VonLaura Forsterschließen
Die Zinsen steigen, die Baukosten sowieso: Welche Auswirkungen hat die Bau-Krise im Landkreis München? Wir haben nachgefragt.
Landkreis – Immobilieninvestoren, die lieber abwarten, Familien, die sich den Traum vom Eigenheim schlicht nicht mehr erfüllen können – das ist derzeit deutschlandweit Realität. Seit Baukosten und Zinsen steigen, steckt die Branche in einer Krise. Auch im Landkreis München hinterlässt sie ihre Spuren – doch nicht überall.
„Wir merken, wie angespannt die Lage ist“, sagt Franz Ferdiand Hanika, Geschäftsführer von Hanikabau. Das Unternehmen aus Haar ist seit 1967 als Bauträger, Bauunternehmer und Projektentwickler aktiv. „Der Käufermarkt stagniert. Bei uns in der Gegend ist der Kaufpreis sowieso hoch, nun mit dem höheren Zins wurde eine breite Käuferschicht weggespült“, erklärt Hanika. Mieten sei zurzeit günstiger. Die Aufträge zum Bauen seien zwar nach wie vor da, das mache jedoch nur ein Viertel der Aufträge des Unternehmens aus. Beim größten Geschäftszweig, dem Bauträgersegment, seien die Anfragen um 80 Prozent gesunken.
Baustopp bei der Baugesellschaft München-Land
Während sich Hanikabau privaten und gewerblichen Projekten widmet, schafft die Baugesellschaft München-Land (BML) kommunale Wohnungen. Doch auch sie bemerkt die Krise. Die Aufgabe der BML besteht darin, sozialen Wohnraum zu schaffen für Menschen, die am freien Wohnungsmarkt angesichts der hohen Mieten oft leer ausgehen, heißt es auf der Webseite. Insgesamt betreut die BML rund 4000 Wohnungen, 2600 gehören der Gesellschaft, der Rest den Kommunen im Landkreis. Die Miete der Wohnungen darf nicht mehr als zwölf Euro pro Quadratmeter betragen. „Wir sind ein Gemeinwohl-Unternehmen“, erklärt Geschäftsführer Karl Scheinhardt. „Mit diesem Mietpreis sind wir vier Euro unter dem Marktpreis. Das können wir auch halten, aber es ist eine enorme Herausforderung.“
Die gestiegenen Zinsen bereiten Scheinhardt daher Sorgen. „Wenn wir jetzt neu bauen würden, wäre eine Vermietung zu solch einem günstigen Preis nicht möglich.“ Deshalb sind für die (nahe) Zukunft erst einmal keine neuen Projekte geplant. „Gerade hatten wir einen Spatenstich in Ottobrunn für 16 Wohnungen, da haben wir vor über einem Jahr noch einen günstigen Kredit bekommen.“ Scheinhardt wünscht sich, dass es für kommunale Baugesellschaften Förderprogramme für den Bau von bezahlbaren Wohnungen gibt. „Für Kommunen gibt es da schon einen Zuschuss von 30 Prozent.“
Handwerker: „Wieder alles stabil“
Durch die schwierige Lage der Baubranche brechen auch einigen Handwerkern die Aufträge weg. Ein Drittel der Handwerksbetriebe im Freistaat meldeten weniger Nachfrage als im Vorjahr, berichtete Bayerns Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl aus Garching jüngst. Doch nicht alle Firmen sind betroffen. Die beiden Maler-Unternehmen Zenglein und Lindermeier aus Unterhaching können nicht klagen. „Wir haben nicht weniger Aufträge. Ich bekomme meine elf Leute sicher durch den Winter“, sagt Geschäftsführer Christian Zenglein. Seine Firma ist allerdings auch weniger in Neubauten tätig, sondern kümmert sich mehr um Altbausanierungen. Alexander Lindermeiers Betrieb hatte im März und April einen kleinen Auftragseinbruch. „Jetzt ist aber wieder alles stabil.“
Auch Maklerin Corina Jebens, Inhaberin von Corina Jebens & Rosemarie Baur Immobilien aus Grünwald, hat eine Veränderung der Situation bemerkt. „Der Mietmarkt hat zu Lasten des Kaufmarkts deutlich angezogen.“ Die Vermarktungszeit von Kaufobjekten habe sich dadurch etwas verlängert, aber auch weil derzeit mehr auf dem Markt angeboten wird. „Viele unserer Kaufkunden haben zum Glück kein Problem mit der aktuellen Zinssituation, da sie nicht finanzieren müssen“, sagt Jebens.
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