VonMelina Staarschließen
Der Schritt fiel nicht leicht, war aber die einzige logische Entscheidung: Die drei Flößerbetriebe auf der Isar haben sich gemeinsam entschlossen, die Saison 2020 komplett abzusagen. Damit wurde nun festgesetzt, was sich bereits angedeutet hatte.
Bad Tölz-Wolfratshausen – „Brutal schwer“ sei es ihr gefallen, sagt Monika Heidl-Seitner vom Flößereibetrieb Franz Seitner aus Wolfratshausen. „Aber wir konnten unseren Kunden einfach nicht die Planungssicherheit geben, die sie verlangen.“
So wollten diejenigen, die Floßfahrten für Juli oder August gebucht hatten wissen, ob sie denn nun fest mit der Fahrt rechnen und sich um Hotelzimmer kümmern könnten. „Ich konnte ihnen einfach keine Auskunft geben“, sagt Heidl-Seitner. Das gelte ebenso für die nötigen Busfahrten oder Flüge. „Und auch unsere Musiker wollten natürlich wissen, ob sie nun anderen Terminen zusagen könnten oder für die Floßfahrten geplant sind.“ Eine feste Zusage sei nicht möglich gewesen.
All die Regelungen, die nun Corona-bedingt gelten, seien auch mit Lockerungen auf einem Floß nicht umsetzbar. „Bei aller Liebe: Wir können nicht nur mit 10 bis 20 Personen auf einem Floß fahren. Die Kosten für uns bleiben ja die gleichen.“ Feste Platz-Zuweisungen, Abstandsregeln – „es gibt Passagen, wo alle eng beisammensitzen müssen“ – und keine Musik seien weitere Faktoren. „Die Blasmusik kann nicht im Schlauchboot nebenher fahren.“ Dazu komme die Haftungsfrage. „Ich kann auch nicht von meinen beiden Flößern erwarten, dass sie 50 Personen in Schach halten.“ Wenn dann irgendetwas passiere, „nageln die uns an die Wand“.
Floßfahrten auf der Isar: Infektionsgefahr ist zu groß
Auch Flößermeister Michael Angermeier aus Arzbach sagt: „Die Vorgaben lassen sich nicht einhalten.“ Abstand, Masken, keine Musiker und keine Gaststätte, zählt er die Schwierigkeiten auf. „Dann bleibt ja nichts mehr übrig.“ Die Infektionsgefahr sei einfach zu groß. Denn so beschreiben es die drei Flößerbetriebe – unterschrieben hat auch die Flößerei Josef Seitner aus Wolfratshausen – in einer gemeinsamen Pressemitteilung, niemand wolle „ein Ischgl auf der Isar“ provozieren.
Die derzeitige Verfügung gelte bis 17. Juli, sagt Angermeier. „Dann wird wahrscheinlich bis August verlängert – dann ist die Saison vorbei.“
Leid tue es ihr auch um all jene, die mit an der Flößerei dranhängen so wie Caterer oder Musiker, sagt Monika Heidl-Seitner. „Denen geht in diesem Jahr einiges an Geld flöten.“ In ihrem Familienbetrieb hätten alle noch Berufe nebenbei und könnten das Schlimmste abfangen.
Generationenlange Tradition fällt einfach weg
Derzeit ist sie damit beschäftigt, die für dieses Jahr gebuchten Fahrten auf das kommende Jahr zu verschieben. „Zum Glück haben wir ganz tolle Kunden, die Verständnis zeigen“, sagt Heidl-Seitner. Auch Michael Angermeiers Kunden hätten akzeptiert, dass es in diesem Jahr keine Floßfahrten geben wird. „Es gibt eben keine andere Möglichkeit.“ Manche Kunden hätten ohnehin Angst gehabt. „Es ist eine ganz komische Situation.“ Auch für ihn selbst, wie er lachend ergänzt: „Ein ungewohnter Sommer. Auf einmal bin ich zu Hause.“
Monika Heidl-Seitner bedauert, dass nach dem Oktoberfest etwas weiteres, typisch Bayerisches im Jahr 2020 fehle: „Eine generationenlange Tradition fällt einfach weg. Das ist schon sehr bitter.“
Lesen Sie auch:
Tölzer Partnerstädte: Vereint in der Pandemie
Befahrungsverbot für Obere Isar aufgehoben
Nach Corona-Pause: Einige Geschäfte blühen - ein anderes muss schließen
