Nur das Beste für den Hintern, für die Augen, für den Gaumen

Neue Gastronomie ab Sonntag eröffnet: Alles echt auf der Zugspitze

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Positive Energie will Ameli Neureuther (2. v. l.) mit ihrem Kunstwerk vermitteln. Auch ihr Sohn und Vater finden sich darauf wieder (auf dem Gemälde links). Das Werk ist Teil der neuen Zugspitz-Gastronomie, die (v. l.) Franz Grasegger, Steffen Korff, Udo Wolfrum und Klaus Schanda vorstellen.
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Die neue Zugspitz-Gastronomie ist fertig. Am Freitag wurde sie geladenen Gästen vorgestellt, ab Sonntag ist sie eröffnet. Sechs Millionen Euro hat die Bayerische Zugspitzbahn dafür investiert. Das Ergebnis – etwas Besonderes.

Garmisch-Partenkirchen – Die Hintern von Steffen Korff und Franz Grasegger hatten in den vergangenen

Einen außergewöhnlichen Ausblick bietet das Panorama 2962 Seeblick mit den bodentiefen Fenstern.

Wochen und Monaten einiges zu tun. Sitz für Sitz, Bank für Bank, Stuhl für Stuhl haben sie Probe gesessen. Denn: Was bringt der beste Schweinsbraten, wenn man nach zehn Minuten aufstehen muss, weil das Kreuz zwickt? Im Restaurant Seeblick entschieden sie sich für skandinavische Designerstühle. Bequem, schick. Und die wohl weltweit einzigen, die mit bayerischem Loden aus Wolle des Gebirgsschafs überzogen sind. Dafür schickte Grasegger extra den Stoff an das Unternehmen nach Dänemark.

Die Stühle – sie symbolisieren die Arbeit und Leidenschaft, die Mitarbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) wie Wirtschaftsdirektor Korff oder externe Berater wie Grasegger in das Großprojekt neue Gastronomie Zugspitze gesteckt haben. Wie berichtet, investiert das Unternehmen sechs Millionen Euro (siehe unten), um nach der neuen Seilbahn den Gästen ein perfektes Gesamtpaket zu bieten. Denn bislang luden die Räume eher weniger zum Bleiben und Genießen ein. Davon ist nichts geblieben. Am Freitag stellte die BZB das Restaurant „Panorama 2962“ und seine Bereiche Presse und geladenen Gästen vor. Ab Sonntag steht es jedem Gast offen.

„Oase der Ruhe im Spektakel“

Eine „Oase der Ruhe im Spektakel“ wollten die Verantwortlichen kreieren. Dafür engagierten sie nicht nur Architekten und Handwerker, sondern auch Einheimische wie Grasegger.

Nein, Innenarchitekt sei er nicht, antwortet er auf die Frage eines Journalisten. Sondern Diplombetriebswirt. „Einer mit Geschmack“, ergänzt Marketing-Leiter Klaus Schanda. Er hatte Grasegger gefragt, ob er den Innenausbau mit gestalten wolle. Das Konzept, nach dem der Geschäftsführer das heimische Modehaus Grasegger umgebaut hatte, hatte ihn überzeugt. So wie dem 32-Jährigen der Grundsatz der BZB gefiel: Qualität. In einem Viererteam – dazu gehörte neben Korff auch Architekt Sebastian Kroesen und Kim Hörath, Absolventin der Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen, gaben sie den Räumen ihre Handschrift.

Jeder Bereich mit eigenem Ambiente

Jeder Bereich im Restaurant „Panorama 2962“ weist sein eigenes Ambiente auf. Ob im Seeblick mit den bodentiefen Fenstern, im Gipfelblick, der durch flexible Elemente von einem Veranstaltungssaal in einen Restaurantbereich verwandelt wird, die gemütliche Gipfelstube oder die Kaffeebar. Die BZB verbindet Counter- und Servicebereich, Tradition und Moderne. Und es gilt: „Alles ist echt“, sagt Grasegger. Das bedeutet: Was sich wie Loden anfühlt, ist kein Polyester – sondern Loden aus der letzten Lodenweberei Bayerns. Was wie Eiche aussieht, ist keine Laminatplatte, sondern massives, unbehandeltes Eichenholz.

Hinzu kommt Individualität. Marketing-Leiter Schanda wollte nicht „das hundertste Schwarz-Weiß-Bild im Holzrahmen an der Wand“ sehen. Er wünschte sich etwas Besonderes. Und nutzte dafür „die Kreativität, die wir ja vor Ort haben“. Mit Ameli Neureuther. Für die Kaffeebar gestaltete die Illustratorin und Modedesignerin ein Gemälde. Einen Blickfang. Ein Werk, in dem auch Persönliches steckt.

Neureuther verbindet schöne Erinnerungen mit Zugspitze

Viele schöne Erinnerungen verbindet sie mit der Zugspitze. An ihrem Fuß ist die 37-Jährige, die mittlerweile wieder in Garmisch-Partenkirchen lebt, aufgewachsen. Mit Bruder Felix, ihren Eltern Christian Neureuther und Rosi Mittermaier, auch mit Freunden verbrachte sie dort viele Tage im Schnee. „Und es war immer jede Menge Spaß.“ Verbunden mit dem Gefühl von Freiheit an einem Berg, der so viele Möglichkeiten für jedes Alter bietet. All das spiegelt sich im Gemälde wider.

An ihre Familie erinnert ein Porträt – Menschen und das Leben in den Gesichtern sind Neureuthers liebste Darstellungsform – von ihrem Vater und ihrem Sohn Oskar. Der Adler symbolisiert die Freiheit. Freeskier und Skifahrer stehen für Sport und Action, andere Besucher nutzen die Zeit zum Sonnen und Genießen. App-Art nennt Neureuther die Kunstform, bei der sie die Bilder digital auf dem Tablet zeichnet.

Als „große Ehre“ bezeichnet sie die Möglichkeit, den für sie besonderen Ort mit zu gestalten. „Positive Energie“ wollte sie vermitteln und einen „Farbklecks reinbringen“. Beides ist ihr gelungen. Wie im Übrigen auch die Auswahl der Stühle und Bänke. Es sitzt sich gut.

Zahlen und Eigenarten

Investitionssumme: Sechs Millionen Euro (mit Sanierung Sanitäranlagen und Treppenhäuser). 

Sitzplätze innen (Panorama 2962 mit Seeblick, Gipfelblick, Gipfelstube, Kaffeebar, Foyer, Pizzabereich): 450 auf 1300 Quadratmetern. Plätze außen: 850 auf 1650 Quadratmetern. Kapazitätsgrenze: 6000 Gäste/ Tag. 

Küche: Spezialitäten und Produkte aus Italien, Österreich, der Schweiz, Deutschland. Bio- und GQB-(geprüfte Qualität Bayern) zertifizierte Produkte. 

Besonderheiten: Das Wasser kocht auf fast 3000 Metern Höhe bei 84 Grad – im Tal liegt der Siedepunkt bei 100 Grad. Nudeln sind zudem später al dente, beispielweise erst nach zehn statt nach acht Minuten. Seine Frau, sagt Küchendirektor Udo Wolfrum, beschwere sich schon, dass seine Nudeln daheim immer zu weich geraten. Zudem: Brezen backt das Team regelmäßig frisch. Lässt es diese am Morgen aus dem Tal liefern, gibt es in der trockenen Luft „nach zwei Stunden Brezen-Knäckebrot“.

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