Superzelle über Holzkirchen: Bilder zeigen Ausmaß der Schäden – Aufräumarbeiten laufen
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Bettina Stuhlweißenburg
Andreas Höger
Sebastian Grauvogl
Jonas Napiletzki
Ein Unwetter zieht über den Landkreis Miesbach. Besonders im Raum Holzkirchen hat der Sturm zahlreiche Bäume gefällt. Straßen und Schienen sind betroffen, eine Turnhalle wurde geflutet.
Update, 14.45 Uhr: Wer nach dem Gewittersturm vom 10. Juli in Holzkirchen Unwetterschäden in Haus oder Keller entsorgen hat, kann ab sofort ein Sonderangebot der Vivo nutzen. Bürgermeister Christoph Schmid vereinbarte mit dem Entsorgungsunternehmen, dass Betroffene kostenlos bis zu zwei Kubikmeter Müll je Haushalt kostenlos entweder am Wertstoffhof in der Thanner Straße oder direkt bei der Vivo im Warngauer Gewerbegebiet Birkerfeld abgeben können. Voraussetzung ist ein Bestätigungsschreiben, das Geschädigte im Ordnungsamt des Rathauses bekommen.
Weiterhin laufen auch auf öffentlichen Flächen die Aufräumarbeiten. Unter anderem Mitarbeiter der Bauhöfe sind im Einsatz.
Update, 12.45 Uhr: Auch ein Zug der Bayerischen Regiobahn (BRB) ist mit einem umgestürzten Baum kollidiert. „Das Fahrzeug ist für längere Zeit zur Schadensbehebung im Betriebswerk“, teilt Sprecherin Annette Luckner mit. „Die Streckensperrung dauerte von 16.42 Uhr bis 20.22 Uhr. Heute gab es morgens nur eine Zugschwächung gegen 7 Uhr von München nach Holzkirchen, sonst keine Auswirkungen mehr.“
Zu sehen ist der verunfallte Zug auch in einem Video im Netz, das weitere Eindrücke aus dem Landkreis-Norden liefert.
Update, 12.05 Uhr: Weitere Details zu den Schäden und den Einsätzen werden bekannt. Bäume und Äste krachten auf Straßen, Häuser und Autos. Viele Keller standen unter Wasser, auch die Batusa-Dreifachturnhalle erwischte es schwer. Die Gewitter-Superzelle, die am Mittwochnachmittag eine halbe Stunde durch Holzkirchen peitschte, zog eine Schneise der Verwüstung durch den Ort. 150 Einsätze zählte die Feuerwehr. Und doch atmeten die Einsatzkräfte gestern am Tag danach durch, denn verletzt wurde in diesem Unwetter niemand.
Eine der ersten Sturmböen, die Holzkirchen gegen 16.15 Uhr trafen, knickte neben der B 318, auf Höhe des Geothermie-Kraftwerks, mehrere Bäume um. Zwei Autos, die in Richtung Warngau unterwegs waren, wurden getroffen. Laut Polizei hatten ein 32-jähriger BMW-Fahrer aus Holzkirchen und ein 54-jähriger VW-Fahrer aus Großerlach (Baden-Württemberg) Glück im Unglück: Die Bäume prallten nicht mit voller Wucht auf die Autos, sondern beschädigten jeweils nur die Windschutzscheiben. Schaden: 1500 Euro. Fahrer und Beifahrer in beiden Pkw kamen mit dem Schrecken davon. Die Feuerwehr Föching beseitigte die Bäume. Etwa eine halbe Stunde war die Bundesstraße in Richtung Süden gesperrt.
Update, Donnerstag, 11. Juli, 11.20 Uhr: Das Wasser ist fast überall abgeflossen, fürs Erste soll auch kein weiterer Regen mehr fallen. Nun laufen allerorts die Aufräumarbeiten. Bruchstückhaft fügt sich langsam auch ein Gesamtbild der Lage zusammen. Wie unter anderem aus Daten des Hochwassernachrichtendienstes Bayern hervorgeht, handelte es sich bei dem Unwetter über Holzkirchen wohl um ein 10-jährliches Regenereignis. Über 53 Liter pro Quadratmeter fielen in den vergangenen 24 Stunden, rund 47 Liter davon zwischen 16.15 Uhr und 16.35 Uhr.
Der rund 20-minütige Starkregen war laut Kachelmannwetter aus Richtung Westen in den Landkreis gezogen. Neben Holzkirchen erwischte es auch Teile der umliegenden Gemeinden. Die Feuerwehren rückten mehrheitlich wegen umgestürzter Bäume und vollgelaufener Keller aus. Am Holzkirchner Bahnhof war unter anderen die Fußgängerunterführung geflutet. Viele Bilder geben einen Eindruck des Ausmaßes der Schäden.
