VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Auf dem Grundstück neben dem Landratsamt entsteht seit Montag in der Früh eine Flüchtlingsunterkunft. Die Leichtbauhallen bieten Platz für 128 Menschen. Die Stadt Bad Tölz ist „massiv verärgert“.
Bad Tölz – Auf dem sogenannten Kinogrundstück direkt neben dem Tölzer Landratsamt auf der Flinthöhe rückten am Montag Bagger an. Gebaut werden auf einem Teilbereich der 4300 Quadratmeter großen Fläche drei Leichtbauhallen samt Sanitärcontainer. Geht alles glatt, werden sie ab Mitte Juni Platz für 128 Menschen bieten.
Bad Tölz beherbergt fast ein Drittel aller Geflüchteten im Landkreis
Schon jetzt beherbergt die Stadt Bad Tölz fast ein Drittel aller Geflüchteten, die im Landkreis leben. Auf diese ungleiche Verteilung der Lasten hatte Bürgermeister Ingo Mehner zuletzt immer wieder hingewiesen. Dass nun erneut Bad Tölz Standort einer großen Unterkunft wird, stößt bei ihm daher auf wenig Verständnis. „Wir wurden heute nach Baubeginn vom Landratsamt informiert“, sagte Mehner am Montagmittag. Zwar habe Landrat Josef Niedermaier vor etwa zwei Wochen darauf hingewiesen, dass das Kinogrundstück wohl genutzt werden muss, ein genauer Termin für den Bau sei aber nicht genannt worden.
Niedermaier: „Mir tut das auch weh, aber ich muss das Problem lösen“
„Wir haben ihn damit überfahren“, räumt der Landrat unumwunden ein. „Und mir tut das auch weh. Aber ich muss das Problem lösen.“ Und da könne er die aus Tölzer Sicht durchaus berechtigten Einwände nicht mehr berücksichtigen. Pro Monat würden 100 weitere Flüchtlinge im Landkreis ankommen. Dazu wolle man die Turnhallen in Geretsried und Wolfratshausen leer bekommen, um sie wieder sportlich nutzen zu können. Bis zum Jahresende hoch gerechnet „heißt das, ich brauche neun weitere Unterkünfte in der Größe, wie sie jetzt in Bad Tölz entsteht“, sagt Niedermaier.
Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.
Von Greiling gemeldete Fläche liegt auch direkt am Stadtrand
Dabei üben viele Gemeinden immer noch vornehme Zurückhaltung, wenn es um die Meldung geeigneter Grundstücke geht. Was vorgeschlagen wurde, werde geprüft, sagt Niedermaier. Und das gilt eben auch für die Flugplatzfläche, die Greiling gemeldet hatte – ein Standort wiederum direkt am Stadtrand von Bad Tölz. Das habe ihn „wirklich geärgert“, hatte Mehner vor wenigen Wochen im Gespräch mit dem Tölzer Kurier gesagt. Und nicht anders ergeht es ihm jetzt mit Blick auf den Baubeginn auf der Flinthöhe. „Die Stadt hat bis heute weit mehr Flüchtlinge und Asylbewerber aufgenommen als alle anderen Gemeinden im Landkreis“, sagt Mehner. „Grund war nicht, dass wir die weltweiten Fluchtbewegungen gutgeheißen haben. Wir haben unseren Beitrag geleistet, obwohl uns die Belastungen voll bewusst sind.“
Aufforderung ans Landratsamt, Flüchtlinge nach festen Quoten zu verteilen
Eines der Probleme aus seiner Sicht: „Flüchtlinge und Asylbewerber werden bis auf Landkreisebene nach festen Quoten verteilt. Das Landratsamt handhabt dies innerhalb des Kreises leider anders“, sagt der Bürgermeister. Statt die Geflüchteten gerecht über die Städte und Gemeinden zu verteilen, würden die Gemeinden, die bislang schon die größte Last tragen mussten, einfach weiter belastet. „Dafür fehlt mir jedes Verständnis und verärgert mich massiv. Für alle Gemeinden bedeutet die Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern eine enorme finanzielle und auch soziale Belastung.“ Mehners Forderung an Niedermaier: „Was wir erwarten ist, dass das Landratsamt diese Belastungen gleichmäßig in der Region verteilt.“
Belegung weiterer Turnhallen unbedingt vermeiden
Ihm sei schon klar gewesen, dass der Baubeginn auf dem ehemaligen Kinogrundstück für Ärger sorgen wird, sagt Niedermaier. „Aber Ärger kann ich nicht mehr vermeiden.“ Der Zustrom der Geflüchteten reiße nicht ab, die Kapazitäten im Landkreis seien nahezu erschöpft, die Belegung weiterer Turnhallen wolle man unbedingt vermeiden. „Ich hoffe nicht, dass wir im Mai die Situation haben, dass hier ein Bus ankommt und ich sagen muss: Gut, dann räumen wir jetzt den Sitzungssaal.“
Neue Unterkunft bleibt mindestens ein Jahr lang stehen
Die neue Unterkunft soll vorerst für ein Jahr genutzt werden, „mit der Option, um ein weiteres Jahr zu verlängern“, erklärt der Landrat. In dieser Woche wird der Unterboden vorbereitet, ab Montag werden dann zwei Hallen zur Unterbringung und eine für Catering, Aufenthalt und Sozialräume sowie zusätzliche Sanitärcontainer aufgestellt. Ausgestattet werden sie mit Stockbetten, Trennwänden, Sitzmöglichkeiten und WLan. Ob in den Hallen Geflüchtete aus der Ukraine oder Asylbewerber aus aller Welt unterkommen, hängt laut Landratsamt von den Zuweisungen durch die Regierung von Oberbayern ab.
Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um finden Sie auf bei Merkur.de/Bad Tölz.

