- VonChristof Schnürerschließen
Geht‘s nach Enrico Corongiu (46), sollen 2026 sechs weitere Jahre auf dem Mittenwalder Rathaus-Chefsessel folgen. Seine Entscheidung für eine erneute Kandidatur hat der Bürgermeister nun seinen Parteifreunden von der SPD mitgeteilt.
Mittenwald – Den 29. März 2020 wird Enrico Corongiu wohl nie vergessen. Kurz vor 20 Uhr steht im Mittenwalder Rathaus in Stein gemeißelt: Der Außenseiter von der SPD hat in der Stichwahl den wankenden Favoriten von der CSU, Adolf Hornsteiner, tatsächlich vom Sockel gestoßen. „Surreal – ich muss das erst mal sacken lassen“, meinte seinerzeit der Mann des Abends. „Die Freude ist riesig, vor allem wenn man überhaupt nicht damit gerechnet hat.“
Viel Zeit zum Verschnaufen blieb dem Sensationssieger nicht. Jetzt musste der Rote im Rathaus im strukturell erzkonservativen Mittenwald liefern. Der Knochenjob scheint Corongiu nicht an seine Grenzen gebracht zu haben. Nun hat der 46-Jährige seinen Parteifreunden mitgeteilt, bei den Kommunalwahlen 2026 noch einmal antreten zu wollen. „Der Grund ist, dass meine Familie hinter mir steht sowie das positive Feedback der Bürger, Vereine und Institutionen, die mich bei meinen Besuchen zum Weiterachen ermuntern.“ Wobei für den gelernten Rettungssanitäter das Placet der Familie ausschlaggebend war. „Das hat passen müssen.“ Eine zentrale Rolle spielt dabei natürlich Gattin Kerstin, die ebenfalls für die SPD seit fünf Jahren im Marktgemeinderat sitzt. Sie hält dem viel gefragten Ehemann zuhause den Rücken frei. Die Corongius haben eine Tochter (25), einen Sohn (18) und ein Pflegekind (5).
Hinten raus war‘s besser, die Leistung war gut.
Auf die in elf Monaten zu Ende gehende Amtszeit blickt Enrico Corongiu durchaus selbstkritisch zurück. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, bedient er sich einer abgedroschenen Floskel. Damit zielt er während der Corona- und Ukrainekrise auf den Holperstart 2020 bis 2022. „Zwei verlorene Jahre, doch die Arbeit war alle nicht einfach gewesen.“ In der Folgezeit gewann Corongiu zusehends an Format, was nichts mit seinen wöchentlichen Besuchen im Fitness-Studio zu tun hat. Gerade sein Verhandlungsgeschick mit dem Bund in puncto Verwertung des Geländes der ehemaligen Standortverwaltung steht stellvertretend für eine zusehends souveräner wirkende Führungspersönlichkeit. Welche Schulnote würde er sich selbst geben? „Hinten raus war‘s besser, die Leistung war gut.“
Doch der Überraschungssieger von 2020 gibt sich keinen falschen Illusionen hin. Das Bürgermeisterrennen wird spannend, möglicherweise neuerdings in einer Stichwahl entschieden. „Ich rechne mit mehreren Gegenkandidaten.“ Zumindest bei der größten Fraktion im Gemeinderat, der CSU, liegt der Sozialdemokrat damit goldrichtig. Die Schwarzen wollen schon bald ihren Hoffnungsträger der Öffentlichkeit präsentieren.
Geht es nach Enrico Corongiu, sollte sein SPD-Ortsverein noch vor der Sommerpause zur Mitgliederversammlung rufen. Schon jetzt steht außer Zweifel, dass seine Parteifreunde ihn mit großer Mehrheit erneut zum Spitzen- und Bürgermeisterkandidaten küren werden.