Ergebnisse der Landtagswahl

Grünen-Hochburg im Zentrum, CSU stark am Stadtrand: So haben die Münchner Bezirke gewählt

  • schließen

CSU und Grüne sind die Gewinner der Landtagswahl in München. Die CSU, weil sie gemäß dem vorläufigen Ergebnis ihren Stimmenanteil von 24,8 auf 28,5 Prozent verbessern konnte. Die Grünen, weil sie stärkste Kraft geblieben sind und ihr Rekordresultat von 2018 entgegen dem Landestrend fast halten konnten.

München - Es sind gewiss mehrere politische Botschaften, die man aus dem Münchner Ergebnis herauslesen kann: Zum einen gibt es in der Landeshauptstadt keinen Rechtsruck. Die AfD konnte nur von 6,5 auf 7,1 Prozent zulegen, die Freien Wähler von 6,1 auf 7,0 Prozent. Die Grünen wiederum haben sich als Nummer eins mit nunmehr 30,7 Prozent etabliert, allerdings nur noch knapp vor der CSU.

SPD mit Rekordtief bei der Landtagswahl – FDP und Linke sacken ebenfalls ab

Und die SPD? Sie hat sich nicht nur in der Fläche Bayerns, sondern auch in der Großstadt München vom Anspruch einer Volkspartei verabschiedet. So jedenfalls lesen sich die nackten Zahlen. Nach dem Rekordtief von 12,8 Prozent im Jahr 2018, sackten die Sozialdemokraten nochmal auf 12,1 Prozent ab. Ein Desaster für eine Partei, die seit Jahrzehnten den Oberbürgermeister stellt. Was auch Amtsinhaber Dieter Reiter so sieht: „Es ist nicht gelungen, die Kernfrage zu beantworten: Warum soll ich SPD wählen?“ Dazu gehöre es, „eine eigenständige profilbildende Politik zu machen und die auch glaubhaft nach außen zu kommunizieren“. Dies müsse ab sofort Hauptaufgabe der Partei sein.

Die Grünen werden bei der Landtagswahl in 13 von 25 Stadtbezirken Münchens stärkste Kraft, die CSU in zwölf.

Die FDP erzielte in München mit 6,0 Prozent zwar einen doppelt so hohen Stimmenanteil wie im Landesschnitt, was angesichts des Ergebnisses von 2018 (8,8 Prozent) aber nur ein schwacher Trost für die Liberalen ist. Die Linke brach gewaltig von 4,7 auf 2,0 Prozent ein.

Mehr News finden Sie in unserer brandneuen tz-App, jetzt im verbesserten Design mit mehr Personalisierungs-Funktionen. Direkt zum Download, mehr Informationen gibt es hier. Sie nutzen begeistert WhatsApp? Auch dort hält Sie tz.de/muenchen ab sofort über einen neuen Whatsapp-Kanal auf dem Laufenden. Hier geht‘s direkt zum Kanal.

Grünen-Hochburg im Stadtzentrum – CSU in den Randbezirken Münchens stark

Münchner Stimmenkönig wurde Ludwig Hartmann von den Grünen. Er holte 44,6 Prozent der Erststimmen im Bezirk Mitte. Die Grünen lagen in 13 der 25 Stadtbezirke vorne, die CSU in zwölf. Hochburgen der Grünen waren die Ludwigs/-Isarvorstadt (44,9 Prozent) und die Schwanthalerhöhe (43,6). Auch in Au-Haidhausen und Sendling gelang der Sprung über die 40-Prozent-Marke. Die CSU holte ihre besten Ergebnisse in Allach-Untermenzing (37,7), Hadern und Feldmoching-Hasenbergl (jeweils 36,3). Die einfache geographische Formel in München lautet: je zentraler, desto grüner; je näher am Rand, desto stärker die CSU.

Bei der SPD lassen sich unterdessen gar keine Hochburgen mehr finden. Sie dümpelt in der ganzen Stadt zwischen 10,3 Prozent (Bogenhausen) und maximal 13,9 Prozent (Milbertshofen-Am Hart und Giesing). In Feldmoching-Hasenbergl (10,9) wurden die Genossen gar von der AfD (11,6) überflügelt. Die Rechtspopulisten erzielten hier ihr bestes Ergebnis. Auch in Aubing-Lochhausen-Langwied erreichte die AfD mit 10,0 Prozent knapp die Zweistelligkeit. Dies gelang den Freien Wählern nur in Feldmoching-Hasenbergl (10,5), der FDP lediglich im Bezirk Altstadt-Lehel (11,3).

Vier Direktmandate gehen in München an die Grünen, fünf an die CSU

Wie viele Münchner Abgeordnete künftig im Maximilianeum vertreten sein werden, steht nicht fest, ehe alle Zweitstimmen ausgezählt sind. Klar sind nur die neun Sieger der Direktmandate: Ludwig Hartmann, Katharina Schulze, Gülseren Demirel, Christian Hierneis (alle Grüne), Georg Eisenreich, Robert Brannekämper, Alexander Dietrich, Josef Schmid und Markus Blume (CSU). Münchens CSU-Stadtchef Georg Eisenreich zeigte sich am Montag erfreut über das Abschneiden seiner Partei. Alexander Dietrich, der das Mandat in Moosach von den Grünen zurückerobern konnte, bezeichnete er als „große Verstärkung für die Fraktion“. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) sprach angesichts der bundespolitischen Großwetterlage von einem „hervorragenden Ergebnis“ für ihre Partei. Und sie stellte fest: „Münchens Stadtgesellschaft hat Rechtsaußen eine klare Absage erteilt.“

Zahl der Abgeordneten im Landtag noch unklar – Grüne und AfD können hoffen

Während bei der CSU niemand mehr über die Liste nachrücken kann, ist dies bei den Grünen möglich. Drei bis vier weitere Mandate sind realistisch. Julia Post (Pasing), Florian Siekmann (Hadern) und Benjamin Adjei (Moosach) haben die beste Ausgangsposition. Bei der SPD dürften Florian von Brunn (Giesing) und Markus Rinderspacher (Ramersdorf) wieder in den Landtag einziehen. Ruth Waldmann (Milbertshofen) und Diana Stachowitz (Moosach) müssen wohl zittern. Bei der AfD kann sich Stadtrat Markus Walbrunn (Pasing) gute Chancen ausrechnen. Bei den Freien Wählern ist die Frage, ob außer Kultusminister Michael Piazolo (Giesing) ein weiterer Münchner Kandidat ins Maximilianeum einziehen wird.

(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Rubriklistenbild: © tz.de Collage: IMAGO / Heinz Gebhardt und Lim, Tillmann (Stadtbezirk-Grafik)

Kommentare