Nach Unfall sprüht er vor Lebensfreude

Nach nur sechs Monaten Training in den WM-Kader

+
Veit Mühlhans beim Para-Eishockey
  • schließen

Veit Mühlhans verlor bei einem Unfall seinen Unterschenkel. Er ließ sich aber nicht unterkriegen und fing an Para-Eishockey zu spielen. Sein Erfolg ist groß.

Benediktbeuern – Mit 18 Jahren geht man gerne auf Partys – am liebsten auf eine nach der anderen; die soeben erlangte Volljährigkeit will man schließlich in vollen Zügen genießen.

Nicht Veit Mühlhans. Der Benediktbeurer verbrachte viele Monate seines 18. Lebensjahrs in Krankenhäusern und Reha-Kliniken. Im Juli 2015 verlor er bei einem Unfall den rechten Unterschenkel. Ein Auto nahm ihm die Vorfahrt und erfasste ihn auf seinem Motorrad. Ein Hubschrauber flog ihn ins Unfallklinikum Murnau. Dort begann eine lange Leidenszeit. „Erst wurde mir nach zwei Operationen gesagt, dass mein Vorderfuß nicht mehr zu retten sei – damit bin ich klar gekommen.“ Aber dabei blieb es nicht. „Eine Woche später teilten mir die Ärzte mit, dass sie mir auch den Unterschenkel amputieren müssten“, blickt der heute 23-Jährige zurück. „Das war der schlimmste Tag in meinem Leben.“

Er verlor seinen rechte Unterschenkel bei einem Unfall  

Wohlgemerkt aber nur dieser eine Tag. Denn Veit Mühlhans ließ sich seine Lebensfreude nicht nehmen und bewies Stärke. „Ich hätte nichts davon gehabt, erst mal in ein Loch zu fallen. Also habe ich mich sehr schnell mit meiner neuen Situation arrangiert.“ Erst nach Erwachen aus der Narkose wurde ihm nach und nach bewusst, welche Umstellungen auf ihn zukommen. „Im Endeffekt ist es nur ein Schalter im Kopf, den man umlegen muss. Ich hab’ dann einfach weitergemacht, weitergelebt und wenig darüber nachgedacht.“

„Nur einen Schalter im Kopf umlegen“

Er machte eine Umschulung zum Bauzeichner. Als Zimmerer konnte er mit seinem Handicap nicht weiterarbeiten. Doch nach der beruflichen Umschulung begann Veit etwas noch viel Größeres. Im Februar diesen Jahres spielte er zum ersten Mal in seinem Leben Eishockey. „Ich bin schon lange ein Fan von den Tölzer Löwen, habe aber bis dahin nie selber gespielt.“, sagt Mühlhans und lacht. Doch dann wurde seine Leidenschaft fürs Eishockey geweckt. Nach wenigen Trainingstagen bei seinem Heimatverein ESC Dachau wurde Michael Gursinsky, einer der Nationaltrainer der deutschen Para-Eishockeymanschaft, auf ihn aufmerksam. „Er hat mich gefragt, ob ich zum Trainingslager der Nationalmannschaft mit möchte. Es war wohl der wichtigste Schritt in meiner Sport-Karriere, sofort Ja zu sagen.“

Seine bisheriger Werdegang kann sich sehen lassen. Immerhin sind nur knapp sechs Monate zwischen dem ersten Training und der Nominierung für die Nationalmannschaft vergangen. „Mein Trainer Andreas Pokorny sagt, ich sei ein riesen Talent. Das macht mich sehr stolz, zumal Sport früher für mich keine große Rolle gespielt hat. Nur ab und an war ich Schwimmen oder Radfahren“, sagt Mühlhans schmunzelnd.

Nach sechs Monaten Training direkt in den WM-Kader 

Beim Para-Eishockey ist voller Körpereinsatz gefordert, genau das macht ihm den größten Spaß. Um diese Power erfolgreich in den Spielen einzubringen, trainiert er oft und regelmäßig. Und zwar nicht nur auf dem Eis. „Ich gehe oft nach der Arbeit ins Fitness-Studio oder trainiere zu Hause unter anderem auf einem speziellen Gerät meinen Oberkörper.“ Kein Wunder, dass Mühlhans mittlerweile riesige Muskeln an den Oberarmen hat.

Der Sport gibt ihm Kraft und er geht davon aus, dass die körperliche Betätigung auch anderen Menschen mit Behinderung Lebensfreude schenken würde. „Ich finde es sehr schade, dass nicht mehr auf den Para-Sport aufmerksam gemacht wird.“ Doch Veit Mühlhans wurde darauf aufmerksam, und mittlerweile dreht sich bei dem 23-Jährigen neben der Arbeit alles nur noch um seine große Passion: „Mein Ziel ist es, bald nicht mehr nur Ersatzmann, sondern fester Spieler der Nationalmannschaft zu werden. Dafür gebe ich alles.“

Ab dem kommenden Wochenende hat der ehrgeizige Sportler einmal mehr die Gelegenheit, sich zu beweisen und seine Karriere voranzutreiben. In Berlin wird er bei der Eishockey-Weltmeisterschaft im B-Pool mit der deutschen Nationalmannschaft gegen fünf andere Länder kämpfen.

Seine Trikotnummer – die 22 – hat Mühlhans mit Bedacht ausgewählt: Mit 22 Jahren, an einem 2. 2. stand er das erste Mal auf dem Eis. Diese Entscheidung hat er nie bereut, denn sie hat zusätzliche Energie und Lebensfreude in ihm geweckt.

Auch interessant: Unterwegs mit der Reisegruppe Niemand 

Kommentare