VonMagnus Reitingerschließen
Weilheim macht den Weg frei für den nächsten großen Neubau am Narbonner Ring. Auf freiem Feld neben der Berufsschule will die Handwerkskammer ihr neues Berufsbildungszentrum errichten. Die Stadtspitze ist begeistert. Doch im Magen liegt manchen die Parkplatzfrage.
Weilheim – Hinter den Kulissen ist das Großprojekt schon länger im Gespräch: Dass die Handwerkskammer für München und Oberbayern ihr Berufsbildungszentrum Weilheim auf grüner Wiese bauen will, wurde den Fraktions- und Gruppensprechern des Stadtrates nicht-öffentlich im Juli 2021 vorgestellt. „Hierbei zeichnete sich mehrheitlich ein positiver Trend für eine Baurechtsschaffung in den Fraktionen ab“, heißt es dazu seitens der Stadt.
Öffentlich wurden die Pläne im Frühjahr 2022 durch einen Bericht der Heimatzeitung. Die Handwerkskammer bestätigte damals die Neubaupläne auf bisher landwirtschaftlich genutzten Grundstücken zwischen der neuen Berufsschule und dem Freizeitzentrum Narbonner Ring. Die Rede ist von einer Gesamtfläche von rund 35 000 Quadratmetern und Kosten im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Grünen-Vertreter gegen große Flächen-Neuversiegelung
Die notwendigen Grundstücke konnte der Träger inzwischen erwerben, nun geht es offiziell ins Verfahren. Die Handwerkskammer beantragte jetzt die Änderung des Flächennutzungsplanes zur Ausweisung einer „Gemeinbedarfsfläche Berufsbildungszentrum Narbonner Ring“. Am 23. März wird darüber im Stadtrat entschieden, bei der Vorberatung im Bauausschuss am vergangenen Dienstag deutete sich eine klare Mehrheit für das Projekt an.
Gegen die Ausweisung votierten im Ausschuss die beiden Grünen-Vertreter. Sie frage sich, ob ein Neubau dieser Größenordnung angesichts des Nachwuchsmangels im Handwerk „noch so nötig ist“, erklärte Luise Nowak und sprach sich gegen die große Neuversiegelung aus. „Mit etwas gutem Willen“ seien die Umbauten auf dem jetzigen Bildungszentrum-Areal zwischen Münchener Straße und Kerschensteinerstraße möglich, so die Grünen-Stadträtin.
BfW-Sprecherin: „Die Handwerkskammer sollte da klar unterstützt werden“
Dem widersprach Stadtbaumeisterin Katrin Fischer: Laut Handwerkskammer reichten die Flächen dort nicht aus, weshalb diese seit längerem zusätzliche Gebäude im Trifthof angemietet habe. Auch neue Technologien bedingten zusätzlichen Platzbedarf. Die Anforderungen für eine moderne, qualitativ wertige Berufsausbildung seien am jetzigen Standort nicht mehr erfüllbar. „Die Handwerkskammer sollte da klar unterstützt werden“, betonte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek: Der Bedarf sei klar, der Standort neben der Berufsschule „sogar noch ein Pluspunkt“. Im Bebauungsplanverfahren habe die Stadt die Möglichkeit, bauliche Vorgaben zu machen, so Holeczek weiter. Doch generell gelte: „Wenn wir nicht schauen, dass wir für unsere Handwerker gute Voraussetzungen haben, werden wir bald erhebliche Schwierigkeiten bekommen.“
„Eine Super-Sache“ nannte Bürgermeister Markus Loth (BfW) das Vorhaben: „Für Weilheim ist es gewaltig, dass wir so ein Projekt bekommen. Wir sind Bildungsstandort, und da müssen wir ganz klar ,hier’ schreien.“ Es sei „klar, dass ökologisch gebaut werden soll“ und Vorgaben der „Weilheimer Charta“ umzusetzen seien, so der Rathaus-Chef weiter.
Wie lässt sich die Parkplatz-Frage lösen?
„Überregionale Bedeutung“ hat das Projekt für Marion Lunz-Schmieder: „Wir können froh sein, wenn das in Weilheim bleibt.“ Auch dieser Neubau werde freilich „nicht ohne Parkplätze gehen“, so die CSU-Sprecherin zu einem Thema, das Gerd Ratter (ÖDP) aufs Tapet gebracht hatte. Er regte an, dass die nötigen Autostellplätze für das Berufsbildungszentrum „in einem Parkdeck auf dem Berufsschul-Grundstück errichtet werden“, mitsamt Solarmodulen darüber. So wäre „die große Bausünde des Berufsschulparkplatzes wieder gutzumachen“. Eine solche Verknüpfung unterschiedlicher Bauherren hält Bürgermeister Loth indes für „unrealistisch“.
Er habe prinzipiell nichts gegen das neue Berufsbildungszentrum, sagte Alfred Honisch (Grüne), doch für ihn sei „eine klare Voraussetzung“, dass es dort keine oberirdischen Stellplätze gebe. Mit „starren Vorgaben“ im städtebaulichen Vertrag für den Bau einer Tiefgarage würden allerdings Förderungen gefährdet, erklärte Stadtbaumeisterin Fischer. Ein entsprechendes „Mobilitätskonzept“ sei aber schon avisiert. „Und wir haben klar gesagt, dass wir das, was an der Berufsschule passiert ist, nicht mehr wollen.“
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