14 Kilometer Flusslauf gesichert

Hochwasser-Irrsinn: Isar-Schwimmer löst Großeinsatz mit Hubschrauber aus

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Zu einem Großeinsatz von Wasserwacht, Feuerwehr und Polizei kam es am Sonntag, weil ein Schwimmer sich trotz des Hochwasser in die wilde Flut der Isar gestürzt hatte

Unterföhring - „Treibende Person in der Isar“: Dieser Notruf sorgte am Sonntagnachmittag um 16.25 Uhr für einen Großeinsatz, beginnend an der Herzog-Heinrich-Brücke (Föhringer Ring) in Unterföhring. Sogar ein Hubschrauber kam zum Einsatz. Nach etwa 50 Minuten wurde der Einsatz abgebrochen, teilt die Kreiswasserwacht München mit: Es habe sich, den ersten Ermittlungen der Polizei zufolge, „um einen Schwimmer gehandelt, der Spaß daran hatte, bei Hochwasser in der Isar zu schwimmen“. In der Facebookgruppe Unterföhring/Ismaning existiert dazu sogar ein kurzes Video, das Passanten aufgenommen haben. Es zeigt eine Person, offenbar mit Neoprenanzug bekleidet, inmitten der braunen Isarflut.

Diverse Einheiten der Feuerwehr und der Polizei im Einsatz

Aufgrund der aktuellen Hochwasserlage wurden die beiden Schnelleinsatzgruppen der Wasserwacht München, die Schnelleinsatzgruppe der DLRG sowie Einheiten der Freiwilligen Feuerwehren Aschheim, Unterföhring, Freimann und Unterschleißheim, die Berufsfeuerwehr München sowie ein Helikopter angefordert, um den Isarabschnitt flussabwärts der Herzog-Heinrich-Brücke abzusuchen und die Person zu retten. Diverse Einheiten der Polizei wie auch des Rettungsdienstes waren an der Suche beteiligt oder standen zur Hilfeleistung bereit.

Ein Wasserwachtler beobachtet die Isar.

Wasserwacht sichert 14 Kilometer Flusslauf

Die Kreiswasserwacht München schreibt dazu: „Für diesen Leichtsinn mussten 14 Kilometer des Flusslaufes gesichert und durch den Helikopter abgesucht werden. Fast eine Stunde lang wurden diese Einheiten für die Suche geblockt und können in der aktuellen Hochwasserlage nicht für andere, gegebenenfalls dringende Einsätze verwendet werden.“ Die Fließgeschwindigkeit der Isar betrage aktuell etwa 20 km/h, erläutert die Pressesprecherin der Wasserwacht, Daniela Haupt: „Das haben wir, beginnend von der Herzog-Heinrich-Brücke, umgerechnet und deshalb au der Strecke von 14 Kilometern alle Brücken sowie die Ufer mit Beobachtungsposten besetzt.“

Schwimmer entsteigt offenbar unverletzt der Isar

Dem Vernehmen nach entstieg der Schwimmer weiter nördlich der Isar. „Es wurde gesehen, wie eine Person die Isar verlassen hat“, sagt Daniela Haupt auf Nachfrage des Münchner Merkur. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums München teilt auf Anfrage mit: „Mehrere Zeugen berichteten, sie hätten eine Person mit Neoprenanzug und Schwimmhilfe gesichtet, die aber normal schwamm - es handelte sich offenbar um eine gezielte Schwimmaktion.“ Was die Wasserwacht äußerst kritisch sieht: Auch wenn die Person diese Form von Wassersport offenbar unbeschadet überstanden hat, sei das Verhalten „nicht nur für den Schwimmer absolut leichtsinnig und lebensgefährlich, sondern vor allem auch für die Helfer, die ihr Leben riskieren um Menschen in Not zu retten“.

Warnung vor Treibgut

Die Wasserwacht appelliert dringend an die Vernunft der Menschen und warnt eindringlich davor, in der Isar zu baden oder darauf Wassersport zu betreiben, solange das Wasser braun und trüb ist. „Treibgut, von großen Ästen bis hin zu Bäumen, kann der Schwimmer Im trüben Wasser nicht erkennen, und die Strömung von rund 20 km/h kann einem Schwimmer schnell große Probleme bereiten.“ Ein Verhalten wie am Sonntagnachmittag sei „einfach fahrlässig und lebensgefährlich“..

Bei Facebook wird die Aktion, die ja zu einem enorm kostenintensiven Einsatz führte, sehr kritisch kommentiert. Einer schreibt zu dem Video des Passanten, das den Schwimmer zeigt: „Er weiß definitiv nicht, was er tut. Eine Kollision mit einem Baumstamm oder anderen Gegenständen, die nicht immer über Wasser sichtbar sind, kann so ein Abenteuer schnell tödlich enden lassen. Das ist unsere moderne Welt, wo Menschen unbewusst bereit sind, für ein bisschen Spaß zu sterben.“

Starkregen: So ist die Lage im Landkreis

„Die Situation im Landkreis München ist derzeit stabil“: Dies meldete das Landratsamt München am Montagvormittag per Pressemitteilung mit Blick auf den Starkregen und Überflutungen in anderen Teilen Bayerns. Seitens der Feuerwehreinsatzzentrale hieß es: Es gebe vereinzelt vollgelaufene Keller, die Schwerpunkte lägen in Taufkirchen, Ismaning und Garching. Aber es sei „nichts Dramatisches“, so die Feuerwehr.

In der Pressemitteilung des Landratsamts heißt es weiter: „Die massiven Regenfälle, die seit der Nacht auf Samstag in vielen Landkreisen in Bayern zu Überflutungen geführt haben, sind am Sonntagvormittag zunächst abgeklungen. Die Regenpause hat zu einem deutlichen Rückgang der Pegelstände in den Gewässern im Landkreis München geführt. Die Lage im Landkreis ist daher aktuell als stabil zu betrachten. Führungsgruppe Katastrophenschutz und Kreisbrandinspektion behalten die Lage weiterhin im Blick, um schnell auf etwaige Änderungen reagieren zu können.“ Je nach Witterung und aufgrund der gesättigten Böden sei aber auch ein Wiederanstieg möglich. Auch die Grundwasserstände werden noch einige Zeit auf ihrem derzeit hohen Niveau bleiben.

Die Landkreisfeuerwehren unterstützen zudem weiterhin die Kollegen in den stärker betroffenen Landkreisen, insbesondere im schwer von Hochwasser betroffenen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Auch in den Nachbarlandkreisen Dachau, Freising und Fürstenfeldbruck haben Kräfte aus dem Landkreis München am Samstag und Sonntag Hilfe geleistet.

Weitere Hilfskontingente sind aktuell in Planung. Die Einsätze und Ressourcen der unterstützenden Feuerwehren werden dabei so geplant, dass jederzeit auch für den Landkreis München die Handlungs- und Einsatzbereitschaft aufrechterhalten wird. Die Befüllung von Sandsäcken mittels Abfüllanlage des Landkreises lief auch am Sonntag unvermindert weiter, um sowohl im Landkreis München weiter handlungsfähig zu bleiben wie auch andere Landkreise unterstützen zu können. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz und Kreisbrandinspektion stellen weiterhin ein permanentes Monitoring der Situation und die Einschätzung der jeweils aktuellen Lage sicher.

Rubriklistenbild: © Kreiswasserwacht München

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