VonPatrick Mayerschließen
Isarvorstadt, Maxvorstadt, Schwabing: In der Münchner Innenstadt wird um Auto-Parkplätze gerungen. Ein Oppositionspolitiker hat einen Vorschlag – und er erklärt die mögliche Finanzierung.
München – Wo finde ich als Autofahrer in der Münchner Innenstadt einen Parkplatz, ohne dass ich x-mal um den Block fahren muss? Diese Frage stellen sich PKW-Halter zwischen Schwabing, Maxvorstadt, Neuhausen, Isarvorstadt und Haidhausen mutmaßlich unzählige Male.
Auto-Parkplätze in München: ÖDP schlägt mehr Tiefgaragen vor
Stand 31. Dezember 2021 waren in der bayerischen Landeshauptstadt, so die jüngsten Erhebungen der Behörden, 736.348 PKW gemeldet. Wäre die Parkplatz-Not nicht ohnehin groß, verdrängen zwischen Frühjahr und Herbst in den Ausgeh-Vierteln Schanigärten vor Lokalen mindestens 1300 Stellplätze. Diese Zahl nennt das Kreisverwaltungsreferat (KVR). Das sorgt für Zoff. Was tun?
Der ÖDP-Landesvorsitzende für Bayern hat nun den Bau etlicher Tiefgaragen in der Innenstadt angeregt. „Jede Wohnung, die keinen eigenen Stellplatz hat, muss Abgaben bezahlen. In diesem Topf liegt sehr viel Geld. Geld, um die Parkplätze in die Tiefe zu legen“, sagte Tobias Ruff tz.de: „Am Altstadtring haben wir zum Beispiel eine Tiefgarage unter den Ring gesetzt.“ Was sich gelohnt habe.
Im Video: München gibt neue Regeln zur Wiesn bekannt
Gemeint ist in diesem Fall die große Tiefgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring, wegen seiner Nähe zum „Platzl“ auch „Hofbräuhaus-Parkhaus“ genannt. Dort gibt es seit Frühjahr 2021 insgesamt 520 neue Stellplätze, allerdings sind diese gebührenpflichtig. Und Autofahrer stehen in Konkurrenz mit denselben Parkmöglichkeiten für E-Bikes. Und: Von der Planung bis zur Fertigstellung vergingen rund acht Jahre. Ein überschaubarer Kompromiss?
Auto-Parkplätze in München: 400.000 Pendler strömen in die Isarmetropole
„Mir fehlt in der Stadtpolitik eine Perspektive von außen. Die Stadtpolitik schaut immer von innen. In der Isarvorstadt kann man sich mit dem Rad oder zu Fuß bewegen. Aber wir haben 400.000 Pendler in die Stadt pro Tag, die von außen reinkommen. Da findet ganz, ganz viel mit dem Auto statt“, meinte Ruff zu den Pendlerströmen in die Isarmetropole: „Wir müssen irgendwie dafür sorgen, dass diese 400.000 Pendler nicht alle mit dem Auto reinkommen müssen. Das 49-Euro-Ticket ist ein großer Schritt. Jetzt muss das Angebot dazu wachsen.“
Wir müssen irgendwie dafür sorgen, dass diese 400.000 Pendler nicht alle mit dem Auto reinkommen müssen.
Die Gleichung des ÖDP-Politikers: Erst das ÖPNV-Netz ausbauen, um Entlastung zu schaffen. Dann mehr Tiefgaragen erwägen. Dann sei es auch einfacher, über autofreie Zonen nachzudenken, meint er zum Ansatz einer autofreien Innenstadt, die die Grünen seit Jahren propagieren. Aber kaum vorankommen. „Die Sendlinger Straße ist ein großer Erfolg. Das Tal wird kommen, die Maximiliansstraße vermutlich. Dann können wir uns auch die Stadtviertel anschauen und sagen: ‚Hier mehr Radlparkplätze‘“, sagte Ruff und warb ein weiteres Mal für den ÖPNV: „Wir müssen schauen, welcher Verkehr am meisten Platz spart. Eine Eisenbahnschiene, zum Beispiel für die U-Bahn oder die S-Bahn, kann bis zu acht Autospuren ersetzen. Ein Auto steht gegebenenfalls nur da und blockiert, zum Beispiel eine Radspur. Da können wir viel mit Car-Sharing erreichen.“
Zweite Stammstrecke und ÖPNV in München: ÖDP kritisiert CSU-Landesregierung
Weil es aber mit dem Ausbau des ÖPNV nur schleppend vorangeht, kritisierte der ÖDP-Landesvorsitzende die Landesregierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Die Zweite Stammstrecke kommt vielleicht in 20 Jahren. Und vielleicht ist das auch noch optimistisch. Man hätte für viel weniger Geld die Außenäste stärken können“, sagte er mit Blick auf den MVV: „Da, wo wir jetzt eingleisig sind. Mit einem zweiten Gleis kann ich einen ganzen anderen Takt fahren. Ich bräuchte einen Nord- und Südring als Entlastungsstrecken. Die Stammstrecke ist ja ständig zu wegen Stellwerksstörung oder Spaziergängern im Gleis.“
Autofreies München? Klarer Fokus auf die Radlfahrer? Solchen Gedankenspielen hatte FDP-Politikerin Susanne Seehofer unlängst eine klare Absage erteilt. „Man darf die Menschen nicht gegeneinander ausspielen, die bösen Radfahrer oder die bösen Autofahrer. Ich glaube, dass beides möglich sein muss“, sagte die Tochter des ehemaligen Bundesinnenministers Horst Seehofer (CSU) im Gespräch mit tz.de und Merkur.de von Ippen Media: „Wir können doch nicht den Tausenden Pendlerinnen und Pendlern, den Handwerkern und Lieferanten in der Innenstadt die Mobilität wegnehmen. Der Kulturkampf gegen das Auto ist der falsche Weg.“
Mehr Tiefgaragen-Nutzung in Münchner Innenstadt? Auch FDP-Politikerin ist dafür
Auch Seehofer machte einen Tiefgaragen-Vorschlag – mit Blick auf das Glockenbachviertel. „Einige FDP-Stadträte und ich haben kürzlich über den Edeka in der Ickstattstraße gesprochen. Der verfügt über ein riesiges untergeschossiges Parkhaus“, sagte die Landtagskandidatin der Liberalen: „Warum macht es niemand möglich, dass Anwohner dort parken können?“ (pm)

