ÖPNV: Mobilitätsteam schildert Projekte

Bewegt sich Rosenheim beim Alpenbus? Gesprächsbedarf bei Gäste- und Seniorenticket

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Auslaufmodell: Die Gästekarte wird es ab 10. Dezember in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. Dann tritt der Landkreis dem MVV bei.
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Im Kreisentwicklungsausschuss gab es einen aktuellen Überblick über die laufenden Projekte der Mobilitätsentwicklung. Vereinzelt gab es aber dennoch Diskussionsbedarf.

Landkreis – Ein „Tagesordnungspunkt zum Entspannen“ – so kündigte Andrea Ladewig, Leiterin der Stabstelle Mobilitätsentwicklung am Landratsamt, im Kreisentwicklungsausschuss den aktuellen Überblick über die laufenden Projekte ihres Teams an. Tatsächlich mussten die Kreisräte nicht abstimmen, sondern sich nur auf Stand bringen lassen.

Anruf-Sammel-Taxi

Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) wird zwar wieder besser angenommen – durchschnittlich 362 Nutzer sind es pro Monat. Dennoch hat das Sorgenkind im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) keine Zukunft. „Die Verträge laufen Ende des Jahres aus“, stellte Joana Heuberger klar. Eine Option auf Verlängerung gibt es nicht. Das Mobilitätsteam arbeite derzeit an einer zweckmäßigen Übergangslösung, bis sich im Rahmen der Mitgliedschaft beim Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) bessere Modelle auftun.

Seniorenticket

Wegen des MVV-Beitritts wird es das Seniorenticket, das mittlerweile den meisten Landkreisbürgern ab 65 Jahren kostenlose Busfahrten im Oberland ermöglicht, nicht mehr geben. Der Grund: Beim MVV gibt es mit der Isarcard 65 bereits eine – preislich günstige – Seniorenkarte. Lokale Sondertarife erlaubt der von der Genehmigungsbehörde vorgegebene Grundsatz der Tarifeinheitlichkeit in Verbundräumen nicht. Man stehe aber in Austausch mit den Bürgermeistern, um eine Lösung zu finden, berichtete Florian Kausch. Denkbar seien beispielsweise Streifenkarten, die die Kommunen kostenlos an ihre älteren Mitbürger verteilen.

Gästekarte

Gesprächs- und Verhandlungsbedarf besteht auch bei den Gästekarten, die die Fremdenverkehrsgemeinden bislang an ihre Urlauber ausgeben. Sie können damit in der Region kostenlos im Bus unterwegs sein. Ein beliebtes Angebot, das wegen des MVV-Beitritts ebenfalls überdacht werden muss. Derzeit ist vorgesehen, dass die betroffenen Kommunen je nach Abnahmevolumen oder Gästeaufkommen einen Rabatt auf den regulären Preis der Isarcard Woche erhalten. Diese gilt an sieben Tagen in den vorher festgelegten Zonen – und nicht mehr nur auf Bus-, sondern auch auf Bahnstrecken.

Aber welche Zonen und damit welchen Aktionsradius sollen die Karten künftig umfassen? Diese Entscheidung liege bei den Touristikern und Kommunen, so Kausch. Anastasia Stadler (CSU) warnte vor einem Rückschritt und deutlich höheren Kosten. Denn derzeit sei der gesamte Landkreis beinhaltet. Umfasse die neue Karte nur – wie derzeit im Gespräch – die Zonen sechs bis neun, wäre der Raum Holzkirchen (Zone drei/vier) nicht mehr erreichbar. „Wir wollen keine Verschlechterung“, untermauerte auch Landrat Olaf von Löwis (CSU).

Kausch berichtete, dass die Tal-Bürgermeister in einer Dienstbesprechung eine Ausweitung bereits für sinnvoll erachtet hätten. Josef Bogner (FW) plädierte dafür, das Angebot unbedingt aufrechtzuerhalten und etwaige Änderungen sehr gut zu kommunizieren: „Der Aufschrei ist sonst groß. Die Gäste freuen sich über das Angebot, die Busse sind voll.“

Grenzverkehr

Neues gibt es auch beim grenzüberschreitenden Verkehr. Antonia Rüede-Passul berichtete von einer Umgestaltung der Linie von Tegernsee zum Achenpass. Gemeinsam mit dem Regionalmanagement des Bezirks Schwaz arbeite man derzeit am Fahrplan und einem Umlaufplan. Die nächste Sitzung dazu findet im Juni statt. Beim vom Deutschen Alpenverein (DAV) initiierten Bergsteigerbus von München zum Rofan beziehungsweise nach Thiersee überlegt das Mobilitätsteam, wie er sich in die bestehenden Angebote integrieren lässt. CSU-Kreisrätin Stadler bat darum, sich das „sehr gut anzuschauen“. Hiesige Gelder und Fördermittel sollten im Landkreis bleiben und nicht nach Österreich abwandern.

Alpenbus

Weiter in der politischen Diskussion ist der Alpenbus, also eine Ost-West-Verbindung am Alpenrand entlang. Wie berichtet, sträubt sich die Stadt Rosenheim noch gegen die Pläne. „Ohne Rosenheim ist die Attraktivität aber erheblich gemindert“, machte der Landrat deutlich. Man suche deshalb regelmäßig das Gespräch mit der Stadt und bemühe sich, Oberbürgermeister Andreas März zu überzeugen. „Das Thema soll im Februar noch mal diskutiert werden“, wusste Andrea Ladewig. Von Miesbach aus Richtung Westen bestehe weiterhin starkes Interesse am Alpenbus, ohne Rosenheim mache er aber keinen Sinn. MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch bestätigte das. „Zwischen Rosenheim und Miesbach gibt es enormen Verkehr“, sagte er. „Da ist Potenzial vorhanden.“

Mobilitätskonzept

Der Auftrag fürs Mobilitätskonzept soll weiter im September erteilt werden. Damit bleibt es beim bisherigen Zeitplan. Eine Kanzlei unterstützt den Landkreis bei der Ausschreibung, das Vergabeverfahren soll im Juni beginnen. Das Mobilitätskonzept hat eine bessere Verknüpfung von Bus, Bahn und Auto zum Ziel und soll den Bürgern den Umstieg auf den ÖPNV erleichtern.

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