Update, Mittwoch, 10. Juli,18.45 Uhr: Die vorläufige Bilanz des Unwetters
Wie die Polizei Holzkirchen am Abend mitteilt, warf der etwa halbstündige Sturm mehrere Bäume auf die B318; betroffen war der Abschnitt zwischen der Ausfahrt Gewerbegebiet (Geothermie) und dem Autobahn-Anschluss. Gegen 16.20 Uhr wurde ein fahrendes Auto getroffen; laut Polizei blieben alle Insassen unverletzt. In der Folge war die B318 etwa eine halbe Stunde in Richtung Süden gesperrt. Die Feuerwehr entfernte die Bäume. Umgestürzte Bäume blockierten bei Oberlaindern zudem die Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Mitterdarching.
Superzelle über Oberbayern – Bilder des Gewittersturms und der Schäden
Nach Angaben der Polizei wurden in Holzkirchen etliche parkende Autos von Bäumen und Ästen beschädigt. Verletzt wurde dabei nach ersten Informationen niemand. Der Starkregen flutete zudem die Bahnunterführung in der Erlkamer Straße. Gegen 17 Uhr stand das Wasser so hoch, dass die Polizei die Tunnel sperrte.
Einige hundert Meter weiter, in der Münchner Straße, war Manfred Papst gerade in seiner Cateringküche beschäftigt, als etwa 400 Meter entfernt sein Bistro voll Wasser lief. „Es war irre, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählt der Gastronom. Als er mit dem Nassstaubsauger im Bistro eintraf, hatte der Wind bereits Stühle und Tische auf den benachbarten Parkplatz geweht. „Tische mit schwerem Sockel“, betont Papst. Auch ein Sonnenschirm, geschlossen und am Boden festgeschraubt, flog etwa 15 Meter weit. „Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert“, sagt Papst.
Auch das Wasser in seinem Lokal hatte er binnen einer Stunde wieder beseitigen können. „Wir machen die Bodenheizung an, dann wird das wieder trocknen“, so Papst, der das Unglück mit Galgenhumor nimmt. „Wir haben die Gäste gefragt, ob sie im Schwimmer oder im Nichtschwimmerbereich sitzen wollen.“
Die Freiwillige Feuerwehr Holzkirchen, unterstützt von Kameraden aus Föching, Hartpenning, Otterfing, Valley, Mitterdarching, Hohendilching, Miesbach und Tegernsee, eilte pausenlos von einem Einsatz zum nächsten. Kreisbrandmeister Franz Huber meldete gegen 18 Uhr insgesamt etwa 120 Einsätze: Bäume auf Autos, Bäume auf Häuser, vollgelaufene Keller. Geflutet war unter anderem auch die Batusa-Turnhalle der Gemeinde. „Wir arbeiten alles nach Priorität ab.“ Im Einsatz waren etwa 100 Aktive der Feuerwehren.
Das ganze Ausmaß der Unwetter-Schäden dürfte erst im Laufe des Donnerstags, 11. Juli, absehbar sein.
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Update, Mittwoch, 10. Juli,17.30 Uhr: Bundesstraße wieder frei, Batusa-Turnhalle geflutet
Die Einsatzkräfte haben alles gegeben, die Sperrung der B318 ist offenbar wieder aufgehoben. Dafür sind die Feuerwehren an anderer Stelle noch stark gefordert. Auch in Weyarn und Valley gibt es viele Einsätze zu bewältigen. In Holzkirchen wurde durch den Starkregen auch die Batusa-Turnhalle unter Wasser gesetzt.
Holzkirchen – Das schwülheiße Sommerwetter der vergangenen beiden Tage hatte einen hohen Preis. Am Mittwochnachmittag, 10. Juli, sind heftige Gewitterzellen von West nach Ost über den Landkreis Miesbach gezogen. Ein Schwerpunkt des Unwetters lag ersten Informationen zufolge über dem Raum Holzkirchen. Hier hat der Sturm Bäume entwurzelt, durch Starkregen liefen etliche Keller voll.
B318 wegen Unwetter gesperrt, Bahnstrecke auch betroffen
Auch die Verkehrswege sind betroffen. So rückten die Feuerwehren wegen umgestürzter Bäume zur B318 zwischen der Holzkirchner Spinne und dem Gewerbegebiet Fichtholz aus, die Straße ist aktuell voll gesperrt. Offenbar ist auch die Bahnstrecke Holzkirchen-Miesbach auf Höhe von Valley blockiert. Der Einsatz dauert an. sg