Kinis tragisches Ende im Klammerweiher

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Gezerre am Kini: Die „Lust“-Darsteller (v. li.) Sebastian Bergau, Martin Grundhuber, Nicole Fahrner und Alexander Liegl im Stück „Der zweite Ludwig“.

25 Jahre gibt es die Theatergruppe der „Lust“ in Bad Tölz bereits. Anlässlich des Jubiläums gibt es ein ganz besonderes Stück. Premiere ist am Freitag.

Bad Tölz – Für das 25-jährige Jubiläum sollte es schon ein besonderer Stoff sein. Etwas um König Ludwig – die Idee war rasch geboren. Doch irgendeine schon bekannte Version, die landauf, landab gespielt wird, sollte es für die Theatergruppe der Lust natürlich nicht sein.

Also haben Gabi Rothmüller und Alex Liegl als bewährtes Text-und-Regie-Team einfach ein neues Stück um den Kini geschrieben. Und das, soviel darf nach dem Probenbesuch in der Alten Madlschule schon verraten werden, ist mehr als gelungen.

Die völlig verrückte und genial umgesetzte Idee: Eine raffgierige Produzentin (Christine Hermann), ein geltungssüchtiger Regisseur (Alexander Liegl) und eine „rosamunde-pilchernde Schinken-Autorin“ (Irene Melzer) neiden Füssen den Erfolg und wollen den Kini ihrerseits vermarkten – in einem Stück, das ihn nach Tölz holt. Und zudem auf allerneuesten Erkenntnissen des Herrn Franz (Ludwig Retzer) basiert, dessen Urahn im Dienste des Königs wirkte und geheime Aufzeichnungen machte, die sein Nachfahre dem Produktionsteam gerne zur Verfügung stellt.

Da kommen sensationelle Neuigkeiten ans Licht. „Die Geschichte muss neu geschrieben werden!“, lautet der Satz, den Herr Franz mantraartig wiederholt. Verraten sei vorab nur soviel: Ein gewisser Komponist spielt eine große Rolle. „Das braune Eck wird unser grüner Hügel!“ – dieser emphatische Ausruf soll Kennern der (Musik-)Geschichte Hinweis genug sein. Und alle anderen dürfen sich in der Aufführung überraschen lassen.

Natürlich wird endlich auch das ewige Geheimnis um Ludwigs mysteriösen Tod im Starnberger See enthüllt. Wieder nur soviel: Es war alles ganz anders! Und Dr. Gudden spielt nicht die entscheidende Rolle…

Theaterstück in der „Lust“: „No Sissi, no money“

Und kommt denn auch die Sissi vor? Ja, aber nur weil der japanische Groß-Sponsor, Herr Wakasabi (Sebastian Bergau), darauf besteht: „No Sissi, no money!“ Oder, auf gut Boarisch: Wer zahlt, schafft o! Und so wird die Prinzessin aus Possenhofen, die es in Wien bis zur Kaiserin bringt, von einer Japanerin (Nicole Fahrner) gespielt, die nicht mehr als „Oh, Ludovice!“ herausbringt. Aber das ganz besonders reizend.

Ja, und wer gibt nun den Kini? Der kommt eigentlich gleich mehrmals vor, denn das Stück beginnt mit dem Casting, in dem sich gleich mehrere Ludwig-Anwärter präsentieren. Der „erste Ludwig“, also der, der die Rolle bekommt und jedenfalls während des größten Teils des Abends innehat, ist Martin Grundhuber. Seine große Konkurrentin um die begehrte Rolle („Ludwig war nicht nur Mann, er war Wesen – und trug alle Geschlechter in sich!“) ist Dörthe Merz. Und Ludwig Retzer bewährt sich als „Falscher Ludwig“. Dass fast alle Darsteller mehrere Rollen verkörpern und fliegende Kostümwechsel hinlegen, erhöht den Reiz.

Am Ende steht ein großer Eklat und die Neudeutung des Ludwig-Stoffs

Produktionsassistentin Mathilde (Ulrike Liegl-Kempter) ist allerdings dermaßen ins umtriebige Geschehen eingespannt, dass sie auch so schon rotiert. Und die Garderobiere Frau Breitfuss (Petra Stadlmayer), die mit ihrem derben bayerischen Zungenschlag entzückt, beschwert sich, dass sie nicht nur die von Füssen abgeworbenen Tänzer („Die kriegen dort die doppelte Pendlerpauschale!“) ersetzen, sondern auch noch den ebenfalls abhanden gekommenen Adjutanten Ludwigs, dem sie in Füssen die doppelte Gage geboten haben, spielen soll. Ausnahmslos alle agieren mit überbordender Spielfreude. Obwohl es nur noch wenige Tage hin ist bis zur Premiere, läuft in dieser Probe alles wie am Schnürchen; Text einsagen ist nur ganz selten nötig. Und Regisseurin Rothmüller hat ihre Arbeit seit Probenbeginn im Oktober offensichtlich so gut gemacht, dass sie sich weitgehend aufs Zuschauen und Loben beschränken kann und nur ganz selten mal ins Geschehen eingreifen muss.

Die tolle Musik kommt vom Band; der Gesang wird natürlich live produziert. Auch schräge Tanzeinlagen fehlen nicht. Am Ende steht ein großer Eklat um die sensationelle Neudeutung des Ludwig-Stoffs; eine Überraschung jagt die nächste. Mehr wird nicht verraten. Hingehen! Es lohnt sich.  (Sabine Näher)

Weitere Infos

Die Premiere wird am Freitag, 13. März, um 20 Uhr in der Alten Madlschule gefeiert. Weitere Vorstellungen gibt es dort (immer um 20 Uhr) am 20., 21., 27. und 28 März sowie am 3., 4., 24. und 25. April und letztmals am 1. und 2. Mai. Karten gibt es vorab bei Schreibwaren Zauner.

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