Viel Kritik hat Bauunternehmer Hubert Hörmann im Zusammenhang mit der Entwicklung des Areals rund um den Bichler Hof und das Hotelprojekt einstecken müssen. Jetzt meldet er sich zum ersten Mal selbst öffentlich zu Wort, „nicht wegen meiner Person, sondern wegen meiner Familie“, schreibt er in seinem Brief.
Bad Tölz – Nachfolgend seine Stellungnahme im Wortlaut.
Hubert Hörmann: „Ich habe mich bis dato nicht öffentlich zum Themenkomplex Bichlerhof artikuliert und werde dies auch nur ein einziges Mal tun. Dies nur deshalb, weil die Stadt es nicht fertigbringt ihrer längst aus der unsäglichen Berichterstattung heraus resultierenden Pflicht zur Aufklärung nachzukommen. Die Stadt duckt sich förmlich weg.
Ich habe mehrmals schriftlich und mündlich darum gebeten, dass die Stadt endlich für Aufklärung sorgt. Selbstverständlich haben einige Stadträte den Versuch unternommen, Licht ins Dunkel zu bringen. Diesen couragierten Stadträten bin ich dafür auch dankbar.
Im Endergebnis ist es aber nicht die Aufgabe einzelner Stadträte, für längst notwendige Aufklärung zu sorgen, sondern ausschließlich Aufgabe der Stadt.
Zur Sache: Meine Frau und ich haben in 2015 den Bichlerhof erworben. Unsere Absicht bestand darin, ein Anwesen zu erwerben, dieses umzubauen und darin einzuziehen. Ende 2015 kam die Stadt auf uns zu, die Bürgermeister, die Kämmerei, das Bauamt und die Touristinfo. Bereits beim ersten Treffen wurde von der Stadt die Bitte artikuliert, den Bichlerhof in ein Hotel umzubauen. Wir haben dieser Bitte erstmals nicht entsprochen.
Nachdem meine Töchter innerhalb der Familie mitgeteilt haben, dass sie beide und Peter Frech das Projekt ,Hotel‘ selbst betreiben würden, haben sich meine Frau und ich mit dem Gedanken auseinandergesetzt.
Im darauffolgenden Gespräch mit der Stadt habe ich unmissverständlich mitgeteilt, dass ich keinen Quadratmeter Grund und Boden an die Stadt abtreten werde und dass ich weder ein Einheimischenmodell (sozial begünstigten Wohnraum) noch ein Erbpachtmodell am Bichlerhof machen werde. Bei diesem Entschluss bleibt es auch.
Beide Modelle waren Vorschläge der Grünen.
Die Stadt Bad Tölz hat daraufhin mitgeteilt, dass dies überhaupt nicht zur Disposition steht. Die Begründung hierfür teilte die Stadt uns gegenüber unmissverständlich mit. Es wurde mir mitgeteilt, dass die ZoBoN in der satzungsgemäßen Variante II (ohne Abtretung von Grund und Boden) zur Anwendung kommt. Diese Variante II wird bis zum heutigen Tag einstimmig von den Fraktionen der CSU, der FWG und der SPD getragen.
Exakt auf dieser Grundlage hat die Stadt Bad Tölz mit uns einen notariellen Vertrag abgeschlossen. Das heißt, die Stadt hat mit uns einen Vertrag auf der Grundlage der ZoBoN II geschlossen, ein Hotel auf den Weg zu bringen, den Reinvest aus den Doppelhäusern ins Hotel zu stecken und keinen Grund und Boden abzutreten.
Nur für den Fall, dass wir den Gewinn eben nicht reinvestieren, müssten wir Grund und Boden abtreten.
Hätte die Stadt der ZoBoN in Variante Il nicht zugestimmt, wäre es weder zu einem Vertrag gekommen, noch würde ein Hotel oder eine Wohnbebauung gebaut werden.
Ich habe in den zurückliegenden Wochen der Stadt mehrmals angeboten, das Projekt einzustampfen, weil sich das Ganze gelinde gesagt zu einem Affentheater entwickelt hat. Aufgrund der derzeitigen Vertragslage sind wir bis zum 31.12.19 an die Inhalte gebunden, und nur die Stadt könnte derzeit davon Abstand nehmen, die Bebauungspläne ,Wohnen‘ und ,Hotel‘ nicht auf den Weg zu bringen. Es liegt also in Händen der Stadt, das Projekt sterben zu lassen. Die Stadt braucht nur bis zum 31.12.19 nichts tun!
Es ist mir vollkommen unverständlich, weshalb die Stadt dieses ausdrücklich durch die ZoBoN mögliche Konstrukt nicht längst offen und transparent kommuniziert, und es ist auch nicht länger hinnehmbar, dass die Stadt ihrer moralischen Verpflichtung nicht nachkommt. Im Übrigen ist dies nicht meine Meinung, sondern längst die Meinung vieler Mandatsträger im Stadtrat und anderen Gremien.
Es ist nicht meine Aufgabe, den Bürgern zu erklären, warum die Stadt die ZoBoN mit Varianten beschlossen hat, und es ist auch nicht meine Pflicht, den Bürgern zu erklären, warum und weshalb die Stadt die ein oder andere Variante anwendet.
Für mich persönlich braucht übrigens niemand sammeln, der Leserbriefschreiber kann beruhigt sein, und ich brauche auch bestimmt keine Geschenke o.ä.. Als Unternehmer habe ich vom ersten Tag an mitgeteilt, zu welchen Bedingungen (ZoBoN Variante II) ich bereit bin zu investieren und zu welchen Rahmenbedingungen ich definitiv (ZoBoN Variante I) nicht bereit sein werde, irgendetwas zu verändern. Ein Angebot kann man annehmen oder ausschlagen.
Ferner teile ich unmissverständlich mit, dass ich überhaupt nicht das geringste Problem habe, am Bichlerhof gar nichts zu verändern. Für mich ist der Hof in der derzeitigen Konstellation voll ausreichend. Sofern also die Mehrheit im Stadtrat der Auffassung ist, dass der von der Stadt vorgeschlagene Weg nicht mehr gewünscht wird, können wir hier und heute das Projekt beenden. Auch das habe ich der Stadt mehrmals mitgeteilt.
Nachdem die Stadt bisher keinen Weg zur öffentlichen Aufklärung gefunden hat und scheinbar der Auffassung ist, dass längst notwendige Deeskalation immer noch nicht erforderlich ist, habe ich mich auf diesem Weg zu Wort gemeldet.
Das Bürgerbegehren der Grünen tangiert mich überhaupt nicht, weil ich der Eigentümer des Bichlerhofs nebst der Flächen bin und deshalb der Ausgang eines möglichen Bürgerentscheids für mich keine Auswirkung hat. Sofern das Bürgerbegehren zulässig ist und der daran anknüpfende Bürgerentscheid, zu Gunsten der Initiatoren – also gegen die Vorstellungen der Stadt – ausfällt, bleibt alles wie in 2015. Für diesen Fall bauen wir weder jetzt noch irgendwann später ein Hotel, und auch die Doppelhäuser werden nicht errichtet. Damit haben ich und meine Familie ebenfalls kein Problem.
Persönlich erachte ich es als traurig, dass der private Vertragspartner der Stadt sich öffentlich artikulieren muss, weil die Stadt keinen Weg zu öffentlicher Aufklärung findet. Die bitterbösen, teils rufschädigenden Leserbriefe und Kommentare in Internetforen haben mich dazu veranlasst, einmal Stellung zu beziehen, nicht wegen meiner Person sondern wegen meiner Familie.“
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