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„Ich mache jetzt eine Yoga-Schule auf“: Stefan Murr lacht über sich selbst nach dem Nockherberg

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Im Singspiel wollte Hubert Aiwanger (Stefan Murr, re.) eigentlich auf Nahrungssuche gehen, doch ein Hai riss ihm im Meer den Arm ab, so die Handlung.
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Der Tölzer Schauspieler Stefan Murr sorgte beim Singspiel auf dem Nockherberg für zwei außergewöhnliche Überraschungsmomente. Der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher, erstmals als Gast anwesend, hadert unterdessen mit einer Passage im Gstanzl vor und nach der Fastenpredigt.

Bad Tölz/Lenggries – Fast zwei Millionen Zuschauer verfolgten am Freitagabend die Fastenpredigt und das Singspiel auf dem Nockherberg. Eine der tragenden Rollen hatte der aus Tölz stammende Schauspieler Stefan Murr, der wieder Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger doubelte. Zwei Mal sorgte er für einen großen Überraschungsmoment – nämlich als er einmal mit einem abgetrennten Arm und später auch noch mit abgetrenntem Unterschenkel auftrat. Zehn Minuten stand Murr gegen Ende des Stücks auf einem Bein vor den Kameras. „Das war ziemlich anstrengend“, berichtet er. Knie und Hüfte hätten ihm danach sehr weh getan, die Fußsohle hätte gebrannt. „Das ist nicht leicht durchzuhalten, gerade wenn man dann auch noch nervös ist“.

Als Double brauchte Murr einen Fatsuit

Was kein Zuschauer wusste: Weil Aiwanger rundlicher ist als Murr, wurde dem Schauspieler ein Schaumstoffanzug angelegt, ein sogenannter Fatsuit. Eineinhalb Stunden saß er in der Maske, auch wegen der Frisur: „Zuerst wurde eine Glatze geklebt, dann kam das Haartoupet drauf, und dann wurde ich geschminkt.“ Währenddessen bekam er gar nicht so richtig mit, dass Fastenprediger Maximilian Schafroth am Ende seiner Rede stehenden Applaus bekam. „In der Maske steht nur ein Bildschirm ohne Ton. Wir Schauspieler müssen uns in diesen Minuten sehr auf unseren Auftritt fokussieren.“

Er sei dann „doch recht nervös gewesen“, als das Singspiel losging. „Es hat aber alles super geklappt. Es war ein super Abend mit tollen Kollegen, es hat an keiner Ecke gehakt“, sagt der Tölzer zufrieden. Welche körperliche Anstrengungen wegen des Beins auf ihn zukommen würde, habe er in den Proben gespürt. Vor allem Männern, wurde ihm vorher gesagt, würde es oft schwer fallen, lange Zeit auf einem Bein zu stehen. „Es heißt, Frauen falle das leichter“, sagt Murr und scherzt: „Jetzt mache ich eine Yoga-Schule auf.“

Bürgermeister Klaffenbacher immer wieder im Bild

Während der Fernseh-Übertragung fokussierte sich die Kamera auch immer wieder auf die Zuschauer – und mehrmals groß im Bild zu sehen war der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG). Er war zum ersten Mal dabei – beim letzten Nockherberg 2019 war er noch gar nicht Bürgermeister. Die Karten habe er über Paulaner bekommen, berichtet Klaffenbacher. Den Abend empfand er als ein „sehr eindrucksvolles Erlebnis. Dass ich so einen Kamera-Platz erwischt hatte, wusste ich gar nicht.“

Kritik am „Chor der Jungen Union Miesbach“

Die Fastenpredigt fand er „interessant“. Maxi Schafroth sei „auf Messers Schneide“ gegangen, findet Klaffenbacher. Lenggries wurde zweimal sogar textlich erwähnt, nämlich im Gstanzl vom „Chor der Jungen Union Miesbach“ vor und nach der Fastenpredigt. Darin kam die Zeile vor: „Wir beschneien in Lenggries und scheißen auf Paris“ – in Anspielung auf das Pariser Klimaschutzabkommen. „Schade, dass man so auf dem Brauneck rumhackt“, findet Klaffenbacher. Skifahren sei ein Wirtschaftsfaktor und sichere Infrastruktur und Arbeitsplätze, „vom Hotel bis zum Bäcker“. Es sei erwiesen, dass drei Viertel der Emissionen durch den An- und Abreiseverkehr entstünden und nicht durch die Beschneiung, so der Bürgermeister. „Wenn wir nicht beschneien, dann fahren die Gäste weiter nach Österreich“, argumentiert Klaffenbacher.

Trotzdem: Auf dem Nockherberg gewesen zu sein, habe sich dennoch rentiert. meint der Lenggrieser. Vor allem, weil man Bürgermeisterkollegen aus anderen Regionen getroffen habe und sich austauschen konnte. „Es hat sich schon gelohnt“, meint Klaffenbacher. Vielleicht sei er nächstes Jahr auch wieder mit dabei.  

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