Mittäter im Euthanasie-Programm

Nazi-Opfer statt Nazi-Arzt: Augsburg benennt Straße um

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Die Stadt Augsburg hat die bisherige „Dr.-Mack-Straße“ in „Geschwister-Schönert-Straße“ umbenannt
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Trotz seiner Beteiligung am Euthanasie-Programm der Nazis war der Arzt Max Ludwig Mack jahrelang Namensgeber einer Straße in Augsburg. Dies ist nun Vergangenheit.

Augsburg - Wegen der Nazi-Vergangenheit des Namensgebers ist die Zufahrtsstraße zur Hauptverwaltung der Bezirkskliniken Schwaben in Augsburg umbenannt worden. In Zukunft wird die Straße nach zwei Kindern heißen, die im Rahmen des „Euthanasie“-Programms der Nazis ermordet wurden.

Augsburg: Beteiligung von Mack am Euthanasie-Programm bereits 2014 festgestellt

Die Umbenennung der „Dr.-Mack-Straße“ in „Geschwister-Schönert-Straße“ wurde bereits umgesetzt, indem neue Schilder montiert wurden. Offiziell werde am 31. März gemeinsam mit Nachfahren und Vertretern der Familie Schönert die Umbenennung vollzogen, kündigten die Bezirkskliniken an.

Der Augsburger Stadtrat hatte die Straße im Jahr 1986 zunächst nach Max Ludwig Mack (1909-1966) benannt. Dass der Mediziner während des Nationalsozialismus an der Zwangssterilisation von als erbkrank diffamierten Menschen beteiligt war, wurde damals nicht beachtet.

Neuer Name für Dr-Mack-Straße in Augsburg: Stadt kommt Erinnerungspflicht nach

Nachdem die Stadt 2014 eine Kommission eingesetzt hatte, um problematische Straßennamen zu untersuchen, kam das Gremium zu einem eindeutigen Schluss: „Es kann als gesichert gelten, dass sich Dr. Mack in seiner Position als Arzt an der menschenverachtenden nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitspolitik beteiligte.“ Die „Kommission für Erinnerungskultur“ empfahl die Umbenennung, was der Stadtrat nun umsetzte. Die Erinnerungspflicht wird von vielen Bezirken und Gemeinden erst erstaunlich spät bemerkt.

Mit dem neuen Namen wird aber immerhin ein spätes Zeichen gesetzt. Die in Augsburg geborenen Geschwister Günther und Brigitte Schönert wurden 1942 beziehungsweise 1944 in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren im Allgäu gebracht. Dort wurden Anfang der 1940er Jahre Tausende Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen umgebracht.

Geschwister-Schönert-Straße: Günter und Brigitte wurden Opfer der NS-Verbrechen

Brigitte wurde nur zwei Jahre alt, ihr Bruder wurde im Alter von sechs Jahren ermordet. Vermutlich wurden beide mit überdosierten Medikamenten getötet, Günther soll zudem vernachlässigt worden sein.

Die Straße führt in Augsburg zum Bezirkskrankenhaus und zur Hauptverwaltung, die noch für die acht anderen Kliniken und weiteren Einrichtungen des Bezirks zuständig ist. Diese Häuser sind über ganz Schwaben verteilt. (mit dpa)

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