Tegernsee - In der Tegernseer Turnhalle, wo 33 Flüchtlinge hausen, hat es viel Ärger gegeben. Heute war ein guter Tag. Mensa-Betreiber Rolf Ziesing hatte zum Essen eingeladen.
Rolf Ziesing, Betreiber der Mensa im Gymnasium, hatte die Asylbewerber zum Essen eingeladen – auf eigene Rechnung. „Das ist mein Beitrag zum Frieden in Tegernsee“, sagt Ziesing.
Es ist elf Uhr, die Schüler haben noch Unterricht. Die Mensa des Gymnasiums ist trotzdem voll besetzt. An den großen Tischen tafeln die in der benachbarten Turnhalle untergebrachten Asylbewerber. „Sie hatten Hunger“, sagt Iris Hof, die mit ihrem Lebenspartner Rolf Ziesing die Mensa führt. Die beiden kennen die Flüchtlinge gut. Wie berichtet, hatten sie bis zu den Weihnachtsferien im Auftrag des Landratsamtes ganz offiziell die Asylbewerber bekocht. Übergangsweise – die Rundum-Versorgung der Flüchtlinge ist für die Mensabetreiber kaum zu stemmen.
Fotos: Die Situation der Asylbewerber in der Tegernseer Turnhalle
Die Situation in der Tegernseer Turnhalle - Fotos




Mit Ferienbeginn übernahm dann Dirk Meyer vom Gasthof Alter Wirt das Catering. Einmal am Tag bringt er in Warmhalteboxen eingeschweißte Mahlzeiten zur Halle, dazu Brotzeit-Tüten. Seit einer Woche schon verweigern die Asylbewerber die Essenspakete. Die Mahlzeiten seien zu knapp bemessen und nicht warm genug, meinen sie. Das Landratsamt ließ die unberührten Tüten zur Miesbacher Tafel liefern. Es gab viele böse Worte und Irritationen auf allen Seiten.
Rolf Ziesing und seine Partnerin wollten nicht einfach zusehen, wie sich die Situation verschärft. „Wir haben die Asylbewerber zu uns eingeladen“, meint Ziesing. Die Kosten übernimmt er aus eigener Tasche. Die Stimmung in der Mensa ist gelöst, die Flüchtlinge genießen die Auszeit vom tristen Leben in der Halle. „Wir sind glücklich, hier zu sein“, sagt Franklin (20) aus Nigeria.
Um halb zwölf – viele Flüchtlinge sitzen noch in der Mensa – steht Caterer Dirk Meyer vor der Turnhalle. In seinem kleinen Lieferwagen hat der Weyarner Wirt 33 Essenspakete, akkurat in weiße Papiertüten verpackt. In den Warmhalteboxen sind Putenschnitzel mit Rahmsauce, dazu Spätzle. Zudem gibt's Semmeln, Butter, Aufstrich. Die Flüchtlinge gehen an Meyer vorbei. Sie wollen die Tüten auch heute nicht haben. Meyer weiß sich keinen Rat mehr. „Das ist gute Qualität“, beteuert er und zeigt das Mitgebrachte. Es sei ebenso gut wie das, was in Seniorenheimen, Krankenhäusern und Kindertagesstätten auf den Tisch komme.
Meyer wird die Pakete diesmal nicht zur Tafel, sondern zur Asylbewerberunterkunft nach Holzkirchen fahren. Dort kochen die Flüchtlinge für gewöhnlich selbst. Aber am Dienstag gab's einen Brand, die Küche ist derzeit nicht nutzbar. Meyer hat die Tegernseer Pakete schon gestern dorthin gebracht. Sie wurden gern angenommen. „Die Frauen haben mir sogar beim Ausladen geholfen“, berichtet Meyer.
In der Tegernseer Halle lebt nur eine Frau. Ansonsten hausen dort meist sehr junge Männer in Stockbetten, eine Küche gibt es nicht. Die Enge und die Langeweile schüren Aggressionen. Das Landratsamt will die in der Halle Untergebrachten möglichst schon Ende Januar auf andere Unterkünfte in Hausham und Bayrischzell verteilen. Auf die Belegung von Turnhallen will das Amt künftig nach Möglichkeit verzichten. „Auch aufgrund der jetzt gemachten Erfahrungen“, sagt Gerhard Brandl als Sprecher des Landratsamts.
Neben der Tegernseer Halle war auch die Gmunder Seeturnhalle für die Aufnahme von Flüchtlingen vorbereitet. Letztere blieb bislang ungenutzt. Nach Auflösung der Asylbewerberunterkunft in der Halle werden nach jetzigem Stand – auf verschiedene Wohnungen verteilt – nur insgesamt 26 Asylbewerber im Tegernseer Tal leben. Das sind nicht viele. Im Moment hat der Flüchtlingszustrom zwar nachgelassen, aber das kann sich schnell wieder ändern. Das Landratsamt will darum die Nutzung des früheren Bad Wiesseer Hotels Haus Rheinland als Asylbewerberunterkunft schnell möglich machen. Das 25-Betten-Haus gehört der Gemeinde Bad Wiessee. Es ist grundsätzlich als Unterkunft geeignet, muss aber noch in Sachen Brandschutz auf Vordermann gebracht werden.
Von Christina Jachert-Maier