Wolfratshausen - Der musikalische Familienclan aus Waldram beeindruckt rund 500 Besucher mit einer Show, in der auch die leisen Töne nicht zu kurz kommen.
Nach der erfolgreichen Flussfestival-Premiere des Projekts „Brustmann hoch drei“ vor zwei Jahren kam es am Donnerstagabend zur mit Spannung erwarteten Neuauflage. Anders als damals stehen beziehungsweise sitzen der Musikkabarettist Josef Brustmann, die Waldramer Tanzlmusi und die Band Balloon Pilot nun von Beginn an gemeinsam auf der Bühne. Und auch im Publikum dürften sich mindestens 50 Familienangehörige befunden haben. Die Vorstellung der Akteure fällt dementsprechend kurz aus, schließlich kennt man sich zur Genüge. In Anlehnung an den Werbespot des Bayerischen Fernsehens heißt es schlicht: „Ich bin der Josef, und da bin i dahoam.“
Danach folgt ein abwechslungsreicher Reigen aus Heimaterzählungen, Witzen, Volksmusik und Popsongs. So überzeugte die Waldramer Tanzlmusi - mit Stadtrat Benedikt Brustmann an der Klarinette - nicht nur mit Instrumentalstücken, sondern auch mit einer umgetexteten Version des Comedian-Harmonists-Klassikers „Veronika, der Lenz ist da“. „Wolfratshausen heißt die schöne Stadt, wo die Presse viel zu schreiben hat“, heißt es da in einer Textzeile. Auch die bevorstehende S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried und das dort geplante Hallenbad werden thematisiert: „Wir zahlen ja noch für die DDR, was macht da schon ein Schwimmbad mehr?“
Wolfratshausen soll auch nicht von liebevollen Sticheleien verschont bleiben. Josef Brustmann sprach von einem „schwierigen Pflaster“, zumal der Wolfratshauser nicht so leicht aus seinem Haus herauszulocken sei. Nach der Prophezeiung des baldigen Weltuntergangs sei ein Freund von ihm schnell in die Loisachstadt gezogen, weil er gehört habe, dass dort alles mit 20 Jahren Verzögerung stattfinde. Am meisten Applaus erhält Brustmann für seine mit der Zither oder der Gitarre vorgetragenen Lieder, die Kindheitserinnerungen oder Naturerlebnisse beschreiben. Beispielsweise empfand der mit vielen Geschwistern aufgewachsene Künstler die Isarauen bei Waldram als „Kinderreservat von vollkommener Freiheit“. Der Song „Bei uns dahoam“ gerät zur ironischen Liebeserklärung an die Menschen in seiner oberbayerischen Heimat. Nach dem Aufstieg der Fußballer in die Kreisliga samt rauschender Feier sei der ganze Ort betrunken gewesen: „Als ich zwei Tage später zum Frisör ging, roch seine Schere immer noch nach Alkohol“, sagt Josef Brustmann.
Etwas leisere Töne schlagen Balloon Pilot an. Einige Besucher, die an den vergangenen Tagen die schwungvollen Auftritte von Jamaram, Zwoastoa oder Oansno erlebt hatten, genießen dieses musikalische Kontrastprogramm. Für die erste Zugabe ziehen die Brustmänner lässige Strandklamotten an und singen den Beach-Boys-Klassiker „Surfer Girl“. Rainhard Fendrichs „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ und ein von Tom Waits entliehenes Schlaflied beschließen einen weiteren denkwürdigen Abend des Flussfestivals.
Peter Herrmann