Nach der folgenschweren Pleite der Signa

Benkos Bauten in München: Das Glashaus am Hauptbahnhof - nur ein Luftschloss?

+
Das war geplant: An der Schützenstraße sollte ein moderner Komplex aus Glas und viel Grün entstehen.
  • schließen

Immer mehr Sparten des Signa-Konzerns gehen pleite. Die Insolvenzwelle trifft auch München hart, wo Baustellen still stehen und Kaufhäuser vor dem Aus stehen. Wir schauen uns die Projekte genau an.

Die eigene Handschrift hinterlassen: Das ist das Credo, das man sich im Immobilien-Imperium von René Benko auf die Flaggen geschrieben hat. „Leave your SIGNAture“ lautet das kecke Wortspiel, mit dem die Signa Holding für sich wirbt. Selbst ernanntes Ziel: „Immobilien und Entwicklungsliegenschaften nachhaltig verändern.“ Man kann sagen: Genau das hat die Signa beim Karstadt an der Schützenstraße geschafft. Leider aber auf schlimmste Weise: Wo einst das Leben blühte und bunt leuchtende Schaufenster zum Shoppen einluden, ist heute alles dunkel und trist. 200 Meter Leerstand: Benko hat im Herzen Münchens für einen Schandfleck gesorgt. Am 30. Juni gingen beim Karstadt an den Schützenstraße die Lichter aus. 220 Mitarbeiter standen auf der Straße. Seitdem ist der Einkaufstempel, der 1972 zu Olympia errichtet wurde, eine Ruine. Und daran wird sich so schnell nichts ändern. Wer darauf wartet, dass zwischen Stachus und Hauptbahnhof die Abrissbagger anrollen und bald Neues geschaffen wird, der irrt. „Aktuell liegt kein Antrag auf Baugenehmigung oder eine Abbruchanzeige vor“, heißt es aus dem Planungsreferat. Sprecher Ingo Trömer erklärt: „Für das Gebiet an der Schützenstraße läuft derzeit noch das Verfahren zum Bebauungsplan Nr. 2168 Ehemaliger Karstadt Schützenstraße.“ Erst wenn der Plan steht, wäre mit Anträgen zu rechnen. Aber: Seit die Signa Holding insolvent gegangen ist, hat OB Dieter Reiter einen Baustopp für alle Signa-Bauten verhängt. Wie Reiter am Sonntag im BR sagte, war sein Eindruck: Benko hat sich nie Gedanken um die Geschichte hinter den Kaufhäusern gemacht.

Eigentlich sollten bereits die Abriss-Vorbereitungen beginnen

Traurige Tristesse statt bunter Shopping-Welt: So sieht es derzeit an der Schützenstraße aus.

Grundsätzlich gilt: Es ist völlig unklar, wann an der Schützenstraße ein neues Gebäude entsteht. Dabei gab es für das Areal große Pläne. Das Interesse am Architektenwettbewerb war groß – der Entwurf vom Büro David Chipperfield gewann mit einem Mix aus Glas und Grün. Fertigstellungstermin: 2027. Schon heuer sollte der Abriss an der Schützenstraße vorbereitet werden. Geplant war, dass der Karstadt in das renovierte Pendant gegenüber dem Bahnhof zieht. Bittere Realität ist aber: Die Filiale an der Schützenstraße wurde geschlossen. Und auf der Baustelle des historischen Hertie nebenan ruhen längst die Arbeiten. Bei Signa selbst kündigt sich die nächste Insolvenz an. Das geht aus einer Mitteilung der Signa von Freitagabend hervor. Demnach sei ein Antrag auf Eröffnung von Insolvenzverfahren für die Signa Development Gruppe „überwiegend wahrscheinlich“.

Kommentare