Polizei ermittelt

Schockanruf: Seniorin übergibt Bargeld und Wertgegenstände im Wert von über 60.000 Euro

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Auf eine Telefonbetrügerin ist eine Frau aus dem Tölzer Land hereingefallen.
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Einem perfiden Schockanruf ist eine über 70-jährige Frau aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen am Donnerstag zum Opfer gefallen. Sie übergab Bargeld und Wertgegenstände im Wert von über 60.000 Euro an die Telefonbetrüger.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Am frühen Donnerstagnachmittag klingelte bei der Frau aus dem Landkreis das Telefon. Am anderen Ende der Leitung schluchzte eine weinende Stimme und gaukelte der Frau vor, ihr Enkel sei am Apparat. In der Folge erklärte eine weibliche Stimme, dass der Enkel einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, müsse der Enkel nun eine Kaution in Höhe von 45 000 Euro bezahlen.

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Seniorin mit „völlig frei erfundener Geschichte“ überzeugt

„Wie in vielen vergangenen Fällen gelang es den unbekannten Anrufern leider auch diesmal, dass die angerufene Frau der völlig frei erfundenen Geschichte Glauben schenkte“, so Martin Emig, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Das Geschilderte ist dabei meist möglichst drastisch, um den Angerufenen wirklich zu schockieren. Da sei dann die Rede davon, dass der Enkel bei Rot eine schwangere Frau überfahren habe, die nun im Krankenhaus verstorben sei, schildert Emig.

Auch im aktuellen Fall, sei „der Dame durch höchst professionelle und geschickte Gesprächsführung sowohl von einer weiblichen als auch einer männlichen Stimme in akzentfreiem Deutsch die Geschichte von dem angeblichen tödlichen Verkehrsunfall ihres Enkels glaubhaft gemacht“ worden.

Anrufer entlockt der Frau, dass sie Bargeld und Wertgegenstände zu Hause hat

Zudem entlockten die Anrufer der Frau in dem etwa 45-minütigen Gespräch, dass sie zuhause über hohe Summen Bargeld, Schmuck und Wertgegenstände verfügt. Das Opfer wurde angewiesen, die „Kaution“ im Wert von nun sogar über 60 000 Euro für die Abholung durch einen Mitarbeiter eines Amtsgerichts bereitzuhalten. Bereits wenige Minuten nach Beendigung des Telefonats erschien ein unbekannter Mann an der Haustür der Frau, der Geld und Wertgegenstände ohne großen Wortwechsel entgegennahm und in unbekannte Richtung verschwand.

Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen

Kurze Zeit später wurde der Frau bewusst, dass sie Betrügern zum Opfer gefallen war, und sie verständigte ihre örtlich zuständige Polizeiinspektion. Die Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hat die Ermittlungen übernommen.

Täter durchforsten systematisch online Telefonbucheinträge

Die Täter gehen bei der Auswahl ihrer Opfer durchaus strategisch vor und durchforsten online Telefonbucheinträge. Sie würden nach althergebrachten Vornamen und kurzen Telefonnummer suchen, die oft davon zeugen, dass sie schon lange in Betrieb sind, sagt Emig. Dann erfolgen die Anrufe: Straßenzug für Straßenzug in der ausgesuchten Gemeinde. Ist ein Opfer ins Netz gegangen, wird es so lange am Telefon gehalten, bis im Hintergrund alles für die Geldübergabe arrangiert ist. „Manchmal wird das Geld auch nicht an der Haustür abgeholt. Stattdessen werden die Opfer in die Nähe von Amtsgerichten oder Ämtern gelockt. Dann wird ihnen gesagt, dass gleich jemand rauskommt, um das Geld am Auto abzuholen“, sagt Emig.

Auch wer den Betrug wittert, sollte die Polizei alarmieren

Wer den Betrügern nicht auf den Leim geht, sollte dennoch auf jeden Fall die Polizei alarmieren. So wissen die Beamten, welche Gemeinde gerade im Fokus steht und können unter anderem Warnhinweise veröffentlichen Das wurde auch am Donnerstag gemacht – allerdings für den Raum Rosenheim, nachdem dort Anrufe gemeldet worden waren. Direkt danach seien die Täter vermutlich aufs Tölzer Land umgeschwenkt.

Wichtig: Eltern und Großeltern aufklären und informieren

Emig hat noch ein großes Anliegen. „Es wäre wichtig, dass die jüngere und mittlere Generation die ältere aufklärt, ihnen erklärt, dass in solchen Fällen weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft anruft.“

  • Die Polizei gibt noch einmal folgende Präventionshinweise:
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, auch nicht durch angeblich dringende Ermittlungen, z. B. zu einem Einbruch in der Nähe oder einer dringend zu zahlenden Kaution! Die Polizei fordert niemals Bargeld, Überweisungen oder Wertgegenstände von Ihnen, um Ermittlungen durchzuführen! Legen Sie einfach auf!
  • Geben Sie am Telefon niemals Auskünfte über ihr Hab und Gut, Ihr Bargeld und Ihre Wertgegenstände! Legen Sie einfach auf!
  • Lassen Sie niemanden in die Wohnung, der sehen will, wo Sie Geld oder Schmuck aufbewahren!
  • Rufen Sie nie über die am Telefon angezeigte Nummer zurück! Drücken Sie KEINE Wahlwiederholung. Legen Sie auf und wählen dann neu den Notruf 110!
  • Erstatten Sie immer, auch im Versuchsfall, Anzeige bei Ihrer Polizeiinspektion!

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