Im Dunklen vom Weg abgekommen

Schneeschuhgänger am Staffel verstiegen: Schwieriger Einsatz für die Bergwacht

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Die Schweizer Hubschrauberbesatzung bespricht sich mit den ortskundigen Lenggrieser Bergrettern, bevor es zur Rettung Richtung Staffel geht. Daneben wird der Schweizer Helikopter mit dem Tankanhänger der Tölzer Bergwacht betankt.
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Sie kamen weder vor noch zurück: Zwei Schneeschuhgänger aus München haben sich am Freitagabend am Staffel in der Jachenau in sehr steiles Gelände verstiegen. Die Rettung erforderte gleich zwei Hubschrauber, einer davon aus der Schweiz.

Jachenau/Lenggries –  Ursprünglich wollten die etwa 60 Jahre alte Frau und ihr 80-jähriger Begleiter über den Ostweg auf den Berg wandern und über die Westseite zurück ins Tal. Beim Abstieg im Dunklen und ohne Stirnlampen gerieten sie allerdings weit vom Weg ab, sagt Sylvia Frei, Sprecherin der Bergwacht Lenggries. „Gegen 18 Uhr taten sie dann genau das richtige und wählten den Notruf.“ 

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Die Lenggrieser Bergretter konnten via Telefon rasch den ungefähren Standort der Hilfesuchenden lokalisieren. „Die beiden Wanderer standen in der Südflanke des Staffels, welche immer wieder mit Felsabbrüchen und steilen Grashängen durchsetzt ist“, sagt Frei. Schnell sei dem Einsatzleiter klar geworden: Unterstützung aus der Luft muss her. Ein Fußmarsch durch das Gelände wäre für die Bergretter und die Verstiegenen zu gefährlich gewesen. Wegen der südlichen Lage und den milden Temperaturen der vergangenen Tage bestand die große Gefahr von Gleitschneelawinen. 

Keine nachtflugtaugliche Windenmaschine in ganz Deutschland

Auch ein nachtflugtauglicher Suchhelikopter der Polizei konnte den Mann und die Frau aber nicht aus ihrer misslichen Lage befreien. „Da durch das Equipment der Wärmebildkamera keine Winde an Bord ist, wurden lediglich die Koordinaten der Personen festgestellt und die Lage aus der Luft beurteilt“, erklärt Frei. Für die Rettung musste die Lenggrieser Bergwacht auf den Schweizer Rettungshubschrauber Rega7 warten. 

Fußballer unterbrechen Spiel

Während der Anflugzeit von über einer Stunde fuhren drei Mann der Tölzer Bergwacht mit einem Tankanhänger nach Lenggries. Sie sollten den Helikopter aus St. Gallen mit knapp 1000 Liter Kerosin betanken. Als Tank- und Landeplatz dient normalerweise der Lenggrieser Fußballplatz. „Durch die winterbedingt beengten Verhältnisse reichte der geschaffene Platz für den großen Helikopter mit 13 Metern Länge aber nicht aus“, sagt Frei. Der Hubschrauber musste auf die großen Parkplätze am Brauneck ausweichen. Frei entschuldigt sich in diesem Zusammenhang bei den Fußballern, die ihr Spiel umsonst unterbrochen haben. „Die Lenggrieser Bergwacht bedankt sich für die Unterstützung.“

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Gegen 20 Uhr landete schließlich der Helikopter aus der Schweiz am Brauneck und nahm einen der sechs diensthabenden Lenggrieser Bergretter an Bord. Dann das nächste Problem: Obwohl die Mannschaft die Standort-Koordinaten und Nachtsichtgeräte besaß, fanden sie die Verstiegenen nicht. Glücklicherweise erreichten die Bergretter den Mann und die Frau erneut über das Handy, so dass der Hubschrauber in die richtige Position gelotst werden konnte. Ein Retter wurde mit der Winde abgelassen und brachte die Verstiegenen nacheinander an Bord. 

Lediglich eine leichte Unterkühlung

„Die geretteten Personen hatten durch das lange Warten lediglich eine leichte Unterkühlung erlitten und konnten gegen 22 Uhr unverletzt nach Hause gehen“, sagt Frei. Nachdem die Einsatzkräfte aufgeräumt und ihr Material wiederhergestellt hatten, war der Einsatz gegen 23.30 Uhr für die Bergwacht Lenggries beendet. 

Seit dem Wegfall des Bundeswehr Hubschraubergeschwaders im Jahr 2017 in Penzing (Landkreis Landsberg am Lech) ist es nach Auskunft der Bergwacht immer wieder ein Problem, nachts einen geeigneten Hubschrauber für Rettungseinsätze zu finden. Am Freitagabend stand in ganz Deutschland keine nachtflugtaugliche Windenmaschine zur Verfügung.

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