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In vielen Firmen fehlen Lehrlinge: Azubi-Krise spitzt sich weiter zu

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Lehrlinge gesucht – das gilt mittlerweile in fast allen Branchen.
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Leere statt Lehre: Wenn in wenigen Tagen das neue Ausbildungsjahr beginnt, fehlen vielen Unternehmen im Landkreis Azubis. IHK und Handwerkskammer klagen über viel zu wenige Bewerber. Einige Firmen locken mit bis vor kurzem undenkbaren Angeboten. Ob es etwas hilft, ist ungewiss.

Fürstenfeldbruck – Das Handwerk trifft es besonders hart. „Es ist schon fast beängstigend“, sagt Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer. Im August seien früher die Ausbildungsverträge nur so hereingeschossen. Jetzt bleibt der Briefkasten der Kreishandwerkerschaft meist leer. Nur 30 Verträge kann Höfelsauer vorweisen. Aber man brauche mindestens das Doppelte. Bereits im vergangenen Jahr hätten sich viel zu wenige junge Menschen für einen Job im Handwerk interessiert. Heuer läge die Zahl wohl noch niedriger.

Viele Betriebe würden mit Lockangeboten versuchen, Jugendliche von einer Ausbildung im Handwerk zu überzeugen. Manche hätten den Lohn angehoben, andere gäben Zuschüsse für den Führerschein oder Fahrkarten. Auch Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten gehörten zum Angebot. „Mehr hofieren kann man die jungen Leute kaum“, sagt Franz Höfelsauer.

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Das größte Problem sei, dass viele junge Menschen eine akademische Ausbildung anstrebten. Für den Kreishandwerksmeister sind daran auch staatliche Stellen nicht ganz unschuldig. Es werde viel mehr Geld ins Studium als in die Ausbildung gesteckt. Um den Titel eines Meisters zu erhalten, müssten Gesellen etwa viele tausend Euro auf den Tisch legen. Studieren könne man quasi umsonst.

Viele würden zudem die Chancen, die eine handwerkliche Ausbildung biete, nicht erkennen. Der Meister sei international etwa mit dem Titel des Bachelors gleichgesetzt. Zudem könne man sich auch nach einer Ausbildung noch immer für ein Studium entscheiden.

400 unbesetzte Stellen

In den Branchen, die zur Industrie- und Handelskammer (IHK) gehören, halten sich die Bewerbungen ebenfalls in Grenzen. Aktuell gebe es noch mehr als 400 unbesetzte Stellen. Das seien 17 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zwei Trends machten den Betrieben im Landkreis besonders große Sorgen: Die Zahl der Schulabgänger sinke von Jahr zu Jahr und viele tendierten eher zu einer akademischen Ausbildung. Die IHK weist aber darauf hin, dass rund ein Drittel aller Studienanfänger ihr Studium vorzeitig und ohne Abschluss beendet. „Eine praxisnahe Berufsausbildung könnte für viele junge Frauen und Männer der bessere Start ins Berufsleben sein“, sagt Michael Steinbauer, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Fürstenfeldbruck.

Steinbauer warnt, dass sich der schon jetzt bedenkliche Fachkräftemangel ohne gut ausgebildeten Fachkräfte-nachwuchs noch weiter zuspitzen wird. „Ohne Fachkräfte lassen sich auch die großen Herausforderungen unserer Zeit wie Energiewende und Klimaneutralität letztendlich nicht erreichen.“

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