Die Serie ist vermutlich der nachhaltigste TV-Werbefaktor für Bad Tölz seit dem „Bullen von Tölz“: Für die ZDF-Filmreihe „Tonio & Julia“ laufen noch bis Ende Oktober wieder Dreharbeiten an verschiedenen Orten in der Stadt.
Bad Tölz – Das Team von „Tonio & Julia“ ist wieder in der Stadt. Das war zuletzt nicht zu übersehen. Da wateten Darsteller und Kameraleute durch die Isar, an der Promenade wurden Beleuchtungstücher aufgespannt, und der Parkplatz am Isarkai war hin und wieder mit großen Wägen, Catering-Zelten und technischem Equipment belegt.
Die beiden Hauptdarsteller, Oona Devi Liebich und Maximilan Grill, die in der Serie als Familientherapeutin und Pfarrer im Einsatz sind, finden den Umstand, dass sie jedes Mal für etliche Wochen in Bad Tölz sind, ziemlich gut. „Ich mag Bayern extremst“ sagt Oona Devi Liebich „die Seen, die Berge, das Gemütliche, die Lebensart. Ich freu mich jedes Mal, wenn ich wieder hier bin.“ Die 34-jährige Schauspielerin lebt mit ihrer Familie in Berlin.
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Ihr Serienkollege Maximilian Grill hat echten Bezug zu Tölz. „Meine Großeltern haben hier gelebt, ich war als Kind oft da.“ Als Pfarrer Tonio Niederegger steht sein Altar ausgerechnet in der Mühlfeldkirche. Dort haben die Großeltern des Schauspielers Goldene Hochzeit gefeiert. Quasi gecoacht wurde Grill vom Tölzer Stadtpfarrer Peter Demmelmair. Schließlich sollen Taufen, Beerdigungen und Messen authentisch rüberkommen.
Ein Stück isarabwärts wird nach der Mittagspause die nächste Szene geprobt. Gute zweieinhalb Stunden veranschlagt Andreas Wanner dafür. Im Fernsehen werden gerade einmal eine Minute und 45 Sekunden davon zu sehen sein.
Wanner ist Motiv-Aufnahmeleiter bei „Tonio & Julia“, als gebürtiger Tölzer kennt er die schönsten Plätze natürlich am besten. „Jeder weiß hier millimetergenau, was er zu tun hat“, erklärt er die Arbeit der rund 40 Filmleute, die umherwuseln. Kostüm- und Maskenbildner, Tontechniker, Kameraleute, Fotografen, Regieteam und noch so einige mehr sind höchst konzentriert.
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Als „Set-Runner“, also „Mädchen für alles“, sind übrigens Sophia und Jana Münster unterwegs. Die Zwillingsschwestern kennen die Filmbranche eher von der anderen Seite: 2010 spielten sie die berühmten Schwestern „Hanni und Nanni“. „Jetzt wollen wir sehen, was hinter der Kamera so läuft“, sagt Sophia Münster, inzwischen 20 Jahre alt.
Am Isarufer stehen der Schauspieler Omar El Saeidi und dessen Filmsohn Kieran Reitberger. Nach einer Weile des Ausprobierens steht die emotionale Vater-Sohn-Szene der aktuell entstehenden Episode „Rabenmutter“, die voraussichtlich im April gesendet wird. Es wird ernst. „Und bitte“, ruft die Regisseurin. Alle verhalten sich weisungsgemäß ruhig – bis auf die halbe Schulklasse laut giggelnder Mädels, die just in diesem Moment auf der Promenade flaniert. „So ist das halt“, sagt Wanner gelassen. „Mal quatscht einer, dann donnert ein Flugzeug drüber, oder es fängt an zu schütten.“
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Mit „Tonio & Julia“ hat Tölz mal wieder einen echten Vorteil im Abendprogramm. Die Stadt wird in dem „modernen Heimatfilm“ auch beim Namen genannt. Es wird also kein willkürlich zusammengeschnittener Ort gezeigt. „Wir wollen tatsächlich, dass alles beieinander bleibt“ sagt Wanner.
Die Filmcrew ist oft wochenlang da. Die Mitarbeiter wohnen verteilt in Hotels und Ferienwohnungen. „Wir kennen uns schon aus“, freuen sich Ooona Devi Liebich und Maximilian Grill.
„Tonio & Julia“ haben in Bad Tölz bereits ihren Lieblingsmetzger und die beste Eisdiele auserkoren. „Als es so heiß war, bin ich einfach in die Isar gegangen“, sagt Liebich, die immer wieder auch ihre Kinder am Set zu Besuch hat, wie sie berichtet.
Die ersten Folgen der Serie sind im vergangenen Frühjahr mit großem Erfolg im Abendprogramm gelaufen. „Wenn es nach mir ginge“, sagt liebich, „könnte es noch eine Weile so weitergehen.“
Ines Gokus