Vogelzählung

„Stunde der Wintervögel“: Gans auf Platz eins, Meise und Spatz folgen

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Die Kohlmeise wurde von den Teilnehmern im Landkreis am zweithäufigsten gezählt. Aktionen wie diese schulen den Blick der Beobachter
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Die Teilnehmer zählten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weniger Vögel als in den Vorjahren. Ist das Ergebnis Grund zur Sorge?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wer zwitschert da eigentlich im Garten? Das konnten Vogelfreunde bei der „Stunde der Wintervögel“ herausfinden. Jeder, der wollte, konnte sich an der bayernweiten Aktion von Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Naturschutzbund beteiligen und vom 6. bis 8. Januar eine Stunde lang Vögel vor der eigenen Haustür beobachten. Kürzlich wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Weniger Vögel als in den Vorjahren

In ganz Bayern machten heuer 21 068 Personen bei der Aktion mit. Durchschnittlich 29,8 Vögel pro Garten zählten sie. Im Landkreis beteiligten sich 356 Vogelbeobachter und erspähten 36,29 Vögel pro Garten, insgesamt 7512 Tiere. 2022 waren es 8832 Vögel, 2021 13 476.

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Kanadagans belegt Platz eins

Der erste Platz, also die Art, die heuer im Landkreis am häufigsten gesichtet wurde, verwundert. Denn am Futterhäuschen im Garten hat sie wohl kaum jemand entdeckt. Es ist die Kanadagans. Sabine Tappertzhofen, Leiterin der LBV-Geschäftsstelle im Landkreis, vermutet: „Offensichtlich haben dieses Jahr ein oder mehrere Personen zum Beispiel am Starnberger See gezählt, wo viele Kanadagänse leben.“ Weil die „Stunde der Wintervögel“ ein sogenanntes „Citizen Science“-Projekt ist, also ein „bürgerwissenschaftliches“ Projekt, bei dem Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund Daten sammeln können, kann jeder Bürger zählen, wo er möchte.

Haussperling zwar weit vorne, doch davon darf man sich nicht täuschen lassen

Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Kohlmeise und der Haussperling, auch Spatz genannt. Letzterer war in den vergangenen vier Jahren immer ganz vorne mit dabei und belegte Platz eins oder zwei. Doch vom Platz auf dem Siegertreppchen darf man sich nicht täuschen lassen. „Er gehört zu den Arten, die deutlich abnehmen“, sagt Tappertzhofen. Früher waren die Haussperlinge häufiger in der Feldflur anzutreffen, erklärt die Diplom-Biologin. Heute dagegen ist die Landschaft aufgeräumter. „Sie finden weniger Körner, und ihre Brutstätten werden zugemacht, beispielsweise durch Dachsanierungen.“ Trotzdem zählten die Beobachter viele Haussperlinge, weil die kleinen Vögel nicht scheu gegenüber Menschen und anpassungsfähig sind.

Vögel fanden dieses Jahr ausreichend Futter in den Wäldern

Insgesamt wurden in diesem Jahr weniger Vögel gezählt. „Der Hauptgrund ist wohl das heuer reiche Futterangebot in den Wäldern. Bei den milden Temperaturen während der Aktion konnten die Vögel dieses Angebot leicht nutzen“, erklärt Tappertzhofen. Sie mussten zum Fressen also nicht in die Gärten kommen. Sorgen brauche man sich daher erst einmal keine machen. „Allerdings“, so Tappertzhofen, „gibt es einen langfristigen leichten Abwärtstrend.“ Der sei aber nicht dramatisch.

Massive Einbrüche gebe es dagegen bei Feldvögeln und Wiesenbrütern wie der Lerche, dem Wiesenpieper und dem Braunkehlchen. „Die werden bei dieser Zählung aber kaum oder gar nicht erfasst.“

Mit einheimischen Pflanzen fühlen sich Vögel wohl

Das Gute: Jeder Einzelne kann etwas tun, damit sich Vögel im heimischen Garten wohlfühlen. „Es schadet nicht, ein ,fauler Gärtner‘ zu sein“, erklärt die Diplom-Biologin. Generell sollte man einheimische Pflanzen bevorzugen, weil an diese mehr Insektenarten angepasst sind. „Ein insektenreicher Garten, in dem die Vögel Deckung finden, ist sehr von Vorteil“, erklärt Tappertzhofen. Außerdem seien ungefüllte Blüten meist nektarreicher als gefüllte, was wiederum einen positiven Effekt auf die Insekten habe, die dann als Futter für Jungvögel dienen. Gute Beispiele sind laut Tappertzhofen Heckenrose und Holunder. Die sind besser als gefüllte Edelrosen und Thuja. Winterling und Winterjasmin dienen den ersten Bienen. Gut sei auch Efeu, weil er blüht, wenn wenig anderes blüht und Früchte trägt, wenn die Vögel besonders viel Futter brauchen. Außerdem bietet er Schutz. „Vielfalt ist wichtig.“

Für Tappertzhofen ist die „Stunde der Wintervögel“ eine wichtige Aktion. „Diese Zählungen geben ein gutes Bild zu den Garten- und vielleicht Waldvögeln, die bei uns im Winter leben“, erklärt sie. Das sei wichtig, um langfristige Trends zu erfassen.

Aktionen wie diese schulen den Blick der Beobachter

Wichtig sind solche Aktionen aber noch aus einen anderen Grund: Sie schulen den Blick der Beobachter. „Es ist ein besonders Erlebnis, nicht nur zu sehen, dass verschiedene Vögel am Futterhaus sind, sondern auch eine Stunde lang genau hinzuschauen, wie viele Meisen mit der blauen Kappe auf einmal da sind, und wie viele von denen mit der schwarzen Kappe“, so Tappertzhofen.

Die nächste Zählung findet vom 12. bis 14. Mai statt. Dann können die Menschen in Bayern bei der „Stunde der Gartenvögel“ die Brutvögel in den Gärten und Parks erfassen.

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