VonCarl-Christian Eickschließen
Das Demenz-Zentrum der AWO in Wolfratshausen genießt nur noch Bestandsschutz bis 2026. Auf dem Weg zu einem Neubau in der Loisachstadt konnte nun eine große Hürde genommen werden.
Wolfratshausen – Die Uhr tickt. Für das Demenz-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Paradiesweg hat das Landratsamt nur noch bis 2026 Bestandsschutz gewährt. Die AWO hat bereits einen Neubau in der Loisachstadt ins Auge gefasst – und eine große Hürde auf dem Verfahrensweg konnte laut Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner nun genommen werden.
Neues Demenz-Zentrum in Wolfratshausen: Große Hürde laut Bürgermeister genommen
Vor mehr als 40 Jahren, 1981, ist das Seniorenzentrum am Paradiesweg gebaut worden, 2002 ließ es die Arbeiterwohlfahrt komplett sanieren. Aber seit gut zehn Jahren entspricht es nicht mehr den Ausführungsbestimmungen des Bayerischen Wohn- und Pflegequalitätsgesetzes. Das schreibt unter anderem Barrierefreiheit und Raummindestgrößen sowie einen hohen Anteil an Einzelzimmern vor. Ein Umbau beziehungsweise eine Erweiterung komme für den Träger aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage, so Linda Quadflieg, Pressesprecherin des AWO-Bezirksverbandes Oberbayern. Deswegen beantragte die AWO beim Landratsamt in Bad Tölz einen befristeten Bestandsschutz.
Stadt Wolfratshausen will „Sondergebiet Demenz-Zentrum“ schaffen
Diesem Anliegen entsprach die Kreisbehörde, der Träger kündigte im Gegenzug einen Neubau bis 2026 an – auf einer bis dato landwirtschaftlichen Fläche nördlich des Gewerbeparks An der Loisach und dem Autobahnzubringer. Das Grundstück gehört der Kommune, die Änderung des Flächennutzungsplans sowie die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal mit der Flurnummer 1298/7 hat der Stadtrat bereits auf den Weg gebracht. Ziel ist die Schaffung eines „Sondergebiets Demenz-Zentrum mit ambulanten und stationären Pflegeplätzen, Nebeneinrichtungen und Personalwohnungen“ – es soll explizit kein Wohngebiet entstehen.
Potenzielles Grundstück galt bis dato als Retentionsfläche
Doch es gab einen Haken: Das besagte Areal war als Retentionsraum klassifiziert, eine Fläche, die bei Hochwasser überschwemmt werden und der angrenzenden Loisach Raum zum Ausufern geben kann. Nicht zuletzt die Katastrophe im rheinland-pfälzischen Ahrtal im Juli 2021 hat die Anforderungen mit Blick auf den Hochwasserschutz erneut verschärft. Daher seien die Verhandlungen mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim sehr intensiv gewesen „und haben sehr lange gedauert“, berichtet Rathauschef Heilinglechner. Das Ergebnis: Das Wasserwirtschaftsamt habe sich mit einer alternativen Retentionsfläche im Bereich des Gewerbegebietes An der Loisach einverstanden erklärt.
Vize-Bürgermeister: Demenz-Zentrum „stärkt den Medizin-Standort Wolfratshausen“
Das Verfahren sei weiterhin „ein laufendes Verfahren“, stellt der Bürgermeister fest. Unbeantwortet sei unter anderem die Frage, ob die Kommune dem AWO-Bezirksverband das Grundstück verkauft oder in Erbpacht überlässt. Für Wolfratshausen sei der Fortbestand eines Demenz-Zentrums in der Stadt auf jeden Fall „sehr wichtig“, betont Heilinglechner. Die Kommune werde alles tun, was ihr möglich ist, damit die Flößerstadt Standort einer solchen Einrichtung bleibt. Bereits vor einigen Wochen hatte Zweiter Bürgermeister Günther Eibl gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass die Einrichtung „den Medizin-Standort Wolfratshausen stärkt“ und „das Portfolio der Wolfratshauser Kreisklinik ergänzt“.
Künftig etwa 20 Betreuungsplätze mehr als bislang
Laut Sprecherin Quadflieg war der angepeilte Neubau kürzlich das Thema einer internen Sitzung des AWO-Bezirksverbandes. Man stehe in engem Austausch mit den Verfahrensbeteiligten, darunter die Loisachstadt und die Kreisbehörde. Noch gebe es keine Detailplanung. Doch am Ziel halte die Arbeiterwohlfahrt fest: Ein Neubau, in dem etwa 20 Betreuungsplätze mehr als bislang angeboten werden können. Rund dreieinhalb Jahre Zeit bleiben der AWO noch. (cce)
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