmisch-Partenkirchen. Als Nächstes steht die Weiterentwicklung seiner Hände an, sie sollen immer feinere Aufgaben übernehmen. Dafür haben die Wissenschaftler Garmis Roboterarm und -hand mit Künstlicher Intelligenz zusammengebracht. Um die Bewegungen des Roboters vor der realen Interaktion mit Menschen in einer Simulation durchzuproben, nutzen die Forscher einen digitalen Zwilling von Garmi.
(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen GAP-Newsletter.)
Er bewegt sich in einer digitalen Welt, in der die Testwohnung mit allen Möbeln und Objekten nachgebildet ist. Zunächst macht seine Kamera ein Bild von einem Objekt, das er greifen soll, und identifiziert es als Tasse, Flasche oder Ball. Da die Kamera das Objekt nur von einer Seite sieht, ergänzt das System nichtsichtbare Bereiche und rekonstruriert ein vollständiges 3-D-Objekt. So lässt sich die ideale Position für die Hand ermitteln, erklärt der Projektleiter Abdeldjallil Naceri. „Wenn es mit einer Tasse klappt, kann unser System das für alle Tassenformen übertragen.“
Künstliche Intelligenz hilft bei der Weiterentwicklung des Roboters
Dank KI kann Garmi seine Umgebung so exakt wahrnehmen und navigieren, dass er sogar fliegenden Bällen ausweichen kann. Der Roboter verarbeitet Informationen mit einer Taktung von einer Millisekunde. Die Kraftsensoren seiner Arme registrieren geringste Berührungen und reagieren sofort. Über seine Sensoren kann er auch wahrnehmen, wenn sich eine Person in seiner Nähe befindet, dann bewegt er sich langsamer, um Unfälle zu vermeiden.
Mittlerweile hat Garmi über Chat GPT 15 bis 20 Kommandos gelernt. „Das lässt sich beliebig erweitern“, sagt Naceri. Das Institut für Robotik und maschinelle Intelligenz der TU gehört zu den ersten Instituten weltweit, in denen Roboter und Menschen mithilfe von Chat GPT miteinander interagieren. Ihre Erfolge präsentieren die Forscher aktuell auf einer Robotikmesse in Japan. Dort werden von Garmi Videos gezeigt – der Assistenzroboter lernt unterdessen in seiner Garmischer Wohnung fleißig weiter.
Freier Blick auf Wildtiere, Auszeit in ursprünglicher Natur: Die schönsten Spaziergänge in München
Das Ziel: Der Roboter soll in Pflegeheimen zum Einsatz kommen
Ziel ist es, dass er irgendwann in Pflegeheimen oder für die häusliche Pflege im Einsatz ist, sagt Martina Kohlhuber. Das ist natürlich eine Vision, die noch in ferner Zukunft spielt. „Roboter wie Garmi könnten irgendwann dabei helfen, dass Menschen länger zu Hause leben, bevor sie in ein Heim ziehen müssen.“ Dafür müsste der Assistenzroboter allerdings bezahlbar werden. Auch das wird noch Jahre dauern. „Momentan ist er unbezahlbar und unser wertvollster Mitarbeiter“, sagt Kohlhuber.