- VonJennifer Battagliaschließen
Glück und gute Nerven braucht Michael Bernhard auf seinem Weg zur Arbeit. Unter der Woche pendelt der Peißenberger täglich mit dem Zug nach München. Seit Monaten führen zwei Langsamfahrstellen dazu, dass er immer wieder verspätet in Weilheim ankommt – und dadurch um Haaresbreite seinen Anschlusszug in die Landeshauptstadt verpasst.
Peißenberg – Wenn Michael Bernhard morgens um kurz nach halb sieben im Zug von Peißenberg nach Weilheim sitzt, dann ruckelt es immer an ein- und derselben Stelle. Und das schon seit Monaten, wie der 58-Jährige im Gespräch mit der Heimatzeitung mitteilt. „Ich verstehe nicht, warum das nicht einfach repariert wird“, sagt er.
Pendler nach München: „Man fühlt sich ein bisschen wie seekrank“
Kurz vor der Ammerbrücke muss der Zug der BRB jedes Mal abbremsen. „Man fühlt sich ein bisschen wie seekrank“, beschreibt Bernhard das Gefühl, wenn die Bahn über besagte Stelle tuckert. Im Laufe der Zeit habe sich das Ruckeln sogar verstärkt. Erst nach der Langsamfahrstelle kann der Zug wieder Fahrt aufnehmen.
Bis dahin verstreicht wertvolle Zeit – Zeit, die Michael Bernhard eigentlich zum Umsteigen am Bahnhof in Weilheim braucht. Denn dort muss er den DB-Anschlusszug in Richtung München erwischen. Bernhard pendelt unter der Woche jeden Morgen in die bayerische Landeshauptstadt zur Arbeit. Über zwölf Stunden ist er täglich außer Haus. Würde er morgens einen Zug früher nehmen, wäre er noch länger unterwegs.
Normalerweise reichen vier Minuten zum Umsteigen locker aus
Normalerweise ist das Umsteigen am Bahnhof in Weilheim auch kein Problem. Bernhard hat vier Minuten Zeit, um das Gleis zu wechseln – wäre da nicht besagte Langsamfahrstelle. Denn durch die trudelt die Bahn aus Peißenberg täglich mit ein paar Minuten Verspätung ein. Wie viele Minuten genau, ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Ob Bernhard also seinen Anschlusszug nach München erreicht oder nicht, wird zur puren Glückssache. „Nicht mal auf die Unzuverlässigkeit kann man sich verlassen“, sagt er.
Auf der Internetseite der DB wird die Verbindung ohne speziellen Hinweis angezeigt. Auf eine mögliche Verspätung oder Probleme beim Umsteigen wird nicht aufmerksam gemacht. Michael Bernhard ist genervt. Oft schafft er es gerade so, den Zug zu erwischen, doch es gibt auch Tage, da fährt ihm die Bahn direkt vor der Nase weg. „Manchmal würden mir schon 30 Sekunden mehr Zeit reichen“, sagt er. Warum der DB-Zug in Weilheim nicht warten kann, versteht er nicht.
Warum wartet der Anschlusszug nicht einfach die paar Sekunden?
Verpasst Bernhard seinen Anschluss, kommt er zu spät zur Arbeit und muss die Zeit während des Tages reinarbeiten. Heißt konkret: Verkürzte Mittagspause oder abends länger bleiben. Mehrere Male hat er bereits bei der DB und der BRB nachgefragt – jedoch ohne Erfolg. Die Heimatzeitung hakt deshalb nach.
Eine Pressesprecherin der DB teilt, nach Rücksprache mit der BRB, mit, dass man „mit Hochdruck“ daran arbeite, die Langsamfahrstelle „so schnell wie möglich“ zu beseitigen. Für Reparaturen am Schienennetz ist die DB zuständig. Es würden „Instandhaltungsarbeiten anstehen“, mit denen die „leichte Unebenheit im Gleis“ behoben werden soll. Genauere Informationen könne man dazu aber aktuell leider nicht zur Verfügung stellen. „Wir bitten um Verständnis“, heißt es dazu schriftlich.
Dachsbau im Bahndamm bremst den Zug zusätzlich aus
Die Heimatzeitung bringt in Erfahrung, dass die Langsamfahrstelle bereits seit Mitte Oktober besteht und noch mindestens bis 30. Juni andauern soll. Vonseiten der Bahn wird das weder bestätigt noch dementiert. Es ist außerdem nicht die einzige Langsamfahrstelle auf der Strecke zwischen Peißenberg und Weilheim. Seit geraumer Zeit muss der Zug auch auf dem Weg vom Bahnhof Peißenberg nach Peißenberg Nord abbremsen. Die DB teilt dazu mit, dass hier ein Dachsbau im Bahndamm beseitigt werden muss.
Wenn es nicht besser wird, „steige ich auf mein Auto um“
Zum Erreichen des Anschlusszuges in Weilheim, kann die DB „keine pauschale Aussage treffen“. Grundsätzlich gelte es, einen Mittelweg zwischen Anschlusssicherung und Pünktlichkeit zu finden. So soll auch der wartende Zug seine Gäste pünktlich zu deren Anschlusszügen bringen. Laut DB kann es zudem sein, dass das Gleis im Bahnhof für einen nachfolgenden Zug freigegeben werden muss. „Eine Garantie dafür, dass Anschlusszüge erreicht werden, kann es daher nicht geben.“
Für Michael Bernhard würde es oft schon ausreichen, wenn die Bahn nur eine halbe Minute warten würde. „Man steigt in der Früh mit einem unguten Gefühl in den Zug“, sagt er. Sollten die Probleme weiterhin bestehen, wird er kurzen Prozess machen und sich nicht mehr auf die Bahn verlassen: „Dann steige ich auf mein Auto um.“
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