Auch eine Klarinette braucht ein Schönheitsbad

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Hat den Durchblick: Angelika Dörfler, gelernte Klarinettenbauerin und Juniorchefin des Musikhauses Dörfler. Foto: sh

Geretsried - Angelika Dörfler ist gelernte Klarinettenbauerin und Juniorchefin des Musikhauses Dörfler. Momentan herrscht dort Hochbetrieb.

Feinsäuberlich aufgereiht liegen die Klarinettensäulchen, die Achsen und Klappen aus Neusilber neben dem hölzernen Instrumentenkorpus vor Angelika Dörfler auf dem Arbeitstisch. Die 43-Jährige reinigt jedes einzelne Teilchen oder ersetzt es, wenn nötig. Das vom Metall befreite Klarinettenrohr selbst wird in ein Bad aus harz- und säurefreiem Öl gelegt. Das Bad macht das Jahrzehnte lang gelagerte, teure Grenadill-Holz wieder schön dicht und glänzend schwarz. Nach der Säuberung aller Einzelteile samt Mundstück aus Kautschuk baut Angelika Dörfler das Instrument wieder zusammen.

Zurzeit herrscht Hochbetrieb im Musikhaus Dörfler am Ammerseeweg. „Die Schule und die Musikschule haben wieder begonnen. Da bringen sie alle ihre Holzblasinstrumente zur Reparatur oder Generalüberholung“, sagt die Juniorchefin und gelernte Klarinettenbauerin. Fagott, Oboe, Querflöte, Saxophon, sogar im Musikhaus erhältliche Gitarren repariert das Familienunternehmen in der vierten Generation, bestehend aus Vater Roland Dörfler (67), Ehefrau Beatrix und Tochter Angelika.

Die Dörflers sind seit 61 Jahren in Geretsried ansässig, ihre Kunden kommen aus ganz Deutschland, einige auch aus Frankreich. Sowohl Vater als auch Tochter beherrschen das anspruchsvolle Handwerk des Klarinettenbaus. Ihre Vierkant-Rohlinge bestehen aus Tropenholz, das aus Mosambik stammt. Für den Kubikmeter zahlt man 120 000 Dollar. An der Drehbank werden die Edelholzstangen durchbohrt und rund geschliffen, anschließend fräst Roland Dörfler die Tonlöcher in den Korpus. Eine Maßanfertigung kostet zwischen 2000 und 5000 Euro. Etwa 40 Stück im Jahr bauen die beiden Meister. Dafür halten die Instrumente auch ewig. (tal)

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