VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen werden ab jetzt wohl wöchentlich Geflüchtete zugewiesen. Die Kreisräte diskutierten über die Belegung von Turnhallen.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Seinem Unmut über die anhaltende Belegung der Mehrzweckhalle im Wolfratshauser Stadtteil Farchet durch ukrainische Flüchtlinge machte Manfred Fleischer, Vorsitzender des Sportvereins BCF, jüngst in der Jahresversammlung des Vereins Luft. Aber nicht nur dort. Fleischer wurde auch bei Martin Bachhuber, dem CSU-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, vorstellig – und so schaffte es das Thema am Montag in die Sitzung des Kreisausschusses.
Es werden sich alle Gemeinden darauf einstellen müssen, dass die Turnhallen wieder belegt werden.
Unter dem Punkt Verschiedenes brachte es Bachhuber vor. Die Mehrzweckhalle sei ja nun schon seit längerer Zeit belegt, und die BCF-Mitglieder könnten keinen Sport machen. Natürlich wisse er, dass die Flüchtlingssituation ähnlich wie 2015 sei, fuhr Bachhuber fort, konnte aber gar nicht ausreden, weil ihm Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) ins Wort fiel: „Die Situation ist schlimmer als 2015.“ Er habe mit Fleischer telefoniert, ihm aber keine Hoffnung auf eine baldige Änderung der Situation machen können, sagte Niedermaier. Im Gegenteil: „Es werden sich alle Gemeinden darauf einstellen müssen, dass die Turnhallen wieder belegt werden.“
Wie berichtet gab es am Dienstag die erste größere Zuweisung von Asylbewerbern an den Landkreis durch die Regierung von Oberbayern. Vor allem aus Syrien, Afghanistan und der Türkei stammen die Menschen. „Es ist eine Riesenflüchtlingswelle unterwegs“, sagte Niedermaier. Die Balkanroute sei in Teilen wieder offen, die Auffanglager rappelvoll. Daher geht Niedermaier davon aus, dass es nun wieder wöchentliche Zuteilungen von Flüchtlingen geben wird. „Da wir bislang unsere Quote erfüllt haben, bekommen wir nur die Regelzuweisung.“ Aber mit dezentralen Unterbringungen in Wohnung werde man nicht weit kommen. „Zumal die Belegung von Wohnungen einiges an Konfliktpotenzial bietet“, sagte Niedermaier mit Blick auf den ohnehin mehr als angespannten Mietmarkt. „Deshalb identifizieren wir gerade Grundstücke, auf denen die Regierung Unterkünfte bauen kann.“ Die Situation bereite ihm große Sorgen, bekannte Niedermaier.
Grünen-Kreisrätin mahnt zu mehr Umsicht in der Debatte
Kreisrat und Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) wollte eine Lanze für den BCF brechen. Der Verein wolle ja nur wissen, ab wann Sport in der Halle wieder möglich sein könnte. „Man sträubt sich gar nicht gegen die Belegung, aber es gibt Mannschaften, die einen Spielbetrieb an- oder abmelden müssen“, sagte er. Unter Umständen gebe es ja Stundenkontingente, die dem BCF in Landkreis-Hallen zur Verfügung gestellt werden können, regte der Kreisrat an.
„Mir ist die Not bewusst“, sagte Niedermaier. „Das ist natürlich ein Dolchstoß ins Herz jedes Sportlers.“ Aber er könne einfach nicht sagen, wann die Halle wieder nutzbar sein wird. „Aus meiner Sicht ist der Tag ferner denn je.“ Denn beinahe täglich würden neue Hiobsbotschaften kommen. Die Bundesregierung habe „Einladungen ausgesprochen“ und schaue nun dabei zu, wie „es die Bevölkerung zerreißt“, redete sich Niedermaier in Rage.
Auch Sport und sich miteinander zu treffen, gehört zu einer Gesellschaft
Niemand habe eine Einladung ausgesprochen, murmelte Grünen-Fraktionschef Klaus Koch, während Barbara Schwendner (Grüne) zu mehr Umsicht in der Debatte mahnte. „Unsere Aufgabe ist es, die Diskussion so zu führen, dass die Leute nicht das Gefühl haben, die Katastrophe bricht aus.“ Diese hätten nur die Menschen erlebt, die nun in der Turnhalle Zuflucht finden. „Uns geht es relativ gut. Wenn ein Punktspiel verschoben werden muss, dann ist das mit dem, was die Leute mitgemacht haben, nicht vergleichbar“, sagte Schwendner.
Das sei ja jedem bewusst, entgegnete Heilinglechner, der aber eigentlich nicht länger über das große Ganze diskutieren wollte. So stehen lassen wollte das Thomas Holz (CSU) aber auch nicht. „Sie können unseren Bürgern wirklich nicht vorwerfen, dass sie nicht alles getan haben, um den Menschen zu helfen“, sagte er in Richtung von Schwendner. Aber auch Sport und sich miteinander zu treffen gehöre zu einer Gesellschaft dazu – vor allem in Zeiten, die durch Pandemie, Krieg und Energiekrise ohnehin belastend seien, sagte Holz. Und es könne auch keine Rede davon sein, dass man die Katastrophe herbeirede, ergänzte Landrat Niedermaier. „Für uns im Amt ist die Katastrophe schon da.“
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