VonChristiane Mühlbauerschließen
Reges Interesse herrschte am Donnerstag bei der Benediktbeurer Bürgerversammlung. Erstmals legte der neue Rathauschef Toni Ortlieb einen Rechenschaftsbericht vor.
Benediktbeuern – Gut 100 Benediktbeurer sowie die Gemeinderäte waren zu der Veranstaltung in den Saal des Gasthofs Post gekommen. Bürgermeister Toni Ortlieb (Benediktbeurer Bürgervereinigung), seit Juli im Amt, bat eingangs um eine Gedenkminute für seinen Vorgänger Hans Kiefersauer und für alle anderen verstorbenen Mitbürger.
Sorgfältig strukturiert und mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation übersichtlich dargestellt, legte Ortlieb dann einen Rechenschaftsbericht vor, der das gesamte ablaufende Jahr umfasste. Die Verwaltung habe in der schwierigen Zeit des Übergangs heuer „hervorragend gearbeitet“, lobte der 46-Jährige alle Mitarbeiter, derzeit 30 im Rathaus und 21 in der Verwaltungsgemeinschaft. Dafür gab es Applaus.
Als besondere Gäste waren Ralf Niepel von der Telekom und Andreas Scharli von der Energiewende Oberland anwesend, die jeweils kurz sprachen und sich anschließend in kleiner Runde den individuellen Fragen der Bürger stellten. Landrat Josef Niedermaier (FW) ließ sich wegen eines anderen Termins entschuldigen.
Die Wohnraum-Entwicklung nahm in Ortliebs Bericht einen größeren Raum ein. Bei einer Info-Veranstaltung der Gemeinde zum neuen Einheimischenmodell am Feuerwehrhaus waren vor wenigen Tagen 95 Interessierte erschienen. Ende März seien erste Ergebnisse über die Zuteilungen zu erwarten, sagte der Bürgermeister. Er geht davon aus, dass durch das neue Baugebiet die Bevölkerungszahl leicht ansteigen werde. Ansonsten hätten sich Zu- und Wegzüge in den vergangenen Jahren die Waage gehalten, und heuer habe es etwas mehr Sterbefälle als Geburten gegeben.
Umfrage unter jungen Familien geplant
Apropos Kinder: Die Gemeinde wird im kommenden Jahr eine Befragung durchführen, wie hoch der Bedarf an Kindergarten- beziehungsweise Krippenplätzen ist. 88 Kinder sind derzeit im Gemeindekindergarten und 53 in der Don-Bosco-Einrichtung untergebracht. Zudem besuchen einige Benediktbeurer Zwergerl den neuen Waldkindergarten in Mürnsee.
Das Verbot von Zweitwohnsitzen sei fürs Klosterdorf derzeit kein Thema, so Ortlieb weiter. „Eine massive touristische Nutzung ist noch nicht erkennbar.“ Die meisten der 241 Zweitwohnsitze seien von Studenten.
Die Kläranlage läuft laut Ortlieb planmäßig. 2019 habe die Gemeinde im gesamten Kanalnetz eine Sichtprüfung durchgeführt und die Schäden behoben. Ein Augenmerk legt die Gemeinde nun auf die Wasserversorgung, denn die Verluste „sind nach wie vor zu hoch“, sagte Ortlieb. „Die Sanierung des Wassernetzes wird in Zukunft auch stark die Schwerpunkte der Straßensanierungen beeinflussen.“ Vor wenigen Tagen wurde mit Sanierungsarbeiten in der Wettersteinstraße begonnen, 2020 folgen Asamstraße und Oberjägerweg und ab 2021 die Dorfstraße.
Ein Raunen ging durch den Saal, als Ortlieb erstmals die veranschlagten Kosten für das laufende Projekt der Dorferneuerung vorstellte, nämlich 3,6 Millionen Euro für die Bereiche im Zentrum. Zwar werde das Amt für Ländliche Entwicklung 70 Prozent der Kosten übernehmen, „aber wir hoffen, dass wir das Geld auch in der Bauphase bekommen“, sagte der Bürgermeister.
Wie geht es weiter mit dem Gasthof Post?
Ortlieb hofft, dass sich für den leer stehenden Gasthof Post bald ein neuer Wirt findet, und appellierte ans Brauhaus Tegernsee, hier Verantwortung zu übernehmen. Wie berichtet, hat die Gemeinde nach Rücksprache mit den Vereinen den Saal bis 30. Juni 2020 gepachtet. „Unser Ziel ist, dass wir 50 Prozent der entstehenden Kosten wieder einnehmen“, sagte Ortlieb auf die Frage eines Bürgers. Dieser äußerte Sorge, dass „es im Sommer aus ist“. Ortlieb verneinte und sagte, man sei mit der Brauerei im Gespräch. Allerdings „gehört der Saal zur Immobilie. Und ein Haus, das nicht bewohnt und nicht beheizt wird, wird nicht besser“.
Zu Wort meldete sich auch eine ältere Dame, die auf die schlechte Beleuchtung am Gehsteig in der Bahnhofstraße aufmerksam machte. Ortlieb will sich das vor Ort anschauen. Zudem fragte die Frau, ob man an den neuen Hinweisschildern für die Wirtshäuser im Dorf auch deren Ruhetag vermerken könnte. Ortlieb sieht das jedoch skeptisch.
Zwei Bürger hatten Fragen schriftlich eingereicht. Sie fordern mehr Heckenpflanzungen im Dorf und den Rückbau von Mauern sowie Neu- und Nachpflanzungen von Bäumen. Ortlieb ging hier kurz auf die Förderung von privaten Grundstücksbesitzern im Rahmen der Dorferneuerung ein (Mindestinvestitionssumme: 5000 Euro). Bei Bäumen müsse man auch immer die Folgekosten für die Verkehrssicherung im Auge haben, mahnte der Bürgermeister.
Erdaushub: „Abgedeckt bedeutet nicht, dass hier was Giftiges liegt“
Die Lagerung von Erdaushub ist in vielen Gemeinden ein großes Thema. In Benediktbeuern waren deshalb am Mariabrunnweg Beschwerden laut geworden, die Familie hat sich mittlerweile an die Regierung von Oberbayern gewandt (wir berichteten im Tölzer Kurier). Bürgermeister Ortlieb ging kurz darauf und erklärte die Auflagen für Kommunen. Je nach Ergebnis der Probe müsse man Aushub bis nach Thüringen fahren – „die CO2-Einsparung lässt grüßen“, sagte er bitter. Für die Bürger sei wichtig zu wissen, dass eine Abdeckplane über einem Erdhaufen „nicht bedeutet, dass hier was Giftiges liegt“. Es gehe darum, dass man das Eindringen von Regen in die Erde verhindern wolle, weil dies zu mehr Gewicht und in der Folge zu höheren Entsorgungskosten führe. Der gelagerte Aushub am Mariabrunnweg diente zum weiteren Wegebau im Wald. Laut Gutachten war der Aushub nicht belastet. Er gehe davon aus, dass die Regierung von Oberbayern nach Prüfung der Unterlagen diese Bewertung von Gemeinde und Landratsamt teile. In der Oktobersitzung hatte der Gemeinderat zwei Lagerflächen für Aushubmaterial im Gewerbegebiet ausgewiesen. Zudem wird der ins Gespräch gekommene Wanderparkplatz am Mariabrunnweg jetzt auch offiziell ein Parkplatz (wir berichteten im Tölzer Kurier).
