Zum 15. April 2023

Ausstieg aus der Atomenergie: Grünen-Politiker feiert mit Partei-Kollegen eine „Abschaltparty“

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Einer, der sich seit fast 40 Jahren für den Ausstieg aus der Atomenergie engagiert, ist Grünen-Politiker Eckart Stüber. In seinen Händen hält er ein Wahlplakat der Grünen aus dem Jahr 1986.
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Wenn an diesem Wochenende die letzten deutschen Kernkraftwerke vom Netz gehen, feiert Grünen-Politiker Eckart Stüber gemeinsam mit seinen Parteikollegen eine „Abschaltparty“.

Weilheim – Es ist der Moment, auf den Atomkraftgegner lange gewartet haben: An diesem Wochenende werden die letzten deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet. Einer, der fast vier Jahrzehnte für den Ausstieg gekämpft hat, ist Eckart Stüber (59). Schon als Student hatte sich er gegen Atomenergie stark gemacht. Die Katastrophe von Tschernobyl war für Stüber ein einschneidendes Erlebnis, wie er im Interview mit der Heimatzeitung verrät. Ende der 80er Jahre engagierte sich der heutige Bezirksrat deshalb in Wackersdorf. Dort in der Oberpfalz sollte eine Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) für abgebrannte Brennstäbe entstehen. „Ein absolutes No-Go für Kernkraftgegner“, wie Stüber sagt.

(Die Heimatzeitungen im Landkreis Weilheim-Schongau sind unter „merkur_wm_sog“ auf Instagram vertreten.)

Eckart Stüber hat sie gegen die geplante WAA in Wackersdorf engagiert

Von seinem Studienort Freising fuhr er mehrmals in die Oberpfalz, um vor Ort mit Gleichgesinnten zu protestieren. „Ich habe Holzhütten gebaut und die Wege mit Baumstämmen blockiert“, sagt er. Mit der Polizei habe man sich „ein Katz- und Mausspiel“ geliefert. Die Protestaktionen waren damals erfolgreich: die WAA wurde nicht gebaut. „Ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe“, sagt Stüber. Er habe aber weder im Wald campiert noch Gewalt angewandt.

Stübers Vorbehalte gegenüber Kernkraftnutzung wurden durch sein Aufbaustudium im Fach Umweltschutztechnik verstärkt. „Ich interessierte mich für Solar- und Windkraft“, sagt der gebürtige Pfälzer. In seinem Studienfach an der TU München drehte sich aber alles ausschließlich um Atomenergie. „Das hat mich total enttäuscht und gleichzeitig auch stutzig gemacht“, so der Grünen-Politiker weiter.

Ein Praktikum bei den Bayernwerken befeuerte schließlich seine Skepsis. Stüber war dort eigenen Aussagen nach im Archiv tätig, in dem der Bau der Kernkraftwerke Grafenrheinfeld und Gundremmingen dokumentiert werden sollte.

„Die Betonung liegt hier auf sollte“, sagt er. Wie Stüber erzählt, wurde die Dokumentation erst im Nachhinein veranlasst. „Diese Riesen-Atomkraftwerke wurden einfach so gebaut, ohne, dass man das nachvollziehen konnte.“ Das sei „wirklich sehr eindrucksvoll“ gewesen – aber nicht im positiven Sinne. Die Sicherheit, die deutschen Atomkraftwerken nachgesagt wird, stellte Stüber seitdem in Frage.

(Die Heimatzeitungen im Landkreis Weilheim-Schongau sind unter „merkur_wm_sog“ auf Instagram vertreten.)

Mahnwachen nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima

Beruflich trieb es den Grünen-Politiker dann weg von der Kernkraft: Er promovierte und war bei der IHK in München beschäftigt. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends kümmert sich der Wahl-Weilheimer um seine Familie: Stüber ist dreifacher Familienvater und übernahm die Kindererziehung. „Da blieb nicht viel Zeit für den Protest“, sagt er.

Doch als es 2011 durch ein Erbeben zur Nuklearkatastrophe in Fukushima kommt, geht Stüber wieder auf die Straße. Auf dem Weilheimer Marienplatz hält er mehrere Mahnwachen ab. Kurz nach dem Super-GAU in Japan verkündet Angela Merkel, damals als Bundeskanzlerin im Amt, die Abkehr von der Atomenergie für Deutschland. Grünen-Politiker Stüber macht trotzdem weiter. 2018 startet er eine Sammelaktion von Anti-Atomkraft-Plakaten aus den Wahlkampagnen der Grünen der vergangenen Jahrzehnte. „Atomkraft. Nein danke“ oder „Das einzige, was wirklich schützt, ist abschalten“ sind nur zwei der Slogans, die man auf den Plakaten lesen kann.

Anstoß zum Sammeln hatte die mittlerweile verstorbene Grünen-Politikerin Fanny Klatt gegeben. In den vergangenen Wochen ließ Stüber auf seiner Facebook-Seite einen Countdown bis zum endgültigen Aus der letzten Kraftwerksblöcke herunterlaufen. Und jetzt ist es soweit: Der 15. April 2023 ist da. Um den historischen Moment gebührend zu feiern, lädt der Kreisverband der Grünen heute Abend zu einer „Abschaltparty“. „Eingeladen ist jeder, der kommen möchte“, sagt Stüber. Die Fete steigt im Grünen-Büro in der Weilheimer Innenstadt. Dort gibt es dann auch Stübers große Plakatsammlung zu bestaunen.

„Abschaltparty“

am Samstag, 15. April, ab 18.30 Uhr im Grünen Büro, Buxbaumgasse 2, Weilheim

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