VonPatrick Staarschließen
Das unerträglich laute Pfeifen an der Bahnstrecke in Bichl hat ein Ende: In der Sitzung am Dienstagabend beschlossen die Gemeinderäte mit der hauchdünnen Mehrheit von acht zu sieben Stimmen, den Bahnübergang am Bühel sofort komplett zu sperren.
Bichl – Zudem sprach sich das Gremium einstimmig dafür aus, so schnell wie möglich einen Übergang für Radfahrer und Fußgänger einzurichten. Zudem will die Gemeinde am Bühel auf eigene Kosten eine Bahnschranke installieren – auch wenn der Bau wohl zehn oder 15 Jahre dauern und eine Million Euro kosten wird.
Die Deutsche Bahn hat aus Sicherheitsgründen die Strecke der Kochelseebahn ins Visier genommen. Anlass sind die Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen in Ried und in Bichl. Wie berichtet, starben im Juli zwei Menschen, als ein Quad die Gleise bei Ried überquerte. Im September übersah ein radelnder Schüler am Bühel in Bichl einen Zug. Wie durch ein Wunder blieb er bei diesem Unfall unverletzt.
Aus Sicherheitsgründen hat die Bahn deshalb veranlasst, dass jeder Zug vor dem Passieren am Bühel einen Signalpfiff abgeben muss. Schon vor Jahren war die Gemeinde mit diesem Thema konfrontiert. Seither ist der Übergang für den allgemeinen Verkehr gesperrt, nur noch landwirtschaftliche Fahrzeuge sowie Radfahrer und Fußgänger durften seither die Gleise überqueren.
Stundenlang habe er mit Vertretern der Deutschen Bahn schon über dieses Thema diskutiert, berichtete Bürgermeister Benedikt Pössenbacher in der Sitzung. Das eindeutige Ergebnis: Die Bahn ist nur dann bereit, auf Signalpfiffe zu verzichten, wenn die Gemeinde den Bahnübergang schließt. Als Kompromiss sei denkbar, dass die Gemeinde mit unverrückbaren Absperrbaken eine Art Labyrinth baut, das Fußgänger und Radfahrer passieren dürfen. „Es würde allerdings ein paar Monate dauern, bis das genehmigt ist“, sagte Pössenbacher.
„Das ganze Dorf hört das Hupen“, sagte Michael Knestel. „Das ist ein untragbarer Zustand. Wenn das so weitergeht, laufen die Anwohner Amok.“ Zugleich müsse der Bahnübergang allein schon wegen der Kinder unbedingt erhalten bleiben. 15 Jahre lang auf die Genehmigung einer Bahnschranke zu warten, sei allerdings völlig unrealistisch.
Helmut Oppel ergänzte, er habe mit dem Messgerät der Maschkera die Lautstärke des Schalls am Bahnübergang gemessen. Das Ergebnis: Die Glocken der benachbarten Kirche bringen es auf 65 Dezibel, einfahrende Züge auf 74 Dezibel und ausfahrende sogar auf 87 Dezibel. „Das ist schon laut“, sagte Oppel. Auf der anderen Seite sei er erst kürzlich bei Nebel mit seinem Hund an der Bahnstrecke unterwegs gewesen. „Und da war ich heilfroh, dass der Zug gehupt hat. Was die Bahn da macht, ist nicht so unsinnig.“ Dies sieht auch Thomas Schäfer so: „Ein unbeschrankter Bahnübergang ist ein brutales Risiko. Wenn da was passiert, stehen wir nicht gut da.“
Lesen Sie auch: Bichler Ochsenritt: Auftritt der 800-Kilo-Kolosse
Helmut Kolbeck würde die sofortige Schließung des Bahnübergangs als unsinnig empfinden. Er wohne selbst an der Bahnstrecke, „und die ein oder zwei Monate bis der Radweg genehmigt ist, kann man das schon noch aushalten.“ Dies sieht auch Kilian Streidl so: „Jetzt kommt der Winter, und da hat man eh die Fenster geschlossen.“
Letztlich entschied die knappe Mehrheit aber, den Bahnübergang sofort zu schließen. Die Straße soll nun so schnell wie möglich in einen Rad- und Fußweg umgewidmet werden. Pössenbacher rechnet damit, dass auf die Gemeinde Kosten in Höhe von 10 000 Euro zukommen.
Lesen Sie auch: Arved Fuchs lädt zu Reise von Bad Tölz in die Polarlandschaften ein
Hubert Waldherr forderte zudem, sofort den Bau einer Schranke anzugehen. Pössenbacher entgegnete, der Bau werde eine Million Euro kosten. Normalerweise würde jeweils ein Drittel der Kosten auf den Staat, die Bahn und die Gemeinde entfallen. Da es in der unmittelbaren Nähe aber schon zwei Übergänge gebe, müsste die Gemeinde die Kosten komplett selbst tragen. Zudem müsse man damit rechnen, dass der Bau zehn bis 15 Jahre dauere. Sofort eine Million Euro für eine Schranke zu zahlen, sei unmöglich, sagte Michael Eberl. Er empfahl, eine Rücklage zu bilden. Auch Kilian Streidl sprach sich dafür aus, dass die Gemeinde dieses Projekt selbst in die Hand nimmt: „Sonst kommt zu Beispiel bei einer Beerdigung keiner mehr aus seinem Viertel raus.“ Auch Waldherr befand: „In diesen sauren Apfel müssen wir beißen.“
