VonMelina Staarschließen
Personalprobleme sind das beherrschende Thema in vielen Branchen. Eine ist ganz besonders betroffen: Wie der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) in einem Schreiben an Schulen, Eltern und Schüler klar machte, herrscht akute Not bei Busfahrern.
Bad Tölz-Wolfratshausen - Aktuell habe man zehn Fahrer Unterbestand, berichtet Niederlassungsleiter Andreas Päschel. „Das beruht auf Alters-Ruheständen, Kündigungen. Keiner will mehr diese Jobs machen.“ Man sei europaweit auf der Suche nach Fahrern. Bislang, so Päschel, habe man Ausfälle vermeiden können, „wir liegen bei 99 Prozent erfüllten Leistungen“. Mehr, als auf die missliche Lage hinzuweisen, könne man derzeit nicht tun. Anderswo würden Busse fest ausfallen.
Was soll ein Schüler machen, wenn der Bus nicht kommt?
Unvorhergesehene Krankmeldungen von Fahrern könnten dazu führen, dass Busse nicht kommen. Wenn man frühzeitig Bescheid wisse, werden die Schüler und Eltern informiert. Wie beispielsweise dieser Tage, als Schulen die Information bekamen, dass aufgrund der Straßensperrung zwischen Waakirchen und Reichersbeuern auch die Schulbusse nicht wie gewohnt fahren können. Hier haben sich nun private Elterninitiativen gefunden, die ihre Kinder nach Bad Tölz an die Schulen bringen.
Was soll nun ein Kind tun, wenn der Bus nicht kommt? „Im Zweifelsfall wieder heimgehen oder auf einen späteren Bus ausweichen“, so Päschel. Dies sei aber, betont er, nur eine Notfall-Situation. „Es ist nicht damit zu rechnen, dass dies Alltag wird.“ Nur vereinzelt könne es vorkommen, dass ein Bus ausfällt.
Rechtlich gesehen haben fast alle Schüler einen gesetzlichen Beförderungsanspruch
Rechtlich gesehen haben fast alle Schüler einen gesetzlichen Beförderungsanspruch, erklärt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts, das Sachaufwandsträger des ÖPNV ist. Das Landratsamt erfülle die Beförderungspflicht gemeinsam mit den örtlichen Verkehrsunternehmen. Bislang sei es noch zu keinen Ausfällen gekommen. „Trotzdem ist es völlig richtig, dass wir – sollte es zu einem Ausfall kommen – vor dem Problem stehen könnten, dass aufgrund der angespannten Personalsituation nicht umgehend ein Ersatz gefunden werden kann.“
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Wie viele Schüler betroffen seien, hänge von der jeweiligen Situation ab. „Wir sind in ständigem Kontakt mit dem RVO und den Schulen, um die Situation gegebenenfalls schnell einschätzen zu können und bei Bedarf Lösungen zu finden.“ Einen Ausfall wolle man unter allen Umständen vermeiden. Komme es dennoch zu einem Ausfall, sollten Schüler Schule und Eltern informieren, damit klar sei, wo sie sich befinden und warum sie nicht pünktlich zum Unterricht erscheinen. Sollte sich keine alternative Möglichkeit finden, „bitten wir darum, in einem solchen Notfall Fahrgemeinschaften zu bilden und so den Schulbesuch möglich zu machen“, so Peischer.
Es gebe kaum noch Menschen, die im Bereich Dienstleistung arbeiten wollen
Im Elternbrief bittet Andreas Päschel um Verständnis. Sollte die Telefonnummer, unter der Busausfälle abgefragt werden können, nicht besetzt sein, sei es möglich, dass das Büroteam gerade als Busfahrer einspringen müsse. Selbst in den Bereichen Disposition und Leitstelle finde man keine Mitarbeiter mehr, „da kaum einer mehr bereit ist, im Bereich der Dienstleistung zu arbeiten“, schreibt Päschel. Leistungen, die in der Regel einwandfrei funktionieren, würden nicht gewürdigt. „Sobald es Unregelmäßigkeiten gibt, sei es unverschuldet oder verschuldet, gibt es kein Verständnis mehr, Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen sind Alltag geworden.“ Er hoffe zum Wohle aller auf ein gutes gemeinsames Miteinander.
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