Wolfratshausen - Bedürftige erhalten beim Amtsgericht ab sofort kostengünstige Rechtsberatung. Für sechs Euro strukturieren erfahrene Anwälte die Anliegen. Bei Bedarf empfehlen sie einen spezialisierten Rechtsanwalt.
Danni Lowinski hat ein Herz für Leute, die in Schwierigkeiten stecken. Mitten in einer Einkaufspassage hat die junge Rechtsanwältin in der Fernsehserie des Senders Sat 1 ihre Beratungsstelle eingerichtet. Für einen Euro pro Minute hilft sie Mandanten, die meist zwei Dinge gemeinsam haben: Ihre finanziellen Mittel sind arg überschaubar, ihre Probleme erscheinen unlösbar – bis sich Lowinski ihrer Sache annimmt.
So funktioniert das im Fernsehen. In der Realität stehen vor allem finanziell schlechter gestellte Menschen mit ihren Problemen oft alleine da. Das Wolfratshauser Amtsgericht will nun Abhilfe schaffen: Dort gibt es ab sofort eine „Rechtsberatung für Bürger mit geringem Einkommen“. Jeden Dienstag von 9 bis 12 Uhr nimmt sich ein Rechtsanwalt den Sorgen und Nöten von Bedürftigen an. Möglich macht das eine Kooperation des Amtsgerichts mit dem Münchner Anwaltsverein, der in der Landeshauptstadt bereits seit rund 50 Jahren Erfahrung mit solchen Beratungsstellen hat
.„Viele Menschen, die sich in einer sozialen Notlage befinden, trauen sich nicht, mit ihrem Problem zu einem Anwalt zu gehen. Wir wollen solche Schwellenängste abbauen“, erläutert Rechtsanwalt Michael Dudek, Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender des Anwaltsvereins. Damit sei auch den Menschen geholfen, die sich ihren Problemen stellen. Zusammen mit Amtsgerichtsdirektorin Dr. Elisabeth Kurzweil und Justizangestellter Heidi Kieltsch stellte er das Projekt in einem Pressegespräch vor.
Die Initiative zum Angebot, das es in der Region noch nicht gab, ist von Kurzweil ausgegangen. „Ich war sofort elektrisiert und fest davon überzeugt, dass es dafür in der Region einen Bedarf gibt“, so Kurzweil. „Viele Menschen suchen Rat bei unseren Servicekräften. Die können aber natürlich keine Rechtsberatung leisten.“ Dudek ergänzt, dass das Projekt „in Rekordzeit durch die Ministerien und Gremien gegangen“ sei.
Für die Beratung hat Kurzweil 20 Rechtsanwälte aus dem gesamten Landkreis gewonnen. Sie verlegen abwechselnd ihr Büro jeweils dienstags für drei Stunden in den zweiten Stock des Amtsgerichts. „Sie hören sich die Probleme an, versuchen sie zu strukturieren und geben Tipps, wie der Ratsuchende weiter vorgehen kann“, so Dudek. Außerdem würden sie einen Rechtsanwalt empfehlen, wenn das Problem zu einem echten Fall wird. „Wir wollen Recht möglichst preisgünstig machen.“ Um die Abwicklung vor Ort kümmert sich die Justizangestellte Kieltsch, die laut Kurzweil „für die drei Stunden vom Anwaltsverein bezahlt wird“. Wer den Dienst in Anspruch nehmen will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, beispielsweise durch Vorlage der letzten Gehaltsabrechnung, durch einen Rentenbescheid, Bescheide über den Bezug von Arbeitslosengeld oder einen Studentenausweis. Außerdem darf der Ratsuchende nicht schon einen anderen Anwalt mit seinem Fall betraut haben.
Zwei Unterschiede gibt es dann aber doch zur TV-Anwältin Danni Lowinski: Statt einem Euro pro Beratungsminute zahlen die Ratsuchenden am Amtsgericht einmalig sechs Euro. Zudem sind die Berater keine Berufsanfänger, sondern erfahrene Rechtsanwälte aus unterschiedlichsten Fachbereichen. Kurzweil: „Sie machen mit viel sozialem Engagement mit.“ (rs)