Er geht nach dem Derblecken

Bier-Beben in München! Chef Steinfatt verlässt Paulaner-Brauerei - Nachfolger steht fest

+
Die Kabarettistin Luise Kinseher und Andreas Steinfatt.
  • schließen

Bier-Beben in München! Paulaner-Chef Andreas Steinfatt verlässt die Paulaner-Brauerei. Der neue Paulaner-Vertriebschef wird nach dem Derblecken Thomas Drossé (52) sein.

München – „Salve pater patriae! Bibas, princeps optime!“ Am 28. Februar wird Hacker- und Paulaner-Chef Andreas Steinfatt (54) mit diesen Worten zum letzten Mal beim Derblecken auf dem Nockherberg den Masskrug heben. Steinfatt verlässt am Tag darauf die Brauerei.

Wir gehen im Guten auseinander.

Andreas Steinfatt

Die Nachricht erschütterte am Mittwochnachmittag die Münchner Brauerei- und Gastroszene. „Es war eine bewusste Entscheidung, für die ich einige Wochen gebraucht habe und die ich mir nicht leicht gemacht habe. Wir gehen im Guten auseinander“, sagte Andreas Steinfatt unserer Zeitung. „Was ich danach mache, weiß ich ehrlich gesagt nicht, ich habe nichts Neues. Ich bin 28 Jahre lang früh aufgestanden. Jetzt bin ich erst mal der Privatmensch Andreas Steinfatt.“

Schörghuber-Gruppe bedauert Steinfatts Ausscheiden

Steinfatt gehörte dem Unternehmen seit 1995 und der Geschäftsführung seit 2006 an, seit 2007 kümmert er sich auch um die Starkbierprobe auf dem Nockherberg. „Andreas Steinfatts Entschluss, die Schörghuber Gruppe zu verlassen, bedauern wir sehr“, teilt die Familie Schörghuber mit, der die Brauerei gehört.

Das ist echt schade. Die Brauerei verliert einen guten Mann – und wir einen tollen Partner.

Toni Roiderer

„Durch enormen persönlichen Einsatz und unternehmerisches Geschick hat er die Paulaner Brauerei Gruppe über Jahrzehnte hinweg positiv geprägt.“ Sein Nachfolger heißt Thomas Drossé (Kasten). Schörghubers lobten ihn als einen „ausgewiesenen Vertriebsexperten mit einer beeindruckenden Karriere in der Getränkewirtschaft“.

Schock bei Münchner Wirt Michael Käfer und Toni Roiderer

Für die meisten Münchner Wirte kam die Nachricht gestern aus dem Nichts. „Das überrascht mich“, sagt Wiesnwirt Michael Käfer. „Ich bedauere das sehr.“ Ähnlich empfindet auch Ex-Wiesnwirte-Sprecher Toni Roiderer (Hackerzelt): „Das ist echt schade. Die Brauerei verliert einen guten Mann – und wir einen tollen Partner.“

Stephan Kuffler vom Weinzelt sagt: „Er war viele Jahre das Gesicht der Brauerei und für uns immer ein fairer und kompetenter Ansprechpartner – auch im Brauerbund.“ Denn auch dem Präsidium des Bayerischen Brauereibundes gehörte Steinfatt an. Dessen Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz sagt: „Ich habe mit ihm äußerst angenehm zusammengearbeitet und bedaure es sehr, dass ich ihn mit seinem Abschied von Paulaner auch im Präsidium verliere.“

Neuer Paulaner-Chef leitete zuletzt Spirituosen- und Weinkonzern

Schwer vorstellbar, dass sich Steinfatt komplett zurückzieht. Er war oft in der Münchner Gesellschaft anzutreffen und sorgte für Geschichten, unter anderem durch seine Beziehung zu Kabarettistin Monika Gruber. Das ist allerdings lang vorbei: Steinfatt ist seit 2014 glücklich mit seiner Elisabeth verheiratet.

Der neue Paulaner-Vertriebschef Thomas Drossé (52) war zuletzt Geschäftsführer bei Pernod Ricard Deutschland mit Sitz in Köln –nach 15 Jahren verließ er Ende Juli 2023 das Unternehmen. Im Einvernehmen, wie es damals hieß. Pernod Ricard mit Hauptsitz in Paris ist weltweit der zweitgrößte Spirituosen- und Weinkonzern.

Steinfatt-Nachfolger Thomas Drossé fing bei Tengelmann an

Das Portfolio liest sich wie das Sortiment einer gut sortierten Bar: Ramazzotti, Absolut Vodka, Chivas Regal, Jameson Irish Whiskey, Havana Club Rum, Malibu Likör und Mumm – und sogar Perrier-Jouët Champagner. Umsatz 2023: 12 Milliarden Euro.

Seine Karriere begonnen hatte der 52-Jährige bei der Tengelmann Unternehmensgruppe, wo der Diplom-Kaufmann für den Einkauf von alkoholfreien Getränke, Bier und Tabakwaren zuständig war. Seine nächste Station war bei Gerolsteiner Brunnen, was zu Bitburger gehört. Andreas Maisberger vom Verein der Münchener Brauereien traut ihm Paulaner zu - zu den Herausforderungen gehörten vor allem der Rohstoffmangel und die sinkenden Bier-Absätze.

Mehr News finden Sie in unserer brandneuen tz-App, jetzt im verbesserten Design mit mehr Personalisierungs-Funktionen. Direkt zum Download, mehr Informationen gibt es hier. Sie nutzen begeistert WhatsApp? Auch dort hält Sie tz.de/muenchen ab sofort über einen neuen Whatsapp-Kanal auf dem Laufenden. Hier geht‘s direkt zum Kanal.

Kommentare