Weiter auf Expansionskurs

Korbinian Kohler will noch mehr: Ein Bussi Baby für jede große Stadt

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Erfolgsmodell: Korbinian Kohler vor seinem Hotel Bussi Baby in Bad Wiessee. Er plant, weitere Hotels mit diesem Namen im deutschsprachigen Raum zu eröffnen.
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Ein Jahr nach der Eröffnung ist klar: Unternehmer Korbinian Kohler ist mit dem Bussi-Baby-Konzept ein Coup gelungen. Für die Zukunft hat Kohler noch viel größere Pläne.

Bad WiesseeFür den Namen Bussi Baby hat Korbinian Kohler (51) viel Prügel bezogen. „Weil jeder sofort ein Bild im Kopf hat“, weiß Kohler. Eines, das sich sehr deutlich vom Image des alten Kirchenwirts von Bad Wiessee unterscheidet. 2017 hatte Kohler das 1906 erbaute Haus von der Familie Steiger gekauft. Er sanierte es so gründlich, dass nur die äußere Hülle erhalten blieb. Im Juni 2018 eröffnete er ein von der Designerin Nora Witzigmann gestaltetes Drei-Sterne-Superior Hotel mit 42 Zimmern: das Bussi Baby. Der Stil: klare Linien, beste Materialien. Die Zielgruppe hatte Kohler von Anfang an fest im Blick: „Leute die hart arbeiten, hart feiern und hart Sport machen.“

Das Konzept ging auf. Vom ersten Monat an war das Bussi Baby gut gebucht. „Ich bin mit dem Erfolg super zufrieden“, erklärt Kohler. Und er will mehr. Aktuell sucht sein Unternehmen in deutschen Großstädten nach geeigneten Liegenschaften, um weitere Bussi Babys zu errichten.

Bussi Baby nicht nur in Bad Wiessee: München, Berlin und Wien im Visier

„Wir könnten uns vorstellen, dass mal jede größere Stadt ein Bussi Baby hat“, meint Kohler. Im Auge hat der Unternehmer derzeit vor allem München, Berlin und Wien. „Wir wollen das Tegernseer Lebensgefühl nach außen tragen“, erklärt Kohler. Die Merkmale: unkonventionell, qualitätsbewusst und den alpinen Bereich als Heimat verstehend. Wann und wo mit der Eröffnung des nächsten Bussi Baby zu rechnen ist, lässt Kohler offen: „Das ist ein Prozess, der über Jahre geht.“

Sehr schnell soll hingegen der Bau des neuen Personalhauses fürs Wiesseer Bussi Baby vonstattengehen. Wie berichtet, lässt Kohler den Neubau derzeit nach den Vorgaben des Wiesseer Gemeinderats umplanen. Statt drei Stockwerken wird das Haus nur deren zwei haben, dafür fällt es deutlich breiter aus. 43 Einheiten für die Mitarbeiter von Kohlers Betrieben entstehen. Öffnen soll das Haus schon 2020.

Den Bestand will Kohler in diesem Herbst oder im Frühjahr 2020 abreißen lassen. Der Zeitplan hängt davon ab, ob der Neubau in Modulbauweise entsteht oder ein Rohbau nötig ist. Wenn Letzteres der Fall ist, muss der Altbau schon im Herbst weg. „Ansonsten lassen wir die jetzigen Bewohner noch über den Winter in dem Haus“, erklärt Kohler.

Die 43 Einheiten decken seinen Bedarf an Personalwohnungen bei Weitem nicht. Etwa 100 würde er brauchen, erklärt Kohler.

Korbinian Kohler: Auch Luxus-Spa läuft gut 

Investiert hat Kohler in den vergangenen Jahren nicht nur ins Bussi Baby in Bad Wiessee, sondern auch in einen sieben Millionen Euro teuren Luxus-Spa im Hotel Bachmair-Weissach. Im Juli 2017 wurde der japanisch inspirierte Mizu Onsen Spa eröffnet. Auch mit dessen Erfolg ist Kohler sehr zufrieden. Für ein Hotel dieser Kategorie sei die Investition aber auch unerlässlich gewesen: „Mithalten kann nur, wer einen wirklich herausragenden Spa hat.“

Unternehmer Korbinian Kohler schlägt Alarm: In Sachen Verkehr und Wohnungsbau muss sich im Tegernsee Tal etwas tun

Die Tegernseer Identität ist für Korbinian Kohler, Spross einer alt eingesessenen Unternehmerfamilie (Büttenpapierfabrik Gmund) ein großes Thema. Rund 230 Mitarbeiter beschäftigt er in seinen Betrieben am Tegernsee (Hotel Bachmair-Weissach mit Event Arena, Reitsportanlage Kirschner Alm, Altes Wallberghaus, Gästehaus Mahler, Bussi Baby). Während er kräftig investiert, sieht er zwei große Probleme, die seine Heimat bedrohen. „Ich möchte Alarm schlagen zu den Themen Verkehr und Wohnraum“, erklärt Kohler. Er erlebe, dass aus dem Freundeskreis seiner Kinder junge Familien das Tal verlassen müssen. „Auch Gutverdiener schaffen den Familienstart hier nicht, weil sie keine Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen finden“, stellt Kohler fest. Ihm sei klar, dass die Kommunen den Bau von Wohnungen in ausreichender Zahl finanziell nicht stemmen können: „Wir brauchen Hunderte.“ 

Wohnungsbau im Tegernseer Tal: Korbinian Kohler will Initiative ergreifen

Darum wolle er jetzt selbst die Initiative ergreifen. Sein Ziel sei es, den Innenbereich zu verdichten, um Wohnungen für Einheimische zu schaffen. Möglichkeiten gebe es. „Dabei hoffen und glauben wir fest an eine gute Zusammenarbeit in dieser Frage mit den Gemeinden.“ Erste Überlegungen gebe es, doch wolle er zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr über das Projekt sagen. Nicht minder brisant sei das Thema Verkehr. So schlimm wie aktuell habe er die Situation in seinen 51 Lebensjahren nicht erlebt: „Von Weissach bis zur Kreuzstraße zu beiden Seiten des Sees stehen sie Stoßstange an Stoßstange.“ Dieses Problem könne nur die Politik lösen: „Da braucht es einen Ruck.“ Aus seiner Sicht fehle im Miesbacher Landratsamt die Größe, groß zu denken: „Der grüne Landrat hätte schon längst etwas machen können.“ Stattdessen würden Ideen wie die einer Tegernsee-Ringbahn – ins Spiel gebracht von Heino Seeger, Chef der Tegernsee-Bahn – lediglich belächelt, meint Kohler. Er plädiert dafür, auch kühne Gedanken zu spinnen, wie die einer Brücke über den See oder einer Seilbahn. Und Naheliegendes anzupacken: die Nutzung der Seefläche als Verkehrsraum.

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