Barrierefreiheit im Alltag wird oft diskutiert. Weit weniger bekannt dagegen ist barrierefreies Internet, das uneingeschränkten Online-Zugang gewährt. Im Landkreis gibt es noch viele Hürden.
Landkreis – Barrierefreiheit im Alltag wird oft diskutiert. Weit weniger bekannt dagegen ist barrierefreies Internet, das Menschen mit Behinderung uneingeschränkten Online-Zugang gewährt. Im Landkreis gibt es noch viele Hürden – doch einige Kommunen arbeiten daran, sie abzubauen.
Es ist eine einfache Funktion, die es Sehbehinderten und Blinden ermöglicht, im WorldWideWeb unterwegs zu sein: ein kleines Feld mit der Aufschrift „Vorlesen“. Klickt man das an, wird der Text auf der Internetseite vorgelesen. Auch wenn man nach unten scrollt, folgt das Feld. Eine weitere Hilfe, um Hürden abzubauen, ist eine Übersetzungsfunktion in andere Sprachen. Den Infotext kann dann auch jemand lesen, der kein oder nur wenig Deutsch spricht. Auf der Seite der Gemeinde Hallbergmoos kann man sich den Text zum Beispiel auf Englisch übersetzen lassen.
Eine klare Meinung zu den Hürden im Netz hat Renate Thanner. Die Volksmusikerin, die zu den „Geschwistern Laschinger“ gehört, ist blind und hat selbst Erfahrungen damit gemacht. „Nur wenige Internetseiten sind wirklich barrierefrei“, sagt Thanner im FT-Gespräch. Meistens sei es sehr umständlich und zeitraubend, bis man zu der Passage komme, die man braucht. „Für Rentner, die viel Zeit haben, ist so etwas ideal“, räumt Thanner ein. „Aber beruflich kann man damit nicht arbeiten.“ Das liege unter anderem daran, dass auf einigen Seiten sehr viel grafisch dargestellt sei, und Bildinhalte nicht übersetzt werden könnten.
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„Die Barrierefreiheit hält nicht, was sie verspricht“, sagt Thanner. „Für 50 Prozent der Betroffenen rentiert es sich nicht so sehr – wobei das Problem bei der Handhabu
ng der Funktionen liegt.“ Noch eine Schwierigkeit: Wenn solche Programme überarbeitet werden, stimme beispielsweise die gewohnte Tastenkombination nicht mehr. Man müsse sich komplett neu zurechtfinden. Das ist ärgerlich für die 61-Jährige, die zum Nachschlagen oft Wikipedia benutzt und generell viele Arbeiten am Computer erledigt. Thanners Fazit: Programme wie die Vorlesefunktion seien gut, aber „noch ausbaufähig“.
Die Homepage-Inhalte des Freisinger Landratsamts kann man sich noch nicht vorlesen lassen. Das soll allerdings geändert werden: Einen festen Einführungstermin gebe es noch nicht. „Aber die Funktion wird es auf jeden Fall geben“, erklärt Pressesprecher Robert Stangl. „Ich denke, dass sie vielen Menschen die Orientierung auf der Seite erleichtern wird.“ Was die Internetseite allerdings schon bereithält, ist die Übersetzungsfunktion: Ein einfacher Klick auf die kleinen Flaggen am Kopf der Seite genügt, um sich die Informationen der Kreisbehörde auf Englisch, Französisch, Spanisch und Türkisch durchlesen zu können.
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Wer sich online über die Gemeinde Eching informieren will, kann nicht auf die Vorlesefunktion zurückgreifen. „Unsere Seite wird bald neu gestaltet, auch technisch“, sagt Rathausmitarbeiter Georg Metz. „Natürlich ist dafür einiges in Planung. Aber was letztendlich umgesetzt wird, zeigt sich erst später.“ Ändern kann man schon jetzt die Schriftgröße: Es gibt drei verschiedene Abstufungen, die einem das Lesen erleichtern.
Dasselbe gilt für den Internetauftritt der Stadt Moosburg. Vorlesen oder übersetzen lassen kann man sich hier allerdings nichts. „Wir haben uns darüber informiert, aber es besteht momentan kein Handlungsbedarf“, sagt Manfred Zeiler von der EDV-Systembetreuung. „Aktuell gibt es noch keine Anfragen oder Infos, dass so eine Funktion gewünscht ist.“
Sophia Völkel
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