„Masken sind freiwillig“

Bad Wiessee: Wahlhelfer trotzen Corona mit Handschuhen und Masken

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Auf Nummer sicher gingen die meisten der 30 Wahlhelfer, die in Bad Wiessee drei Briefwahlbezirke auszählten. Fast alle trugen Handschuhe, die meisten Masken. Den Spaß behielten sie dennoch.
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In Bad Wiessee zählten am Sonntag 30 Wahlhelfer rund 1000 Briefwahlen aus. Dem Coronavirus trotzten sie mit Atemmasken und Handschuhen.

Bad Wiesee – Noch lässt Benedikt Dörder (35) die Atemmaske locker vom Hals über den blauen Pullover baumeln. Es ist kurz vor 18 Uhr am Sonntag, der Vorstand des Briefwahlbezirks 12 in Bad Wiessee gibt den neun Helfern an seinem Tisch die letzten Anweisungen. „Masken sind freiwillig“, sagt er. Weil er gleich viele Kommandos geben wird, sei die Schutzmaßnahme für ihn aber selbstverständlich. „Die anderen können das selbst entscheiden.“

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Bad Wiessee: Wahlhelfer trotzen Corona mit Handschuhen und Masken

Wenige Minuten später tragen fast alle der 30 Helfer, die gleich im Bad Wiesseer Gasthof Zur Post rund 1000 Briefwahlen auszählen werden, Handschuhe. Rund die Hälfte trägt Atemmasken. Während sich bei der Wahl vor zwei Wochen kaum einer von ihnen für Schutzausrüstung entschied, wie Schriftführer Thomas Holzapfel sagt, erinnert die Mehrheit nun optisch an Chirurgen eines Behelfskrankenhauses. Auch Wähler, die ihnen bei der Arbeit zuschauen, fehlen heute. Vieles ist anders.

Kurz vor 18 Uhr zieht Dörder die Maske ins Gesicht. Er hebt eine rund einen Meter hohe Wahlurne auf den Tisch und kippt Hunderte Briefumschläge in dessen Mitte. „20er-Stapel, bitte.“ Dörders Wahlhelfer packen zu.

Fünf Minuten später stehen die Wahlunterlagen in Stapeln zu jede 20 Briefen auf dem Tisch. „Wie viele haben wir da?“, fragt Schriftführer Holzapfel. „100“, antwortet eine Frau. Ihre Kollegin ist noch unsicher. „Hier sind es 18 oder 19“, sagt sie und schmunzelt. „Ich mach’ es nochmal, ich zähle ja so gern.“ Alle lachen. „18!“, ruft die Frau. „Dann passt’s“, sagt Holzapfel. „978.“ Dörder nickt.

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Hinter Dörder betritt Robert Kühn den Saal. Der SPD-Bürgermeisterkandidat, der heute gegen Florian Sareiter (CSU) antritt, hat es zu Hause nicht mehr ausgehalten. „Ich bin ziemlich nervös“, sagt er. „Die Warterei ist unerträglich.“ Vor der Ergebnisverkündung im Rathaus will er den Ort sehen, der über seine Zukunft entscheidet. Noch sagt er, es wäre eine Sensation, wenn diese Zukunft im Rathaus liegen würde.

Wenige Meter weiter kündigt sich bereits an, dass dieser Ausgang keineswegs so unwahrscheinlich ist, wie Kühn denkt. Dörders Team arbeitet jetzt wie am Fließband. Christoph von Preysing öffnet die Wahlbriefe, ein weiterer Wahlhelfer prüft, ob beide Wahlzettel im Umschlag sind. Dörder nimmt die Zettel heraus und reicht sie einem vierten Helfer, der sie auf einen Tisch in der Mitte trägt. Dort kleben je eine Aufschrift für die Kandidaten der Wahlen zum Bürgermeister und Landrat und je einer für die ungültigen Stimmen in beiden Abstimmungen. Elisabeth Pavlakovic (56) ordnet an einem der Tische die Stimmzettel der richtigen Kategorie zu. „Es wird spannend“, sagt sie, während die Haufen für Kühn und Sareiter im Gleichschritt wachsen.

Pavlakovic hat sich freiwillig zum Auszählen gemeldet, wie 21 der 30 Helfer, die heute hier arbeiten. Eigentlich wollte sie mit ihrer Schwester kommen, wie bei der vergangenen Wahl. Weil die sich wegen Corona nicht traute, brachte sie ihren Sohn mit. Der zählt am Nebentisch aus. „Ich bin hier, weil ich es als meine Pflicht empfinde“, sagt sie. „Wenn ich gefragt werde, dann mach ich es auch.“ Von Corona will sie sich nicht abhalten lassen. Eine Schutzmaske trägt sie nicht.

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