Lärm und Müll in der Maxvorstadt

Party-Alarm an der Uni in München: „Hier geht‘s zu wie am Ballermann“

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Müde und wütend: Anwohner aus dem Uni-Viertel klagen über die Straßen-Partys.
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Seit einem Jahr leiden Anwohner unter Partylärm. Die Bürgerinitiative verlangt Konsequenzen. Die Stadt prüft bereits Bußgelder und weitere Maßnahmen.

München – Feierlärm bis 5 Uhr früh, Scherben, Müll, Erbrochenes. Seit einem Jahr herrscht Party-Alarm im Univiertel in der Maxvorstadt. Jetzt gehen die Anwohner auf die Straße!

Ihre Forderung an die Stadt ist klar: Tut endlich etwas gegen den Ballermann rund um Amalien- und Schellingstraße! Jeder von ihnen hat schlechte Erfahrungen gemacht – die sie hier erzählen.

So schaut‘s abends aus: Feiernde am 7. Juli 2025 in der Schellingstraße.

Party-Alarm an der Uni in München: „Hier geht‘s zu wie am Ballermann“

Das Hauptproblem laut Anwohner und CSU-Stadtrat Tom Schmid sind die Spätis, die bis zum Morgen Alkohol zum Mitnehmen verkaufen dürfen – während Gaststätten längst ihre Terrassen und Schanigärten schließen mussten. Schmid: „Schanigärten müssen vor Mitternacht zu sein. Doch die Leute holen sich beim Späti was zu trinken, setzen sich dorthin und spielen laut Musik über ihre Boxen ab – bis tief in die Nacht. Und drum herum kann keiner schlafen.“

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Abends gehe es hier zu wie am Ballermann: „Sie kommen teilweise aus Bad Tölz oder aus Fürstenfeldbruck hierher“, sagt Schmid. Anwohnerin Hermine Albrecht: „Die Autoposer haben die Schellingstraße jetzt auch für sich entdeckt. Alle wissen: Hier kann man die Sau rauslassen.“

Anwohner und Stadtrat Tom Schmid.

Die Anwohner haben schon eine Bürgerinitiative gegründet. Am Freitag gaben sie im Rathaus 400 Unterschriften gegen die Uni-Partymeile ab – und fordern von der Stadt endlich Konsequenzen. Schmid: „Wir wünschen uns, dass Junge Platz zum Feiern und die Älteren ihre Nachtruhe haben – dass also um 1 Uhr Schluss ist. Die Verwaltung muss hier mit Begehungen dagegenhalten. Vor allem der Ausschank von Alkohol to go muss um spätestens 23 Uhr enden.“

Kreisverwaltungsreferat München verteilt Bußgelder

Überall Müll: eine Haltestelle am Morgen nach der Party.

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) München ist laut Sprecherin bereits an diesem Thema in der Maxvorstadt dran: „Ja, es gibt im Vergleich zum Vorjahr mehr Beschwerden zum Thema Lärm im Univiertel, verursacht durch Gaststätten und sogenannte Spätis. Dies deckt sich mit den Beobachtungen der Bezirksinspektion Mitte.“ Das KVR führe Kontrollen durch – es seien „bereits entsprechende Bußgeldverfahren eingeleitet“ worden.

Auch die Polizei sei vor Ort. Sie „kontrolliert ebenfalls und erstattet Anzeigen“, berichtet die Sprecherin. Zusätzlich versuche das Allparteiliche Konfliktmanagement (AKiM) und die Moderation der Nacht (MoNa) „kommunikativ auf die Gäste einzuwirken“. Das Re­sü­mee der Sprecherin: „Das KVR evaluiert, ob das bisherige Paket aus Bußgeldern und Kommunikationsmaßnahmen Wirkung zeigt und ergreift gegebenenfalls weitere Maßnahmen.“

„Lärmende Müllhalde“: Das sagen die Anwohner über das Leben im Univiertel

Marie-Jeannette Honrath.

Ich war diesen Sommer schon zweimal mit meinem Hund in der Tierklinik, weil er Scherben in der Pfote hatte.

Marie-Jeannette Honrath (56), Produzentin
Claudia Haller

Früher herrschte hier ein respektvoller, charmanter Umgang miteinander. Jetzt ist das Viertel zur rücksichtslosen, lauten Partymeile mutiert.

Claudia Haller (73), Rentnerin
Hermine Albrecht

Ich kann mein Wohnzimmer zur Straße hin nicht nutzen, weil es so laut ist. Ich kann dort nicht einmal telefonieren.

Hermine Albrecht (65), Journalistin
Michaela Staude

Das Museums- und Kunstviertel war ein internationales Aushängeschild der Stadt – verkommt jetzt aber zur lärmenden Müllhalde.

Michaela Staude (67), Politologin
Heidrun Wölke

Ich kann ab 17 Uhr nicht mehr auf dem Gehweg laufen, weil alles voll ist mit Leuten.

Heidrun Wölke (74), Architektin
Alexandra Korndörfer

Einmal rief mir jemand zu: ,Zieh doch weg, wenn‘s dir hier nicht gefällt.‘ Ich lebe seit 28 Jahren hier.

Alexandra Korndörfer (58), Designerin
Iris HIldebrand

Überall liegen Essensreste und Erbrochenes. Man steht buchstäblich im Dreck.

Iris Hildebrand (54), Medizinische Fachangestellte
Mariya Pachevska

Mir hat man schon zweimal auf die Windschutzscheibe gespuckt. Neulich war sie auch voll mit weißer Soße.

Mariya Pachevska (53), Lehrerin
Heidrun Vogel

Neulich schlief meine Tochter (18) in der Küche auf dem Boden. Sie hatte in ihrem Zimmer nicht schlafen können – es war zu laut.

Heidrun Vogel (56), Bibliothekarin
Robert Jungwirth

Ich bringe meinen Enkel (5) jeden Tag zum Kindergarten. Er fragt immer: ,Opa, warum schmeißen alle ihren Müll auf die Straße?‘

Robert Jungwirth (63), Bankkaufmann

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