VonGerti Reichlschließen
Biber-Berater Max Wolf ist erschüttert. Am Seeufer zwischen dem Mangfallsteg und Kaltenbrunn wurde ein Biber offenbar vergiftet. Die toxikologische Untersuchung läuft noch.
Gmund – Biber zählen zu den ebenso geliebten wie gehassten Nagetieren. Fest steht: Sie sind in Europa besonders geschützt, gelten als „Motor“ der biologischen Vielfalt. Studien bescheinigen ihm einen nützlichen Beitrag zum Klimaschutz. Dass Biber auch am Tegernsee heimisch sind, hat ein Feuerwehreinsatz vom vergangenen Wochenende gezeigt: In der Nacht zum Sonntag (6. November) lag ein umgestürzter Baum auf der B 307, was wohl auf das Konto eines Nagers nahe der Prinzenkapelle ging.
Nun wurde ein eher trauriger Vorfall bekannt: In Gmund, am Seeufer zwischen dem Mangfallsteg und Kaltenbrunn, wurde ein Biber offenbar vergiftet. Er musste durch einen Jäger von seinem Leiden erlöst werden. Die toxikologische Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.
Biber offenbar vergiftet: Ein Jäger musste ihn von seinem Leiden erlösen
Am Samstag vor einer Woche klingelte bei Max Wolf, einem der vier Biber-Berater im Landkreis Miesbach und zuständig für den Tegernsee, das Telefon. Die Polizei war dran und informierte ihn, dass am Gmunder Seeufer, zwischen dem Mangfallsteg und Kaltenbrunn, von Spaziergängern ein Biber entdeckt worden sei, der regungslos in einem Graben liegt. „Ich bin sofort losgefahren“, berichtet der Otterfinger, „habe untersucht, ob das Tier Reaktionen zeigt.“ Eine Stunde habe er mit dem Tier zugebracht, „doch der Biber wurde immer schwächer“, berichtet Wolf. Also habe er entschieden, das gut 30 Kilo schwere Tier zu Michael Vermeulen zu fahren, dem Biber-Manager des Landkreises. „Der hat dann einen Jäger beauftragt, das Tier von seinem Leiden zu erlösen.“
Biber offenbar vergiftet: Toxikologische Untersuchung dauert an
Weitere Untersuchungen sollen nun beweisen, was Wolf schon vor Ort vermutete: „Der Biber wurde offenbar vergiftet. Man weiß, dass zum Beispiel Rattengift die weißen Blutkörperchen auflöst und das Tier innerlich verblutet.“ Dies könnte bei dem Biber von Gmund der Fall sein, denn bei seiner Untersuchung habe er keine Gewalteinwirkung festgestellt. Dies bestätigt die pathologische Untersuchung, deren Ergebnis dem Landratsamt bereits vorliegt. „Eine Gewalteinwirkung konnte nicht festgestellt werden“, heißt es auf Nachfrage bei Landratsamtssprecherin Sophie Stadler. Aufgrund der festgestellten Symptome vor Ort, die den Eindruck erweckten, dass eine Vergiftung vorliegen könnte, sei auch eine toxikologische Untersuchung angeordnet worden, so Stadler. Der Kadaver werde aktuell noch in einer Klinik in München untersucht. Das Ergebnis liege noch nicht vor.
Für Wolf ist es ein Rätsel, wer den Biber auf dem Gewissen haben könnte. „Von Anwohnern an der Mangfall weiß ich nämlich, dass sie nichts gegen den Biber haben.“ Wird die Vergiftung bestätigt, dann wäre das kein Einzelfall. „Im vergangenen Jahr an Ostern hatten wir in Tegernsee-Süd einen ähnlichen Fall“, erinnert sich der Berater. Wie viele Biber am Tegernsee leben, könne er schwer sagen. „Es gibt sehr viele Wanderer. Von einem richtigen Biberbau ist aktuell nichts bekannt.“ Max Wolf geht davon aus, dass seit 2013 vielleicht drei oder vier Biber im Bereich der Mangfall leben. Früher habe es Exemplare am Grünen Wasserl gegeben. Insgesamt könnten sich im Landkreis vielleicht 50 Tiere aufhalten.
Als Biber-Berater ist Wolf dafür da, dem Wildtier einen Lebensraum zu ermöglichen und Konflikten zwischen Mensch und Tier vorzubeugen. Im Fall des toten Bibers am Gmunder Seeufer kam leider jede Hilfe zu spät.
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