„Milch reist nicht gerne, Milchbauern schon“, heißt die Ausstellung, die im Tölzer Stadtmuseum läuft.
Bad Tölz – Landwirtschaftliche Überproduktion hat negative Auswirkungen. Das gilt sowohl fürs eigene Land als auch für Länder, die mit Überschüssen in Form von Billigexporten beliefert werden. Wie kann man diesem Problem Einhalt gebieten? „Wir brauchen eine Agrarwende“, sagt Heiner Schwab vom Aktionsbündnis Zivilcourage, dessen Landkreis-Organisation bis Sonntag, 29. Juli, im Tölzer Stadtmuseum eine Ausstellung zu diesem Thema zeigt.
Es geht dabei speziell um die Milch. „Milch reist nicht gerne, Milchbauern schon“, ist die Präsentation überschrieben. In Bildern und erläuternden Texten wird vermittelt, was der fränkische Milchbauer Johannes Pfaller und sein Berufskollege Christoph Lutze aus Schleswig-Holstein – beide im Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) engagiert – 2016 bei ihrem zehntägigen Aufenthalt in Burkina Faso erlebt haben.
Mit der Wanderausstellung wollen die regionalen Gruppen der „Zivilcourage“ und deren Mitstreiter von der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) und dem BDM zusammen mit dem katholischen Hilfswerk Misereor und der Entwicklungs-Organisation Germanwatch Bürger und Politik auf die Brisanz dieser Entwicklung aufmerksam machen.
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Eine besondere Gelegenheit dazu bietet sich dem Landkreis-Bündnis Zivilcourage, das heuer zehn Jahre alt wird, am Montag, 30. Juli, mit der Gestaltung des letzten Festzelt-Tags des Trachtenvereins „Kirchstoana“ am Moraltpark: Da sind nach einem nachmittäglichen Kinderprogramm am Abend drei prominente Referenten aus der zukunftsorientierten Land- und Regionalwirtschaft zu Gast, nämlich Felix zu Löwenstein, Christoph Fischer und Walter Haefeker. Dazu soll es jeweils ein Statement vom Bauernverband, BDM und AbL geben. Im Hintergrund mit dabei sein werden auch Stände von regionalen Anbietern und Vereinen sowie die Burkina-Faso-Ausstellung, die an jenem Montag vom Stadtmuseum in das Festzelt umzieht.
Der lange von der Politik und vom Bauernverband verfolgte Weg „Wachsen oder weichen“ habe keine Existenzprobleme gelöst, sondern neue geschaffen. Das sagte Heiner Schwab beim Einführungsgespräch im Stadtmuseum. Daran nahmen auch Lucia Egner von der AbL, BDM-Geschäftsführer Rainer Forster und BDM-Kreischef Hans Falter sowie BBV-Kreisbäuerin Ursula Fiechtner teil. Dass Milchüberschüsse die Preise im eigenen Land und EU-weit in den Keller stürzen lassen und überdies den Bauern in Importländern wie beispielsweise in Burkina Faso den Lebensunterhalt entzögen, dürfe man nicht länger hinnehmen, so Schwab. „EU-Milch kostet dort ungefähr knapp die Hälfte wie die lokal erzeugte.“
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Von Seiten der AbL setze man sich ebenso wie der BDM für eine bedarfsangepasste und bodengebundene Milchproduktion ein. Auch größere Interventionsbestände als Klotz am Bein könnten so vermieden werden. Es brauche eine verstärkte Förderung der kleinen Bauernhöfe, so Schwab.
Kreisbäuerin Fiechtner unterstrich mit Blick auf Fluchtursachen und die von allen Anwesenden kritisierte Reduzierung des Entwicklungshilfe-Etats, dass zum wirtschaftlichen Aufbau in Afrika noch an weiteren Stellschrauben gedreht werden müsse: „Es mangelt dort an Bildung, an der Gleichberechtigung der Frau und an Gemeinwohl-interessierten Regierungen.“
Angesichts der Weichenstellungen in der deutschen und europäischen Politik frage man sich, ob ein Fortschritt dort überhaupt gewollt sei, merkte Forster an. Der bayerische Landfrauenverband jedenfalls, so Fiechtner, pflege derzeit einen engen fachlichen Austausch mit Bäuerinnen aus Kenia. Demnächst bekommt die Kreisbäuerin Besuch aus diesem Land. Rosi Bauer