VonVolker Ufertingerschließen
Was lange Zeit als Utopie galt, könnte plötzlich Realität werden. Um saubere Luft in deutschen Städten zu gewährleisten, hat die Bundesregierung gegenüber der EU die Idee eines kostenlosen oder zumindest deutlich verbilligten Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) ins Spiel gebracht. Darüber sprach Redakteur Volker Ufertinger mit Landrat Josef Niedermaier.
Herr Niedermaier, kostenloser ÖPNV: Das klingt verlockend. Für wie realistisch halten Sie die Idee?
Endlich, wirklich endlich kommt dieses extrem wichtige Thema auch in der Bundespolitik in den Fokus. Die komplett kostenlose Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel halte ich aber eher aufgrund der hohen Kosten für unrealistisch, geschätzt müsste der Bund wohl etwa 25 Milliarden Euro aufwenden.
Angenommen, es kommt dazu: Was würdewohl bei uns im Landkreis passieren?
Es würden natürlich einige Bürger des Landkreises umsteigen, vor allem diejenigen, die eine gute und schnelle Verbindung vorfinden. Aufgrund der dezentralen Siedlungsstruktur unseres Landkreises sind die vorhandenen öffentlichen Verkehrsangebote aber sicher für einen großen Umstieg vom Auto nicht ausreichend. In einer Großstadt wie München gibt es da natürlich ein dichteres Angebot. Aber weder im Großraum München noch bei uns im ländlichen Raum reicht die momentane Kapazität des ÖPNV aus, einen Umstieg im großen Stil attraktiv zu machen. Das heißt: Wir brauchen zusätzlich noch einmal milliardenschwere Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur. Die Stammstrecke ist da erst der Anfang.
Gibt es an den Feinstaubwerten im Landkreis irgendetwas zu verbessern? Werden Sie überhaupt irgendwo gemessen?
Eine dauerhafte Messstelle gibt es meines Wissens nach nicht. Heilklimatische Kurorte und Luftkurorte wie etwa Bad Tölz, Bad Heilbrunn und Lenggries müssen in regelmäßigen Abständen Messungen durchführen und damit die Qualität der Luft dokumentieren. Wenn es Probleme mit dem Feinstaub im Landkreis gibt, dann kommen die vor allem von nicht fachmännisch betriebenen oder technisch veralteten Holz- und Kachelöfen. Dieses Thema wird interessanterweise in München kaum diskutiert.
Angenommen, München würde zur Modellregion, wie vom dortigen Oberbürgermeister gefordert: Hätte das Auswirkungen auf den Landkreis?
Ja, natürlich. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist Teil des MVV-Tarifverbundes, und die angedachte Modellregion müsste sich logischerweise auf den gesamten Tarifverbund beziehen. Dies umzusetzen wäre zwar sicher nicht ganz einfach, würde aber einen großen Schub nach vorne bedeuten. Wir stünden motiviert bereit, diese Herausforderung anzunehmen.

