Appell an Hundebesitzer

Schon wieder: Rehe von freilaufenden Hunden gerissen - Jagdgenossen schlagen Alarm

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Trauriger Anblick: Ein totes Reh, das vor einiger Zeit in Saulgrub gerissen worden ist.
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Die Unvernunft mancher Hundebesitzer schreit zum Himmel: Erneut wurden jetzt - diesmal in Saulgrub - zwei Rehe von nicht angeleinten Hunden gerissen.

Bad Kohlgrub/Saulgrub – Für mächtig Aufregung hatten zu Jahresbeginn Vorfälle in den Ammergauer Alpen gesorgt, wo freilaufende Hunde am Altherrenweg in Oberammergau sowie an einer Wildfütterung am Hörnle Rehe und Hirschkälber gejagt beziehungsweise gerissen hatten. Im Visier von Jägern und Jagdgenossen – jene Hundehalter, die ihre Vierbeiner bei Spaziergängen in freier Natur nicht an die Leine nahmen, sondern vielmehr frei laufen ließen. Bei der großen Schneemenge im vergangenen Winter wurde das geschwächte Wild zu einer leichten Beute für wildernde Hunde.

Jetzt sind weitere, ähnlich gelagerte Fälle bekannt geworden. Am 1. Mai hatte ein Zeuge oberhalb des Weilers Sonnen in Bad Kohlgrub beobachtet, wie ein großer Hund ein Reh im Wald verfolgt hatte. Dieses habe laute Schmerzensschreie von sich gegeben. Der Wanderer verständigte sodann die Polizei in Murnau, die später mit einer Streife den Hundehalter an der Hörnlebahn-Talstation zur Rede stellte. Auf Nachfrage bestätigte die Murnauer Polizeistation am Montag, dass in diesem Fall ermittelt werde. Näheres konnte ein Sprecher dazu nicht mitteilen. Kenntnis von dem Vorfall erhielt auch Anton Degele, Jagdvorsteher in Bad Kohlgrub: „Ich bin von der Polizei angerufen und darüber informiert worden, dass ein großer, heller Hund mit blauem Geschirr an dem besagten Tag ein Reh gejagt hat.“ Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Missachtung der Anleinpflicht erwarte den Hundebesitzer nun nach Degeles Informationen eine Anzeige.

Saulgrub: Bilder von toten Rehen belegen Vorkommnisse

Während in Bad Kohlgrub keine Spuren von verletztem Rotwild entdeckt wurden, gibt es in einem weiteren Fall, der sich vor einigen Wochen in Saulgrub ereignet hat, sehr wohl sichtbare Anhaltspunkte für Wilderei. Nach Aussage von Anton Degele seien in der Nachbargemeinde kürzlich zwei Rehe gerissen worden, die der zuständige Jagdpächter Hans Geisslinger entdeckt habe. Entsprechende Bilder von den toten Rehen belegen die Vorkommnisse. Degele appelliert noch einmal an alle Hundebesitzer, die ihre Tiere bei Wanderungen oder Bergtouren mitnehmen: „Es ist einfach enorm wichtig, dass die Hunde bei solchen Unternehmungen an die Leine genommen werden. Wie viele Wildtiere müssen denn noch zu Schaden kommen, bis hier endlich ein Umdenken einsetzt?“ Handlungen von Hundehaltern, die ihre Tiere frei laufen lassen, stießen bei Grundstücksbesitzern, Jägern und vielen Bürgern auf größtes Unverständnis, betont der Chef der Kohlgruber Jagdgenossenschaft.

Anton Degele hatte geglaubt, dass die Fälle von gerissenen Rehen und Hirschkälbern zu Jahresbeginn in Bad Kohlgrub, Ober- und Unterammergau genug Mahnung für unvernünftige Hundebesitzer gewesen seien, doch offenbar war dies ein Trugschluss. Als Konsequenz aus diesem Handeln hat die Privatwaldgemeinschaft Oberammergau zum Jahreswechsel ein Betretungsverbot für ein Gebiet oberhalb des Altherrenwegs beantragt. Darüber ist bisher von der Unteren Jagdbehörde noch nicht entschieden worden.

Auch im Landkreis Starnberg schreckt der Fall eines mutmaßlich von einem Hund gerissenen Rehs Landwirte und Jäger auf – diesmal in einem Waldstück bei Gut Tiefenbrunn.

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