Massiver Rückgang bei Eigenheimbau im Landkreis Dachau

Schlechte Chancen auf eigene vier Wände

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Wer im Landkreis Dachau vom Eigenheim träumt, braucht vor allem eins: Viel Geld und Geduld (Symbolbild).

Pestel-Institut stellt massiven Rückgang bei Eigenheimbau im Landkreis Dachau fest.

Dachau – Im Landkreis Dachau gibt es rund 36 200 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss, da ihre Eigentümer sie selbst nutzen. Die Wohneigentumsquote im Kreis Dachau liegt damit bei rund 51,1 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Regional-Analyse zum Wohnungsmarkt hervor, die das Pestel-Institut aus Hannover gemacht hat.

Was zunächst gut klingt, hat aber einen Haken. Wie die Forscher nämlich weiter herausfanden, gab es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im gesamten Landkreis lediglich 127 Baugenehmigungen für neue Ein- und Zweifamilienhäuser. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2022 waren es noch 145 Baugenehmigungen. Die Prognose, die Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, stellt, fällt daher düster aus: „Der Eigenheimbau innerhalb von nur einem Jahr um zwölf Prozent zurückgegangen. Das Wohneigentum ist weiter auf der Rutschbahn.“

Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der die Wohnungsmarkt-Untersuchung beim Pestel-Institut in Auftrag gegeben hatte, erklärt angesichts der sinkenden Bau-Zahlen: „Der Traum vom eigenen Haus, von der eigenen Wohnung – er platzt gerade in Serie. Wenn es um das Anschaffen von Wohneigentum geht, ist der Kreis Dachau quasi in eine Schockstarre verfallen.“ Nur wenige Menschen könnten sich die eigenen vier Wände heute noch leisten. „Hohe Zinsen, hohe Baulandpreise, hohe Baukosten, die vor allem durch hohe Klimaschutz-Auflagen getrieben werden: Wohneigentum scheitert am Geld“, so Metzger.

Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut sprechen sich in ihrer Untersuchung deshalb für ein effektives staatliches Wohneigentumsprogramm aus. Entscheidender Punkt dabei sollte sein: günstiges Geld. „Der Staat sollte den Menschen den festen Niedrigzins für 20 Jahre bieten – und das für einen Kredit in Höhe von bis zu 4000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche“, fordert Wohnungsmarktforscher Günther. Dadurch ließe sich der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern, von Eigentumswohnungen und Reihenhäusern auch in Dachau „wieder pushen“.

Was laut der BDB-Präsidentin die Baupreise besonders nach oben treibe, seien die Energiespar-Vorschriften. Metzger zufolge müsse, wer heute für sein Wohneigentum die Förderung des Bunds nutzen wolle, nach dem „extrem ehrgeizigen Effizienz-Standard 40“ bauen. „Das ist aber auch extrem teuer. Also macht es kaum einer. Der Staat muss endlich davon wegkommen, nur Super-Klimaschutzhäuser zu fördern.“ Am Ende passe die Kosten-Nutzen-Relation nicht: „Das Geld, das zusätzlich beim Neubau in den Klimaschutz gesteckt werden muss, holt auf Jahre hinweg keiner beim Energiesparen mehr heraus“, glaubt die BDB-Präsidentin.

Die jüngsten Ergebnisse des Pestel-Instituts passen zu den Zahlen, die zuletzt das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut zu den Wohnimmobilienpreisen im Landkreis Dachau veröffentlicht hatte (wir berichteten). Die Hamburger Forscher hatten herausgefunden, dass man im Jahr 2022 im Landkreis Dachau 40,3 Jahresnettokaltmieten investieren musste, um eine Wohnung zu kaufen. Mit anderen Worten: Käufer mussten über 40 Jahre warten, bis sich ihr Wohnungskauf durch Mieten finanziert hat. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt lag nur bei 29 Jahreskaltmieten. Anfällige Reparaturen oder Wertverluste sind in dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt.

Beide Institute, das Hannoveraner Pestel- und das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut kamen daher zum selben Schluss: Zum Wohnen ist der Landkreis Dachau ein richtig teures Pflaster.  dn

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