VonChristina Jachert-Maierschließen
Der Großeinkauf kann künftig in der Wiesseer Ortsmitte stattfinden. Rewe, Lidl und dm-Markt liegen gleich nebeneinander. Die Pläne fürs Zentrum und auch für die Seepromenade waren Thema eines Bürger-Info-Abends. Das Interesse war riesig.
Bad Wiessee – Um ihre Mega-Projekte zu zeigen, hat die Gemeinde Bad Wiessee gerade wenig Platz. Weil mit dem in Sanierung begriffenen Gasthof Zur Post der große Saal fehlt, blieb für die Präsentation der zwei großen Zukunftsprojekte Ortsmitte und Seegut nur das Feuerwehrhaus. Dessen Lehrsaal reichte nicht ganz aus, um der Zuhörerschaft Platz zu bieten. Über 100 Menschen waren der Einladung von Bürgermeister Robert Kühn zur Projektvorstellung durch die Investoren gefolgt, manche verfolgten die Vorträge stehend mit Blick durch die geöffnete Tür. „Ich bin etwas nervös“, bekannte Kühn bei der Begrüßung. Mit einem so großen Andrang habe er nicht gerechnet.
Gegenwind bleibt aus
Sollte Kühn massiven Gegenwind für die vom Gemeinderat abgesegneten Großprojekte befürchtet haben: Er blieb aus. Man beschränkte sich auf wenige Fragen zur Verkehrsbelastung und zu Details (siehe Kasten). Und das, obwohl mit der langen Bauzeit schwierige Jahre auf Bad Wiessee zukommen. Wie berichtet, ist mit der Fertigstellung des Bereichs Seegut – 25 Gebäude auf 38 000 Quadratmetern – erst 2028 zu rechnen. Der Gemeinderat hat den Bauantrag vergangene Woche abgesegnet. Das Ortsmitte-Projekt ist deutlich kleiner, interessiert aber mindestens genauso. Auf 12 000 Quadratmetern im Zentrum entstehen 38 Mietwohnungen, 24 Ferienwohnungen und diverse Gewerbeeinheiten, aber vor allem das, was schon lange gewünscht wird: große Märkte für die Nahversorgung. Investor Marcel Dittrich, der mit Architekt Thomas Schonder vom Büro Auer Weber die Planung erläuterte, nannte erstmals die Betreiber: Lidl, Rewe und dm-Markt werden sich auf insgesamt 3000 Quadratmetern Fläche ansiedeln, die Verträge sind geschlossen. „Mir war es wichtig, dass es eine Konkurrenz gibt“, erklärte Dittrich. Gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig zu sein.
Komplex fügt sich in Ortsbild ein
Optisch wird die riesige Einzelhandelsfläche nahezu verschwinden. Architekt Schonder präsentierte einen aus sechs Häusern bestehenden Komplex, der sich geschickt ins Ortsbild fügt und auch einen Dorfplatz als Treffpunkt bietet. In den Erdgeschossen ist Platz für Läden, Cafés und Praxen. Gespräche mit Interessenten seien im Gange, berichtete Dittrich. Der Abriss des Altbestands – hier stand das Hotel Ritter – sei abgeschlossen, die Bauarbeiten sollen bald beginnen. Mit der Fertigstellung sei 2026 zu rechnen, so Dittrich. 2024 beginne die Vermarktung der Mietwohnungen.
Anlieger befürchten Belastung durch Lastwagenverkehr
Um den Ortsteil Seegut entstehen zu lassen, wird bis 2028 gebaut. „Wie viele Lastwagen sind das täglich?“, wollte Rudolf Krippner beim Info-Abend für die Bürger wissen. Eine Frage, deren Antwort offen blieb. Die Zahl der Lkw-Fahrten hänge vom jeweiligen Bauabschnitt ab, erklärten die Planer. Unterdessen versicherte Bürgermeister Robert Kühn, Bauamtsleiter Anton Bammer habe die Abstimmung aller laufenden Bauarbeiten im Ort stets im Blick. „Wir versuchen, das in Einklang zu bringen, um die Anwohner zu entlasten.“
Ein Thema war auch die künftige Wegeverbindung zum See für die Allgemeinheit, wenn das Nobel-Hotel steht. Die Zugänglichkeit ist durch den Neubau eines öffentlichen Wegs gesichert. Das Hotelgelände selbst, erklärte Eric Heppt als Vertreter der Seegut am Tegernsee Holding GmbH auf Nachfrage, werde aber abends mit Rücksicht auf die Gäste gesperrt. Gefragt wurde auch nach dem Preis der Mietwohnungen am Seeufer. Für eine Kalkulation sei es noch zu früh, meinte Heppt.
Bereits erfolgt ist das Beweissicherungsverfahren, um Schäden an umliegenden Gebäuden dokumentieren zu können. Wer dazu Fragen habe, so Heppt, könne sich bei ihm melden.
Nach Dittrich stellten Eric Heppt als Vertreter der Investorenfamilie Strüngmann und Architekt Maximilian Maier – wie kürzlich im Gemeinderat – die Seegut-Planung vor. Im Eiltempo, um das zeitliche Limit einzuhalten. Der Entwurf zeigt ein Hotel mit Nebengebäuden, Mietwohnungen und einen öffentlicher Bereich mit Kunstscheune, Wirtshaus und einem Platz, der im Winter auch als Eisfläche dienen kann. 25 einzelne Häuser, locker gruppiert und in viel Grün gebettet. Massiv ist der Neubau unter der Erdoberfläche. Es entsteht nicht nur eine Tiefgarage, auch Lagerflächen und weitere Räume liegen dort unten. Allein die Bauzeit dafür beträgt zwei Jahre. Um die Grundwasserströmung zu beherrschen, wird in Abschnitten gebaut. Anlieger fürchten, dass durch die Arbeiten Wasser in ihre Keller gedrückt wird. Architekt Maier versicherte, das werde nicht geschehen: „Wir verändern die Grundwasserströmung nicht.“
Unser Tegernsee-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.
