VonFranziska Seligerschließen
Als „verheerend“ beschreibt Bürgermeister Stefan Jocher die Situation, die sich in Schlehdorf durch den Ausflugsverkehr ergibt.
Schlehdorf – War in der Vergangenheit vor allem Kochel Ziel der Naherholer, so scheint heuer auch der kleine Klosterort Schlehdorf zunehmend mit Tagestouristen zu kämpfen zu haben. In der Gemeinderatssitzung zeigte der Bürgermeister Fotos von der Straße, die in den Ortsteil Raut führt. Darauf sieht man, wie die schmale Verbindung von parkenden Autos zusätzlich verschmälert wird. Ein Durchkommen wäre für Rettungsfahrzeuge und landwirtschaftliche Maschinen vielfach nicht mehr möglich gewesen. Zudem zeigen die Fotos zahlreiche Autos, die in den landwirtschaftlich genutzten Wiesen am Wegesrand abgestellt sind. Beispielsweise am Vatertag sei hier „verheerend geparkt“ worden, so Jocher. Anwohner der Raut forderten nun ein Haltverbot. Doch Jocher gab sich machtlos. „Die Situation wird uns die nächsten Wochenenden genauso ereilen“, sagte er.
Anwohner wollen Halteverbot
Michael Wolf (FW) regte ein Anlieger-Schild an. Nur Anwohner dürften die Straße dann noch benutzen. Ein solches Schild habe es früher schon gegeben, sagte Wolf. Doch Jocher wiegelte ab: Bei der Straße handele es sich um eine öffentliche Straße. Rechtlich dürfe die jeder benutzen. Wie man dem zunehmenden Ausflugsverkehr Herr werden könnte, dafür hat Jocher keine Idee. „Ich habe keine Lösung“, sagte er. Er könne gerne bei der Polizei nachfragen und um mehr Präsenz bitten. Viel Hoffnung habe er aber nicht. Denn die Polizei habe an den schönen Wochenenden genug anderes zu tun. Jocher konnte den betroffenen Landwirten lediglich den Vorschlag machen, ihre Wiesen einzuzäunen und so vor den Wildparkern zu schützen. Zäune ziehen sei Landwirten auch im Außenbereich gestattet. Eine mögliche Lösung für das Park-Chaos der kommenden Wochen sieht Jocher auch darin, dass ein Landwirt seine abgemähte Wiese als Parkfläche zur Verfügung stellt, wie das in der Jachenau passiert sei.
Idee: abgemähte Wiesen als Parkplatz mit Gebühren
„So viel Geld kannst Du mit Holz nicht verdienen wie mit Parkgebühren“, sagte Andreas Schnetzer (FW). Ob man landwirtschaftliche Flächen als Parkplatz umnutzen darf, sah Stefan Schnieringer (FW) indes skeptisch.
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