- VonWalter Kieflschließen
Die Sendlinger kämpfen weiter um ihren grünen Innenhof an der Lindenschmitstraße 25. Auch die Viertelpolitiker sind gegen die geplante Nachverdichtung.
Dass im idyllischen Hinterhof an der Lindenschmitstraße 25 in Sendling fünf mehr als 100 Jahre alte Bäume gefällt werden sollen, beschäftigt den Bezirksausschuss (BA) schon seit längerer Zeit. Eine Esche, zwei Winterlinden, ein Spitzahorn und ein Holunder mit Stammumfängen zwischen 89 und 207 Zentimetern sollen für drei sogenannte Townhäuser weichen – moderne mehrgeschossige Reihenhäuser mit kleinem Grundriss.
Viertelpolitiker sind gegen Luxusprojekt
Zusammen mit dem Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff (SPD) haben sich deshalb einige Sendlinger Bezirksausschussmitglieder vor Ort umgesehen. Übereinstimmende Meinung: Diese Art von Stadtentwicklung sei weder nachhaltig noch sozial noch zukunftsfähig. Es werde kein Wohnraum für Menschen mit mittlerem und geringen Einkommen geschaffen, sondern – auf Kosten von Natur und Nachbarschaft – hochpreisiger Wohnraum für wenige. „Sendling will und braucht keine Luxusprojekte, sondern eine faire, gerechte und klimagerechte Stadtentwicklung“ sagt Louisa Pehle (SPD) vom BA.
Als die Bäume bereits einmal gefällt werden sollten, weigerte sich das beauftragte Unternehmen zur Genugtuung der Gegner jedoch, die Arbeiten durchzuführen. Begründung: Die Beseitigung des ökologisch wertvollen Bestandes sei nicht zu verantworten. Ein weiterer vorläufiger Erfolg der Proteste war, dass die Stadt die bereits erteilte Sondergenehmigung zur Fällung vor dem 30. September widerrufen hat.
Bezirksausschuss erneuert Ablehnung
Der BA hat seinerseits seine Ablehnung des Bauvorhabens noch einmal erneuert. Demnach soll das Bauvorhaben von der Lokalbaukommission erneut einer fachlichen und rechtlichen Prüfung unterzogen werden, wobei der besondere Fokus auf seine Auswirkungen auf die erklärten Klimaziele der Landeshauptstadt München und das von ihr beschlossene „Schwammstadt-Prinzip“ zu legen sei.
Florentine Schiemenz (ÖDP), Baumschutzbeauftragte des BA, betonte, dass gerade in einem so dicht besiedelten Stadtteil wie Sendling jeder Baum und jede unversiegelte Fläche benötigt werde, um dort auch künftig ein gutes Leben zu ermöglichen. Einigkeit der BA-Mitglieder bestanden darauf, die Untere Denkmalschutzbehörde einzubeziehen, da die Realisierung der Baupläne auch einen massiven Eingriff in ein denkmalgeschütztes Anwesen bedeuten würden.
Mieter-Initiative will Pläne stoppen
Die Initiative LIN25, ein Zusammenschluss der Mietergemeinschaft des Hauses in der Lindenschmitstraße 25, hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Stadt die Baugnehmigung zurückzieht. Laut LIN25-Sprecher Thomas Hinz seien unter anderem die Einschätzungen zum Brandschutz und zum Denkmalschutz des Vorgebäudes fraglich.
BA-Chef Markus Lutz (SPD) betont, dass das Gremium das Bauvorhaben in allen Vorphasen und bis heute immer abgelehnt habe – auch weil das Vorhaben in keiner Weise zur Linderung der Wohnungsnot beitragen würde. Er sagte zu, bei der Feuerwehr anzufragen, um die brandschutzrechtliche Bewertung zu klären.
Architekt spricht von Ungereimtheiten
Karl Ströhl, Architekt und Mitinitiator von LIN25, verwies auf viele Ungereimtheiten in den der Initiative vorliegenden Bauplänen, wobei er andeutete, dass die Baugenehmigung mit der Fällungsgenehmigung möglicherweise rechtswidrig zustande gekommen sein könnte und daher eingehend untersucht werden müsse. Eine von der Initiative vor zwei Wochen gestartete Petition an Oberbürgermeister Reiter (SPD) gegen die Baugenehmigung wird inzwischen von mehr als 7000 Personen unterstützt.