VonVictoria Strachwitzschließen
Ob Briefwahlunterlagen, die ins Ausland gehen, rechtzeitig zur Wahl am 23. Februar wieder im Würmtal sind, ist ungewiss. Die Gemeinden tun, was sie können.
Südafrika, Thailand, Japan: Seit dieser Woche verschicken die Würmtal-Gemeinden Stimmzettel für die Bundestagswahl an Briefwähler. Die Ziele sind teils exotisch. Das könnte zum Problem werden. Deutsche, die im Ausland leben, bekommen ihren Stimmzettel von der Gemeinde, in der sie zuletzt in der Bundesrepublik gemeldet waren. Und diese Auslandsdeutschen machen die Wahl diesmal aufwändiger für die Kommunen. Denn bis zur Wahl am Sonntag, 23. Februar, müssen es alle Stimmzettel aus fernen Ländern wieder ins Würmtal schaffen. „Jeder Wähler ist für die Rückkunft selbst verantwortlich“, erklärt Kraillings Geschäftsleitender Beamter Franz Wolfrum.
Gräfelfing, Planegg und Neuried haben die Stimmzettel am Dienstagnachmittag erhalten, allerdings nur 40 Prozent der Menge, die sie am Ende benötigen. Krailling bekam die Stimmzettel noch mal später. Die Gemeinden hatten sich darauf vorbereitet und den üblichen Arbeitsablauf geändert. Normalerweise werden die Unterlagen in einem Arbeitsgang gepackt. Doch aus jedem Rathaus im Würmtal war dieser Tage zu vernehmen: „Es ist alles schon eingetütet.“ Wahlscheine und Kuverts waren schon gedruckt und in Umschlägen. Nur die Stimmzettel mussten noch beigelegt, die Kuverts zugeklebt und abgeschickt werden.
Neuried und Gräfelfing waren die ersten, die die Unterlagen an die Auslandsdeutschen noch am Dienstag rausschickten. „Die sind mit Priorität Eins rausgegangen“, sagt Sandra Zwillich, die für die Wahl in Gräfelfing zuständig ist. Rund 130 Stimmzettel sind auf dem Weg nach beispielsweise Südafrika, Thailand und USA. Insgesamt haben Zwillich und ihre Kollegen im Rathaus bereits 3845 Briefwahlunterlagen eingetütet. „Ich gehe davon aus, dass wir mehr Briefwähler haben als sonst.“ Und das ausgerechnet heuer, wo wegen des Zeitdrucks jedes Kuvert zweimal in die Hand genommen wird.
In Neuried wollen 50 Auslandsdeutsche ihre Stimme abgeben, rund zehn davon wohnen weit weg, beispielsweise in Japan und Australien, wie der Geschäftsleitende Beamte Alois Sailer erzählt. In einem Fall schickte die Gemeinde die Unterlagen an das Auswärtige Amt in Berlin, damit dieses sie an die Deutsche Botschaft in Dubai weiterleitet. Auf Wunsch von Wählern schickte auch Zwillich vier Briefe über das Auswärtige Amt. Ob das schneller geht, bezweifelt sie.
Neuried lässt auch zu Hause Vorsicht walten. Bei der jüngsten Landtagswahl erreichten einige Wahlbriefe das Rathaus zu spät und konnten nicht gezählt werden. „Wir haben schon oft mitgekriegt, dass die Post zu langsam zustellt“, sagt Sailer. „Innerorts lassen wir die Unterlagen diesmal von den Amtsboten direkt einwerfen.“ Die Gemeinde habe zwei davon, üblicherweise bestücken sie die Schaukästen. Jetzt sind sie stark beschäftigt. 1696 Briefwahlunterlagen hat die Gemeinde bereits ausgestellt.
Mehr als 2000 Anträge auf Briefwahl sind bislang in Planegg eingegangen. „Das ist schon viel“, findet Marion Wedershoven, die dort für die Wahl zuständig ist. Sie kommen auch aus Ländern wie Korea, USA, Österreich, Dänemark und Japan. „Die kurze Frist bei dieser Wahl wird sicher die eine oder andere Stimme kosten“, glaubt sie. Konkret nennt sie den Fall eines Bürgers, der in Urlaub gefahren ist. Er macht eine Rundreise, daher kam der Stimmzettel zu spät. „Da kann ich auch nichts nachschicken“, so Wedershoven. Sie geht davon aus, dass es Menschen gibt, die die Wahl anfechten werden. „Aber ob die Recht bekommen werden, weiß ich nicht.“ Ihre Gräfelfinger Kollegin Sandra Zwillich ergänzt: „Alles, was wir machen können, haben wir gemacht.“
